anmeldenabmelden

MAK-Mitarbeiter sprechen der Leitung das Misstrauen aus

03. März 2011, 18:58

"System Noever" wird aber auch heftig verteidigt - Mit Kommentaren PRO und CONTRA

Wien - Nur wenige Tage nach dem Rücktritt von Peter Noever hat ein Teil der Mak-Belegschaft der Geschäftsleitung ihr Misstrauen ausgesprochen. Dies berichtet Profil online. In einem Mail, gerichtet an Martina Kandeler-Fritsch, Andrea Jungbauer-Radax und Kathrin Pokorny-Nagel, heißt es: "Sie alle waren während der Amtszeit von Noever Teil der Geschäftsleitung, Sie waren zeichnungsberechtigt. Aus diesem Grund hegen wir die berechtigte Sorge, dass es Ihnen nicht möglich sein wird, objektiv und wertfrei an der Aufarbeitung der Geschehnisse mitzuwirken."

  • MEHR ZUM THEMA
  • Online:mPAY24 - Die Online -Zahlungslösung

Noever habe trotz Zutrittsverbots einen Generalschlüssel, ihm seien nicht, wie vom Kuratorium gefordert, die Computerpasswörter entzogen worden. "Das spricht gegen den Grundsatz der Objektivität und legt nahe, dass Sie offensichtlich befangen sind". Man befürchtet, dass "die Politik Noevers fortgesetzt werden soll".

Das "System Noever" wird aber auch heftig verteidigt (darunter von Mak-Mitarbeitern): auf der Homepage www.propeternoever.at. (trenk)

 

Zur Webseite zwei Kommentare  - ein PRO & CONTRA:


PRO: Ärger im globalen Dorf
Von Andrea Schurian

Gut so, wenn die "Pro Peter Noever"-Website irritiert. Sehr wahrscheinlich wurde sie zu diesem Zwecke installiert. Deswegen. Und um der medialen und politischen Lust am Skandal eine gewisse Differenziertheit entgegenzusetzen. Um internationalen und nationalen Kapazundern aller Sparten und Fächer Raum zu geben, auf dieser Seite Noevers Verdienste zu würdigen, ohne die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu marginalisieren. Sie tun das übrigens unter vollem Namen und nicht, wie in den meisten anderen Internetforen, anonym. Geniale Freigeister wie etwa Andrea Breth, Eric Owen Moss, Daniel Spoerri oder Aude Stoclet nun als Noevers nützliche Idioten abzustempeln ist, gelinde gesagt, ziemlich kühn.

Gut so, wenn der Umgang mit öffentlichen Geldern genauestens geprüft wird - in jeder Hinsicht: bei Geburtstagsfesten (aufschlussreich das Bekenntnis eines US-Big-Spenders, er habe nur gesponsert, weil er dazu eingeladen war).

Nennenswert ist aber auch, wenn ein Museumsdirektor durch Künstlerschenkungen oder die Schindlerhäuser in Los Angeles für das Mak und den Staat Millionenwerte generiert. Gut so, dass über all dies im globalen Dorf gesprochen werden konnte. Oder über den Ärger, dass die KHGs unschuldsvermutet durch die Gegend spazieren, während Ministerin Claudia Schmied im ORF, noch ehe Strafanzeige erstattet wurde, zu Noever "hohe kriminelle Energie" assoziierte. Das war nämlich definitiv nicht gut so.

 

CONTRA: Der gestürzte Patriarch
Von Thomas Trenkler

Keine Frage: Peter Noever hat vor vielen Jahren Großes geleistet. Er hat das Museum für angewandte Kunst entstaubt, er hat für Diskussionen gesorgt. Aber die Kulturpolitik hat ihn zu oft, viel zu oft im Amt bestätigt: Sie tolerierte, dass er sich jede Freiheit herausnahm. Sie tolerierte, dass er der Aufgabe, angewandte Kunst zu zeigen, nicht nachkam. Sie tolerierte seine Selbstinszenierungen auf Kosten der Mitarbeiter und des Mak.

Elisabeth Gehrer, Kulturministerin von 1995 bis 2007, und ihre Nachfolgerin Claudia Schmied gingen vor Noever in die Knie. Er ist, keine Frage, ein charmantes Alphatierchen, das Blumensträuße verschickt. Wer mit ihm auf Kosten der Steuerzahler nach L. A. reiste, kam als Fan zurück.

