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WIEN: Eindrucksvolle
Alfred-Hrdlicka-Retrospektive im Kunsthistorischen Museum
angelaufen
Bewahrer der großen Bildhauertradition
Europas
Das Kunsthistorische Museum nutzt seine Dependance
im Palais Harrach auf der Freyung in zunehmendem Maße als Plattform
für die Präsentation zeitgenössischer Kunst und Künstler. Nach den
Ausstellungen über die beiden Oberösterreicher Karl Rössing und
Alois Riedl wird nunmehr (und das ist gut so) der 73-jährige
Bildhauer und Grafiker Alfred Hrdlicka, um den es in letzter Zeit
ein wenig still geworden war, in höchst eindrucksvoller Weise wieder
in Erinnerung gerufen.
Bei Hrdlicka handelt es sich nicht
nur um einen der wenigen großen Allrounder der heimischen Kunstszene
- er ist als Bildhauer gleichbedeutend wie als berührender Zeichner
und herausragender Radierer -, sondern darüber hinaus um einen der
Letzten, für den das Menschenbild den Ausgangspunkt allen Schaffens
bildet.
Dies ist umso bedeutsamer, als für die folgenden
Generationen eben diese Auseinandersetzung jedwede Relevanz verloren
zu haben scheint. An ihre Stelle trat ausschließlich die
Visualisierung konzeptioneller Überlegungen und formal
determinierten Gedankengutes.
Somit wurde Hrdlicka zum
Bewahrer jener großen europäischen Bildhauertradition, welche von
Michelangelo über Rodin bis zu seinem Lehrmeister Fritz Wotruba
reicht. Wobei die Expressivität Hrdlickas sicherlich verwandtere
Züge zur Bewegtheit des Rodin'schen Schaffens als zur Statuarik
Wotrubas aufweist.
Immer wieder ist es die gequälte Kreatur.
Das Individuum, hin und hergerissen zwischen Lust und Leid, welches
ohne Kompromisse oder Tabus, aber stets mit einem tiefen,
mitschwingendem Verständnis und Mitgefühl dieses Oeuvre beherrscht.
In der vorliegenden Ausstellung wird anhand von rund 230
Exponaten ein Querschnitt über drei Schaffensjahrzehnte ermöglicht.
Die Plastiken, Zeichnungen und Radierungen stammen aus insgesamt
fünf verschiedenen Privatsammlungen.
Der Schwerpunkt der
Ausstellung liegt mit deutlicher Betonung auf den eher weniger
bekannten jüngeren Arbeiten und ermöglicht so neue Sichtweisen.
Vieles war nämlich überhaupt noch nie zu sehen.
Dem
Kurator Peter Baum - Chef der Neuen Galerie der Stadt Linz - gelingt
durch kluge Auswahl und betont sparsame, auf die schwierigen
räumlichen Gegebenheiten geschickt eingehende Hängung ein
Meisterwerk: Er erreicht ein eindrucksvolles Spannungsfeld zwischen
der dominanten barocken Architektur und der Stärke der Exponate.
Ausstellungsdauer bis 27 Februar. Öffnungszeiten täglich
10-18 Uhr, Normaleintritt 7,20 Euro.
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