Hauptmenu . _
Hauptmenu
Hauptmenu Hauptmenu Hauptmenu
Hauptmenu .

Linkmap

.
. .

Quer durch Galerien

Die Abstiegshilfe "Freier Fall"

Von Claudia Aigner

Das österreichische Webverzeichnis!Es kommt ja tatsächlich vieles von oben auf uns zu. Der Santa Claus zum Beispiel, dieser aus dem Land der unbegrenzten Sättigungsmöglichkeiten importierte Bauch, aus dem Land nämlich, wo Cola und Ketchup fließen, die Rinder als faschierte Laberln ganz von allein in die trenzenden Mäuler hüpfen und die Straßen McDrive genannt werden, dort, im Heimatland der Satten, im McAmerica, wo das Oberhaupt nur "der Big Mac" heißt oder derzeit "George Double-You Burger Royal", ja, genau aus dieser Gegend kommt das Abdomen der Größe "Kingsize", das bald wieder über unsern europäischen Köpfen Schlitten fahren wird (in einem lappigen Semmerl auf Pommes-Frites-Kufen) und sich über die Dächer ziehen lässt von faschierten Rentierlaberln, von McRudolph (das ist der mit der roten, weil in Ketchup getunkten Nase), von McDasher, McDancer, McPrancer, McVixen und wie sie alle heißen, die Ausgeburten meiner "Ess-Sprechsucht".
Oh ja, die ketchuprote Weihnachtswampe meine ich, die im Gelobten Land der tierischen und körpereignen Fette daheim ist und die voller Vanillekipferln, pardon: Donuts ist. Denn wahrscheinlich sind die Kipferln dort kringelförmig, Uroboros-Kipferln sozusagen, weicher Kipferlteig, der sich in den Schwanz beißt. Eine Scheibe mit Loch in der Mitte und pinkem Zuckerguss oben drauf. Tja, Weihnachten in Übersee hat die Konfektionsgröße XXXL.
Der Santa Mac also und andere Bescherungen steuern uns an, aus mehr oder weniger entlegenen Luftschichten, weil sie halt einfach nicht dort droben in der Atmosphäre bleiben wollen: das schlechte, mitunter förmlich beschissene Wetter beispielsweise, wenn die knapp 300.000 Wiener Tauben wieder einmal alle zur gleichen Zeit ihre Bordtoiletten leeren (die bekanntlich Plumpsklos sind) und die bodennahe Bevölkerung düngen. Die Welt ist schließlich nicht "oben ohne", sondern hat einen reichhaltigen Himmel. Vor 65 Millionen Jahren stürzte gar das Aussterben der Saurier von dort herab (in Gestalt eines Asteroiden). Und aus den Wolken fielen dereinst Ikarus und Luzifer, die die radikalste aller Abstiegshilfen nutzten: die Erdanziehungskraft (weil sie die Abstiegshilfe "Fallschirm" damals noch nicht hatten).
Kurzum: Die sehr saftige, übermütig sinnliche, anregend gemischte Schau (praktisch eine "Flugshow") beim Kargl (Schleifmühlgasse 5, bis 30. Oktober) heißt schlicht "From Above". (Ignoriert aber den Santa wohlweislich.) Und seit immer mehr Leute nicht Hummeln, sondern Aerodynamik im Hintern haben (nein, nicht Blähungen, vielmehr Flugzeuge), also sehr flugwillig sind, kennt der Mensch die Vogel- äh Boeing-737-Perspektive aus eigener Anschauung. Es ist übrigens bloß ein verwegenes Vorurteil, dass der angeblich Flügel verleihende Energydrink "Red Bull" einfach Kerosin mit viel Zucker und künstlichen Aromazusätzen wäre. Die einschlägig "flatterhafte" Werbung (im ornithologischsten Sinne des Wortes) schreckt somit Leute mit Flugangst oder mit Pteronophobie (der Angst vor Federn oder davor, mit Federn gekitzelt zu werden) völlig unnötig vom Kauf ab.

Galerie Kargl: Sag zum Abschied leise "pffft"

