Das KHM zeigt zeitgenössische russische Kunst der Stella Art Foundation
Ironisch, aber revolutionär
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Der Revolutionär als Kitsch-Ikone, gesäumt von Pin-up-Girls:
Heldenverehrung à la Konstantin Zvezdochetov, "Che Guevara", 1990.
Foto: Stella Art Foundation/KHM
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Die Stella Art Foundation gehört zu den Big Playern der
zeitgenössischen Kunst. Die privat finanzierte Moskauer Kunststiftung
sorgte bei der Biennale in Venedig 2007 für Furore und kauft sich auch
in St. Petersburg und Wien nur in die höchsten Institutionen ein: Nach
der Eremitage präsentiert das Kunsthistorische Museum nun zentrale
Werke in der Ausstellung "Dieses obskure Objekt: Kunst. Zeitgenössische
Russische Kunst 1975 – 2007".
Obwohl sich bereits vier Museen in
Wien um die Gegenwartskunst bemühen, ist diese Schau vor allem ein
Blick zurück in die Kunstgeschichte und daher im KHM am richtigen Ort.
Künstler als Affen?
Der Hinweis auf die Schau beginnt bereits im Eingangsbereich mit
einem verkleinerten Lenin-Mausoleum aus Dominosteinen von Yuri
Awwakumow. Der Künstler ist jung, ironisch und auch als Architekt und
Kurator mit der revolutionären, konstruktivistischen Avantgarde befasst.
Auch in Russland betätigen sich bildende Künstler gerne als
Theoretiker. Postmodern eben, wie die international bekannten
Künstlerpaare Vitaly Komar und Alexander Melamid oder Ilya und Emilia
Kabakov. Letztere stehen im Bassano Saal für die Anfänge der aktuellen
russischen Kunst aus dem Untergrund.
Erst nach der Perestroika konnte sich die künstlerische Opposition
über die offizielle Kunst hinweg setzen. Berühmt wurden sie vor allem
im Westen.
Die Künstler kritisieren in ihren Werken jedoch nicht nur die
eigenen Verhältnisse: Vagrich Bakhchanyan etwa verhöhnt die
Kriegstreiber in den USA, Boris Orlow arbeitet generell mit Waffen als
Machtsymbol. Er ist ein Hauptvertreter der sogenannten Soz-Art, einer
russischen Variante der Pop-Art.
Das Künstlerpaar Komar & Melamid, die heute getrennte Wege
gehen, haben von 1981 bis 1983 in Amerika ihre Bildserie "Nostalgischer
Sozialistischer Realismus" geschaffen, das bekannte "Stillleben mit
Marx und Engels" aus dieser Serie ist in Wien zu sehen.
Auch die Konzeptkunst hat eine russische Variante: Yuri Albert
erfand die "elitär-demokratische Kunst". Damit verweist er ironisch auf
den Begriff des Künstlers als "Affen der Natur", ein Sinnspruch des
antiken Dichters Horaz. Die Kunstgeschichte ist für ihn als Kontext
wesentlich, die Kunst selbst scheint hingegen fast überflüssig zu sein.
Wie Jelena Jelagina ist auch Albert Aktionist, wie einige andere der
ausgestellten Künstler. Dieser Aspekt kann im Bassano Saal ebenso wenig
gezeigt werden wie die Position der Fotografie.
Der Dialog zwischen Ost und West allerdings ist inhaltlicher Teil
der Stiftung, deren Werke ab 2010 permanent gezeigt werden. Die
Ausstellungsräumlichkeiten hat Konstantin Melnikov entworfen.
Zeitgenössische Russische Kunst 1975 – 2007
Wladimir Lewaschow (Kurator), bis 16. November Kunsthistorisches Museum
Printausgabe vom Dienstag, 28. Oktober 2008
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