Noever machte sich im Laufe der Jahrzehnte viele Künstler, die er präsentierte oder denen er Ausstellungen versprach, zum Freund. Ministerialbeamte und Journalisten, die ihn hofierten, beschenkte er reich: Sein riesiges Büro war im Advent voll mit Rumflaschen und Zigarrenkisten, die in Geschenkpapier eingepackt werden mussten.

All jene, die in den übertrieben luxuriösen Jahresberichten abgebildet sind oder als Claqueure zu seiner letzten Pressekonferenz eingeladen waren, danken es ihm nun auf einer Homepage mit Liebesbriefen. Soll sein. Aber: Noever ist kein schuldloses Opfer einer Intrige. Wie den Menschen in Ägypten hat es auch den Mitarbeitern gereicht: Sie revoltierten gegen den bald 70-jährigen "Patriarchen".
(DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2011)

drucken
Fan von derStandard.at/Kultur auf Facebook werden
it'sPeanutButterJellyTime
04.03.2011 09:52
kann es ja nicht oft genug wiederholen..........

diese liste an unterzeichnern ist des MAKs kuriositaetenkabinett. abgeschaltet im 3. stock sitzen sie sich ihre pragmatisierten gesaesse wund. ein kaffekraenzchen, das an nutzlosigkeit kaum zu überbieten ist & dem museum nun einen baerendienst erweist. die haben bereits seit vielen jahren die arbeit an & mit dem haus eingestellt. im verbund mit dem kleinen kellernaczi ein wahres wunderwerk der leistungs- & verantwortungsbereitsschaft in der postnoeveraera.
die repräsentieren doch beileibe nicht das MAK & waeren die ersten, die ein neuer direktor schassen wuerde/muesste/sollte.

Generaldirektor Kunstsinn
04.03.2011 00:21
Politische Verantwortung

Noevers Vertrag wurde von Frau Ministerin Schmied verlängert. Er hat ja ihr Büro so schön bunt eingerichtet (Geschmack kann man nicht kaufen).
Nun entscheidet sie die Nachfolge für Noever; alleine ohne Findungskommision. Sie fühlt sich nicht zwingend an (ihre eigene) Ausschreibung gebunden und verantwortet ihre Personalentscheidung selbstverständlich auch alleine.
Jetzt hat sie den Bock zum Gärtner gemacht und die langjährige Stellvertreterin Noevers - die natürlich nichts von den Malversationen gewusst hat und nirgends dabei war - mit der Leitung des Museums beauftragt. Wenn ihr Verantwortung ein Anliegen ist sollte Frau Ministerin Schmied zurücktreten.

Persönlicher Assistent vom Noever
03.03.2011 23:49
.
[2]
.
MAK-Interna

Lassen wir die Fakten sprechen: Noever hat seinen Mitarbeitern vorgeschrieben welche Betriebsräte sie zu wählen haben! Er hielt sich einen eigenen "Betriebsrat im Betriebsrat" das sind derzeit zwei von fünf Betriebsräten. Dramatisch ist, dass das wissenschaftliche Personal sein Misstrauen ausgesprochen hat. Fakt ist auch, dass es Mitarbeiter gibt, die nicht wahr haben wollen was geschehen ist: Ihr grosser Meister wurde von seiner geliebten Ministerin Schmied öffentlich als Betrüger vorgeführt. Jetzt schleimen sie für Noever im Internet herum. Die absolute Mehrheit der Mitarbeiter schweigt betroffen. Die Unterzeichner haben korrekt gehandelt. Das aktuelle Management sollte sofort zurücktreten. Die Ministerin hat dringenden HANDLUNGSBEDARF!!!

03.03.2011 21:54
.
[3]
.
MAK Mitarbeiter

Sprechen Sie doch nicht generalisierend von MAK Mitarbeiter. Nur 11 der mehr als 150 MAK Mitarbeiter sprechen der Leitung das Misstrauen aus. Eine davon ist erst ein Jahr im MAK und hat wohl nur aus unüberlegtem blindem Gehorsam gegenüber Kustoden-Kollegen unterschrieben. Zwei BR-Mitglieder wurden gar nicht erst gefragt. Eine Mitarbeiterin hat mit Noever nichts zu tun gehabt, hat wohl nur aus Solidarität zu ihren Beamtenkollegen unterschrieben. Bleiben also noch 7 Mitarbeiter übrig. Sechs davon sind Beamte und pragmatisiert.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.