Das, neudeutsch gesprochen: "Starterkit" (das Starterpaket) für Astronauten, folglich für Personen mit dem größten Fernweh, enthält ein Probegasfläschchen, gefüllt mit der klassischen Aufstiegshilfe für Luftballone (Gas, leichter als Luft), und einen "Beatmungsschlauch", der quasi das Starterkabel ist.
Nein, ich fang' lieber anders an: Das Weltall ist eine katzenfeindliche Umgebung, so ganz ohne Sauerstoff und Whiskas. Das ausgestopfte Kätzchen, das mit verzweifeltem "Steigflugblick" unter der Decke schwebt, nachdem ihm Werner Reiterer mit einem Schlauch "Starthilfe" gegeben hat (beim "Auspuff" hinten rein) und es mit genug "Odem der Bohnen" aus der Gasflasche ausgestattet hat, um wohl eine halbe Stunde lang einen Whirlpool damit betreiben zu können, ist womöglich wirklich der Präzedenzfall für bemannte Raumfahrt und stammt, wie der Titel des verstörenden Gags behauptet, aus den "Anfängen der Raumfahrt". Dann wäre die Katze prädestiniert gewesen, der erste Weltraumbiomüll zu werden, zumal eine Rückholaktion nicht geplant gewesen sein dürfte. (Die Katze hat ja keinen Fallschirm umgeschnallt.) Hätte sie freilich die Weltfluchtgeschwindigkeit (für den Ausbruch aus dem Gravitationsfeld der Erde) jemals erreicht, wäre sie ohnedies durch den Druckabfall im All (wegen dem Vakuum) explodiert. Bumm.
Eine Transportbox liefert Mark Dion mit seinem mumifizierten Vogel mit, weil der natürliche Flugkörper sich nicht mehr aus eigenem Antrieb fortbewegen kann infolge der posthumen Verpuppung nach Art der alten Ägypter. Und Andreas Slominski will die Freizügigkeit der Schmetterlinge abrupt beenden, indem er mitten in ihre Flugbahn hinterfotzige Fangnetze hineinhängt. Um die Unsterblichkeit einzufangen? Weil ja die bunten Flatterer Sinnbilder der unsterblichen Seele sind? Oder die Liebe, um sie dann zu verspeisen, um Schmetterlinge im Bauch zu haben? Trotz des nüchtern Prosaischen also eine potenziell poetische Arbeit.
Die ambivalente Ästhetik des Krieges: Abstoßend schön ist das pyrotechnische Spektakel einer Luftschlacht, die uns das Video von Martin Dammann vorführt. Warum Martin Boyce allerdings den Hämorrhoiden-Brütern (den Angestellten des sitzenden Gewerbes, sprich: den Büromenschen) die Designersessel unterm Hintern weggezogen und ein Mobile daraus gemacht hat, vermag ich nicht zu sagen. Aus Sadismus? Oder weil im Herbst eben die Sesshaften von ihren Arbeitsplätzen, ihren Sitzplätzen in der Arbeitswelt, fallen wie die Blätter von den Bäumen? (Titel: "Es war Sommer, jetzt ist es Herbst.")

Galerie Gans: Vollpension zum Selberpflücken

Die Zweieinigkeit der Geschlechter. Anders ausgedrückt: ein Akt, zwei Geschlechter. Ein Geschlechtsakt also. Naiv dekorativ sind die Bilder schon. Bei Leslie de Melo ist das Paradies eben noch in Ordnung. Gerade noch. Denn Adam und Eva stehen bereits kurz vor der Vertreibung aus dem All-inclusive-Traumurlaub, wo die Vollpension einfach von den Bäumen gepflückt wird. Die ersten Opfer irreführender Werbung, die ja dem Werbeslogan der Schlange gutgläubig aufgesessen sind. ("Und ihr werdet sein wie Gott", was ja aufschneiderischer ist als: "Frisch, saftig, steirisch.") Wohl nicht zufällig hat der Apfel dasselbe Orange wie die Unterlippen der beiden Ur-Konsumenten. Die Erkenntnis des Guten und Bösen ist ja oral einzunehmen.
Typisch de Melo. Der weiß halt, wie man eine Bildfläche mit plakativ süffigen Farben füllt und mit manieriert graziösen Leibern in lieblich sexueller Harmonie. Auch in seinen archaisch schlichten Keramiken sind die Männchen und Weibchen zu zweit ein Fleisch. Oder ein Klumpen Ton. Sehr intensive Liebesballungen. Bis 30. Oktober, Galerie Gans (Kirchberggasse 4).

Galerie Senn: Aqua alta im bürgerlichen Wohnzimmer

Es widerstrebt mir eigentlich, mich mit diesen ziemlich willkürlich eingenässten Arbeiten überhaupt zu befassen. Amelie von Wulffen (bis 30. Oktober bei der Senn, Schleifmühlgasse 1) hat ihre Blätter dermaßen in Acryl ertränkt, dass sie sich schon wellen wie ein Gewässer. Die "Überschwemmung" soll die aufs Papier geklebten Fotos von Gemälden und Vitrinen in bürgerlicher Umgebung irgendwie fortsetzen. Na ja.

Erschienen am: 22.10.2004

.

bullet Quer durch Galerien

bullet Kunstsinnig

bullet Ausstellungen vom 6. bis 12. November

bullet Wien Museum: Fotoarbeiten von Henri Cartier- Bresson und Willy Römer

bullet Otto- Mauer- Preis 2004 vergeben

bullet Kunstsinnig

bullet Ausstellung: Epi Schlüsselberger und Valerie Schmid

.