


Lisl Ponger: "Wir sind viele - quod erat demonstrandum"
Linz - Mit ihrem am Mittwochabend eröffneten zweiteiligen Projekt wirft die Landesgalerie Linz einen Blick auf die österreichischen Beiträge zur Biennale di Venezia seit 1948 und zeigt sechs "Proposals for Venice", erarbeitet von bereits 2010 beauftragten Kuratoren. Die Frage "Was hätten wir für die Biennale ausgewählt, ist Wahrheit geworden, die Biennale durchaus nach Linz gekommen", sagte Landesmuseen-Direktor Peter Assmann bei der Presseführung.
Mit dieser "anderen" Biennale wird das Ausstellungsformat aber auch hinterfragt. Sein Dasein zwischen "Grand Prix und veraltetem Nationalcharme" habe mit wirklicher Kultur nichts zu tun, so Raimar Stange, einer der Kuratoren. Nicht als Gegenbiennale sondern als etwas Modellhaftes und Spielerisches sieht Landesgalerie-Leiter Martin Hochleitner das Unterfangen, das Fragen einer eigenen Institutionskritik aufwerfen soll.
"Die Biennaledokumentation" soll ein Gefühl vermitteln für Projekte, die seit 1948 in Venedig gezeigt worden sind, auch dafür, dass nur knapp zehn Prozent Frauen unter den Künstlern sind und bei den Kommissionären ein Machtsystem sichtbar sei, so Hochleitner. Einige der jeweiligen Teilnehmer sind mit Arbeiten aus der Sammlung der Landesgalerie präsent, Alfred Kubin als einziger mit einem Werk, das tatsächlich in Venedig zu sehen war. In der korrespondierenden Installation "Lora Sana" thematisiert Carola Dertnig die männliche Dominanz im Wiener Aktionismus anhand von Aussagen eines fiktiven weiblichen Modells.
Referenzen und Aneignungen
In "Proposals for Venice" präsentieren die Kuratoren "ihre" Biennale-Künstler. Die Leiterin des Salzburger Kunstvereins Hemma Schmutz hinterfragt das Format Biennale in drei Diskussionsrunden am 7., 14. und 28. Juni. Nicole Six und Paul Petritsch haben dazu eine Glaswand aufgestellt, die sich während einer Stunde durch den Raum bewegt und die Teilnehmer gewissermaßen zu einer Performance zwingt.
Lisl Ponger, kuratiert von der Grazerin Margarethe Makovec, stellt Randgruppen in wie tableaux vivants wirkenden Fotografien in den Mittelpunkt. Die Aussage: "Wir sind viele - quod erat demonstrandum" wirft die Frage auf, was eine Kunsteinrichtung für die Integration leisten kann.
Günter Mayer vom Medienkulturhaus Wels fuhr mit Elfi Semotan und Andreas Strauss nach Venedig. Entstanden sind zwei großformatige Foto-Arbeiten, in die gegenseitige Aufnahmen der Künstler eingeflossen sind. Referenz war Martin Kippenberger, der in einem Foto - aufgenommen von Semotan - einen Auftritt im Nicht-Biennale-Jahr 1996 vorgaukelte.
Das Grazer Kollektiv G.R.A.M. baute mit "Der konsekrierte Österreich-Pavillon nach Rudolf Schwarzkogler" dessen Entwurf von 1967 nach - mit bunten Worten auf weißem Untergrund. Martin Hochleitner sieht den von ihm kuratierten Beitrag als "Aneignung von Referenzkunst" und Teil einer aktuellen Strömung.
In der Gruppenausstellung "Peanuts & Politics" setzen der österreichische Künstler Andreas Reiter Raabe und der Berliner Kurator Stange mehr oder weniger Politisches von sechs Teilnehmern - jung oder etabliert, nur zwei aus Österreich - in Kontext.
Edgar Honetschläger, derzeit mit "Aun" in den Kinos und kuratiert von Thorsten Sadowsky, gibt mit einer Modell-Szene und Skizzen einen Vorgeschmack auf seinen Film "Billionaire". Das Road-Movie führt von Rom nach L.A., und soll großteils im Studio entstehen. (APA)
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