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(12.12.2002) Der Antipode der Kunst
In
Zeiten einer neoliberalen Politik, die ein
weltumspannendes Netz an SicherheitsfanatikerInnen
zu generieren trachtet, ist es für KünstlerInnen
selbstverständlich, der dominanten, an den rechten
Rand zusteuernden Realität entgegenzuwirken. Die
Reflexion eines risikofeindlichen und
Toleranz-schwächenden Wirklichkeitsbildes, in dem
die Kluft des ökonomischen Gefälles immer weiter
auseinander driftet, lässt meist nur mehr die Wahl
zwischen einer schonungslosen Kritik bestehender
Machtverhältnisse oder der totalen Abschottung von
gegenwartsbezogenen Lebensumständen. Letztere
führt zur Bildung selbstreferentieller
Schauplätze, an denen die Freudschen
Verdrängungsmechanismen ihre Wirkung
zeigen.
Dem Phänomen der Idylle, das im
Gegensatz zu den utopischen, in die Zukunft
projizierten Lebenswelten bereits in der Gegenwart
seine Umsetzung findet, wird in der aktuellen
Nummer der Kunstzeitschrift kursiv
nachgegangen. Der Eingangstext von Slavoj Zizek
skizziert das Bild vom netten Jungen von Nebenan,
der in der Gestalt von Bill Gates die Fäden
globaler Macht in seinen Händen hält und den
virtuellen Raum zur Ware und daher zum
eigentlichen Erfahrungswert des postmodernen
Subjektes werden lässt. Mechtild Widrich versucht
den Übergang von einer der letzten idyllischen
Repräsentationsweisen im Biedermeier zu
gegenwärtigen Praktiken des Kunstbetriebes und dem
Phänomen des lässigen Loungers zu ziehen, während
Jeanette Pacher Idyllkonfigurationen der Gegenwart
untersucht, die oftmals im rechten Lager
U.S.-amerikanischer Alltagskultur anzusiedeln sind
und von der Autorin mit österreichischen
Beispielen belegt werden, etwa der Neighborhood
Watch und dem Pendant einer Bürgerwehr in
Österreichs zweitgrößter Landeshauptstadt.
Idyllische Bildlandschaften à la Gerhard
Richters Grauen Bildern (Brandon Taylor) sowie
sonntägliche Idyllzusammenbrüche von Singles
(Petra Rathmanner) werden ebenso verhandelt wie
Ratten als Symbol von anti-bürgerlichen und später
salonfähig gewordenen Punk-Bands (Wolfgang Kos).
Mit zahlreichen künstlerischen Abbildungen in
Farbe und einem haptisch faszinierenden
Schutzumschlag ein geeignetes
Konsultationsexemplar fürs private Bücherregal.
kursiv. eine Kunstzeitschrift, Heft
9-3/4/02: Idylle (1). In veilchensüßen Träumen,
hrsg. von Jeanette Pacher und Mechtild Widrich,
Linz 2002
Walter Seidl

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