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Kunstberichte

Ausstellung

Ein "zweites Leben" als Licht am Ende des Tunnels

Ein lyrischer Tatsachenbericht: Maria erfährt, dass ihr Sohn nicht HIV-infiziert ist. Foto: Benjamin Béchet

Ein lyrischer Tatsachenbericht: Maria erfährt, dass ihr Sohn nicht HIV-infiziert ist. Foto: Benjamin Béchet

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Unverfälschte Tatsachen, aber mit künstlerischer Perfektion: Die Fotoausstellung "Second Life" bietet im Leopold Museum dieser Tage beides. Und auch zwei Anlässe sind für die Schau zu nennen, die gemeinsam mit der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" zustande kam: der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember ebenso wie die schlichte Möglichkeit, das Atrium des Wiener Museums nun zum dritten Mal für ein fotografisches Projekt zu nutzen.

In seiner Serie "Second Life" hat sich Benjamin Béchet, der auch als Pressefotograf für "Le Monde" oder "Libération" arbeitet, nicht eben geringe Ansprüche gestellt – galt es doch, Porträts von Aidskranken mit deren Einverständnis in ihrer heimatlichen Umgebung von Mosambik zu machen. Sie alle leben eine Art "zweites Leben" durch die Teilnahme an einer antiretroviralen Medikamenten-Therapie; die Hilfsorganisation, die 1999 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, setzt sich für diese Behandlung ein.

Die Fotos sind von erzählenden Untertexten und Zitaten der Porträtierten begleitet: Die Menschen, die als "Patientenlotsen" auch andere Kranke für die Therapie anwerben, sprechen offen über ihre Situation.

Auch der anhaltende Glaube an Wunderheiler und die Angst vor der "fremden" Medizin wird direkt thematisiert. Sousa, der sich für das Ausstellungs-Plakat zur Verfügung stellte, arbeitet gegen dieses Misstrauen – scheinbar gesund und selbstbewusst steht er vor einer bröckelnden Mauer.

Mit viel Sympathie

Die vollschlanke Rebeca hält sich dagegen für zu dünn; das Ideal größerer Leibesfülle strebt sie mit vollem Lebenswillen an. Ihrem gesunden Mann hat sie angeboten, sich mit einer anderen zu verheiraten, doch er will nicht.

Andere wurden im Stich gelassen und müssen mit Obstverkauf auch ihre Kinder durchbringen. Ein besonderes Foto zeigt Maria mit ihrem kleinen Sohn in einem Tragetuch – während sie erfährt, dass der Kleine gesund ist.

Benjamin Béchet versteht es, solche Momente lyrisch und mit viel Sympathie einzufangen.

Aufzählung Ausstellung

Second Life

Werke von Benjamin Béchet Monika Obermeier (Kuratorin) Leopold Museum Bis 8. Dezember

Printausgabe vom Donnerstag, 27. November 2008

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