Johannes Faber con/temporary: Robert Zahornicky
Reale Fakes
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer Nur noch wenige Tage (noch bis
30. Oktober) sind im EX-Volpinum (Theresiengasse 25-27), jetzt Kunstraum
Johannes Faber con/temporary, interessante und meist rezente Fotozyklen
des österreichischen Fotokünstlers Robert Zahornicky zu sehen.
Mit seiner zeitgemäßen Wirklichkeitsdebatte ist der Fotokünstler Robert
Zahornicky bereits vor zehn Jahren aufgefallen: Parallel zu Fragen der
Simulation, die sich Philsophen wie etwa Baudrillard stellten, hat
Zahornicky verschiedene Algenpopulationen so nah aufgenommen, dass sie wie
Küstenlandstriche aus dem Weltall aussahen - die perfekte Simulation
Im Kunstraum Johannes Faber con/temporary werden nun einige neue
Zyklen des Fotoexperimentators präsentiert: Menschenleere Cafés und die
Glasvitrinen des Botanischen Gartens in Paris haben ihn zu einer
Fortsetzung der Auseinandersetzung des (in seinen Fotos stets abwesenden)
Menschen zwischen Natur und künstlichen Welten inspiriert. Es ist dies
eine Fortsetzung seiner Serie "Wildnisse" von 2003, die großformatig als
"Cromogenic color print on diasec" kleine Naturausschnitte in die sterile
Welt des Studios verpflanzt. Das Konzept, eine perfekte fotografische
Ausarbeitung mit Fragen des Realen und Simulierten zu verquicken, setzt
sich auch im zweiten Zyklus des letzten Jahres fort: Vom Reißwolf
zerstückeltes Papier erweist sich bei genauerer Hinsicht als Literatur: So
sind etwa Auszüge von Jacques Derrida zu finden, genauso wie das
Telefonbuch von Qatar. Die Papierstreifen bilden perspektivische Wälder
mit schärferen und unscharfen Stellen, aus denen Wortfragmente wie
"hiéroglyphic" scheinbaren Sinn erzeugen. Die Gefahr der unter uns
lauernden Gefährdungen der Kulturen hat Zahornicky auch mit seinem zweiten
Metier - der Musik und Sprache - thematisiert. Ein Video bietet das
Hörerlebnis, wie Native Speakers ihre Namen vorlesen. Diese akustische
Reise verbindet sich mit Papierschnipsel und -streifen. Gut möglich, dass
der Fotokünstler auch Kennern des heimischen Kunstradio bekannt ist.
Erschienen am: 27.10.2004 |
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