07.07.2003 11:18
Unabhängig abhängig
Die Charim
Galerie zeigt "Die Verklärung des Un-Gewöhnlichen - Foto
Kunstobjekt, das fremde Wesen, Kunstobjekt, das alltägliche
Wesen? Spätestens seit Marcel Duchamp, siehe auch unter "Objet trouvé", ist man
da ja nicht mehr so sicher.
Und warum ist eine Brillo-Box aus dem
Supermarkt Kunst, wenn sie auf einem Sockel im Museum steht? In Anlehnung an
eine Publikation des Kritikers Artur C. Danto gruppiert die Charim Galerie in
der Wiener Dorotheergasse eine Reihe ihrer Künstler beziehungsweise deren Werke
um das Thema "Die Verklärung des Un/Gewöhnlichen"; laut Galerie zeigt man
"aktuelle künstlerische Positionen, die den Begriff des KunstObjektes vom
Standpunkt unserer Gegenwart neu erschließen".
Da wäre einmal der aus der
"Attack!"-Kunsthalle-Wien-Ausstellung bekannte Antonio Riello, der Waffen
zu niedlichen Accessoires oder Faenza-Bomben stilisiert. Die MPs kommen in der
Herren-Nadelstreifversion daher oder tigerlillig für die Partyschlampe und haben
hübsche Eigennamen (wie "Alexandra").
Einen Raum nennt man galerieintern
die Werkstatt - mitnichten: Des Atelier van Lieshouts extralarge
Waschbecken am Boden (plus witziger, erschwinglicher kolorierter Zeichnungen)
machen sich funktionell aus wie auch als ironische Weiterführung von Minimal Art
eines Don Judd.
Pseudofunktionelle Werkzeuge von Linda Benglis
stehen den absolut funktionierenden Objekten von David Moises gegenüber.
Das Verhältnis von Objekt und Repräsentation beleuchten hingegen Lisl
Pongers sowie Anatolij Shuravlevs Fotografien. Und Edgar
Honetschläger setzt dem Ganzen noch die Plastik-(Kaiser-)Krone auf. (dok/DER
STANDARD, Printausgabe, 7.7.2003)