Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte

Jetzt neu: Origami-Karate

Jetzt neu: Origami-Karate

Aufzählung (cai) Man kann sie nicht aufs Brot schmieren (na ja, außer wenn man sich sehr anstrengt), nicht einmal die Nase putzen kann man sich damit (gut, Banausen könnten das schon ), und wenn man mit dem Finger draufdrückt (ungefähr so wie auf eine Türklingel), tut sich entweder nix oder man wird von zwei Museumswärtern zu Boden gerissen. Diese inoffizielle Definition von Kunst (dass sie für nichts zu gebrauchen ist, wobei "nichts" natürlich relativ ist) scheint der Hans Schabus irgendwie zu bestätigen.

Ein eingeschlagenes Fenster hängt er einfach als Bild auf. In eine brave Holztür macht er ohne Pardon zwei Knicke. Und besäße er den schwarzen Gürtel in Origami-Karate, hätte er sicher längst mit gezielten Handkantenschlägen aus einem Schneidbrettl eine Seerose gefaltet, als wär’s eine gefügige Serviette. Doch die Hauptattraktion ist das Taferl, das auf der leeren Wand in etwa so unauffällig ist, als prangte dort der Hintern von Antonio Banderas und auf der linken Backe wäre eintätowiert "572 kg Luft". Das steht nämlich auf dem Schild. Dürfte die Beschriftung für ein unsichtbares Readymade sein. Denn in der Galerie könnten sich ja echt 572 kg Luft aufhalten. Genial. Readymade, das ist, wenn man zum Beispiel jemandem den Sessel unterm Popo wegzieht, das Möbel zum Kunstwerk erklärt und sich keiner mehr draufsetzen darf. Äh, darf man dann in der Galerie überhaupt atmen (die wertvolle Luft)? Der Schabus schafft es immer wieder, markante Objekte voller brachialer Poesie zu erzeugen, die so viel Charisma haben wie ein trenzender Hund Speichel.

Gille, gille, zwick, zwick

Aufzählung (cai)Aha, das verdutzte rohe Fleisch wird da wohl grad vom Yeti verschleppt. Das muss eine sogenannte "Männerfantasie" sein. Aber die ist nicht vom Reinhold Messner, sondern vom Ernst Skrièka. Seine herzhaft abgründigen Zeichnungen (von 1970 bis 80) sind bevölkert von Unholden, die Frauen zwicken (oder kitzeln?), und monströsen, oft verstümmelten Anatomien. Die brutale Finesse der Blätter hat ihren Charme.

Engholm Engelhorn

Galerie (Schleifmühlgasse 3) Hans Schabus Bis 4. November Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr Sa.: 11 – 15 Uhr

Galerie Lang Wien

(Seilerstätte 16) Ernst Skrièka Bis 16. November Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr Sa.: 11 – 16 Uhr

Printausgabe vom Mittwoch, 29. Oktober 2008

Kommentar senden:
Name:
 
Mail:
 
Überschrift:
Text (max. 1500 Zeichen):
Postadresse:*


* Kommentare werden nicht automatisch veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor Kommentare abzulehnen. Wenn Sie eine Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme als Leserbrief in der Druckausgabe wünschen, dann bitten wir Sie auch um die Angabe einer nachprüfbaren Postanschrift im Feld Postadresse. Diese Adresse wird online nicht veröffentlicht.

Wiener Zeitung · 1040 Wien, Wiedner Gürtel 10 · Tel. 01/206 99 0 · Mail: online@wienerzeitung.at