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Zuletzt aktualisiert: 04.10.2011 um 13:15 UhrKommentare

Unteres Belvedere widmet sich Curt Stenvert

Rückschau auf einen Unbequemen: Das Untere Belvedere widmet dem gebürtigen Wiener Neo-Dadaisten und Objektkünstler Curt Stenvert eine umfassende Retrospektive. Dem ebenso multimedial wie international tätigen Stenvert, 1992 in Köln verstorben, mangelt es in seiner Heimat an Bekanntheit - was das Belvedere nun ändern möchte. So hat die Witwe dem Museum das gesamte Archiv überantwortet.

"Diese Unterlagen haben uns viele neuen Möglichkeiten eröffnet", unterstrich Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco am Dienstag bei der Präsentation der Ausstellung. "Seine wahren Qualitäten sind nicht erkannt worden", bedauerte die Museumschefin. Man sei deshalb stolz, 1975 im Belvedere die erste und bis dato einzige österreichische Personale zu Stenvert gezeigt zu haben und nun auch die erste Retrospektive, die 89 Werke vereint. Dabei wird das breite Oeuvre des Künstlers beleuchtet, nicht nur die in den 1960ern begonnene Objektkunst.

So stehen auch die frühen Experimentalfilme im Fokus, darunter "Der Rabe" (1951). "Das eine ist ohne das andere eigentlich nicht denkbar", zeigte sich Kurator Harald Krejci überzeugt. Entsprechend verschränkt sind die einzelne Gattungen im Belvedere angeordnet. Jeder der vier Sektionen ist ein Film beigestellt.

Offen wie die Arbeiten des Schülers von Albert Paris Gütersloh und Fritz Wotruba ist auch die Schau in der Orangerie des Unteren Belvedere aufgestellt. Sie zeigt den Kosmos Stenvert gleichsam als Laboratorium, Experimentierfeld eines sich in verschiedenen Medien Probierenden, der entgegen vielen Pop-Art-Künstlern dezidiert politisch agierte, Teil des gesellschaftlichen Aufbruchs seiner Zeit in den 1960ern war. Entsprechend wird sein Werk nicht nur formalästhetisch, sondern stets auch im inhaltlichen Kontext gedacht.

Beeindruckend in ihrer Monumentalität ist etwa die Leihgabe des Heeresgeschichtlichen Museum, die aus mehreren Vitrinen bestehende Installation "Stalingrad - oder: Die Rentabilitätsberechnung eines Tyrannenmordes" aus Mitte der 1960er Jahre. Hitler-Bilder in mechanischer Verfremdung mit robotergleichen Totenköpfen, Maschinen des Todes, rote Farbe mit Signalwirkung. Versatzstücke des Krieges als Mahnung vor der Kriegsmaschinerie. In seinem Medium, dem Mikrokosmos der Vitrine, kreierte Stenvert in begrenztem Rahmen eine eigene Welt.

Die aktuelle Stenvert-Rückschau reicht dabei über das Belvedere weit hinaus. Flankiert wird die Ausstellung von einer Retrospektive im Filmarchiv Austria, die im November nicht nur die Experimentalfilme, sowie die beiden Spielfilme "Wienerinnen" und "Flucht ins Schilf" zeigt, sondern auch Stenverts Kultur- und Industriefilme.

Quelle: APA

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