| Salzburger Nachrichten am 15. Oktober 2005 - Bereich: Kultur
Dialog mit Mozart Die Internationale
Stiftung Mozarteum feiert das Mozartjahr 2006 mit vier besonderen
Wochenenden. Mozart soll im Dialog mit aktueller Kunst leuchten.
KARL HARBSALZBURG (SN). Ausgangspunkt für das erste
"Dialoge"-Wochenende vom 1. bis 4. Dezember ist "die Religion als
biografisch und künstlerisch prägendes Register in Mozarts Schaffen", sagt
Stephan Pauly, der künstlerische Leiter der Stiftung, im SN-Gespräch.
Pauly hat gemeinsam mit Markus Hinterhäuser, Hans Landesmann und Veronika
Hagen das Konzept entworfen. Ziel ist es, sowohl in der Vernetzung der Künste (Musik, Performance,
Theater, Tanz) als auch im Herstellen von Bezügen und Verweisen zwischen
Klassik und Moderne Mozarts Werke neu zu beleuchten und damit auch neues
Publikum anzusprechen. Kult und Religion spielt bei Christoph Schlingensief eine wesentliche
Rolle, der deshalb auch den "Diskurs" am 1. Dezember mit Beispielen seiner
Arbeiten eröffnet, vom Bayreuther "Parsifal" über die "Church of Fair" bis
zum jüngsten Projekt, dem "Animatograph". "Der Gitarrenmann", ein Monolog von Jon Fosse, gespielt von Josef
Bierbichler, öffnet, so Stephan Pauly, "einen abstrakten, heutigen Blick
auf Religion": Am Ende der "Selbstrechtfertigung" eines Mannes steht die
Frage, wie das Leben hätte ausschauen können, wenn er an Gott geglaubt
hätte. Im Zentrum der musikalischen Schwerpunkte dieser Religions-"Dialoge"
steht eine Aufführung von Mozarts Requiem mit einem im Auftrag der
Stiftung komponierten modernen Kommentar von Georg Friedrich Haas, einem
der profiliertesten österreichischen Komponisten der Gegenwart. Haas hat
"sehr varianten- und farbenreiche Sätze" als Interpunktionen zwischen die
Requiemsteile geschrieben, Klangräume, die wechselseitige Kommentare
ermöglichen, die aus Mozart hervorwachsen und wieder in Mozarts
Requiem-Musik münden. So soll ein neues Ganzes entstehen, das "Alt" und
"Neu" spiegelt. Das Mozarteum Orchester unter Ivor Bolton, der Salzburger
Bachchor und exzellente Solisten stellen sich der besonderen
Herausforderung. Einen anderen "Spiegel" zeigt die Camerata mit Mozarts rarer, früher
"Grabmusik", deren "betrachtende Meditation" Satz für Satz durch den
"Schrei nach Auferstehung" in Messiaens "Et expecto ressurectionem
mortuorum" durchbrochen wird. Es ist ein wichtiges Anliegen der "Dialoge" zu zeigen, dass Mozarts
Fragen über Leben und Tod auch Fragen der aktuellen Kunst sind. Deswegen
sollte man den Wochenendzyklus (fünf Veranstaltungen) am besten zur Gänze
verfolgen.SN-Abonnenten können den Zyklus zum ermäßigten Preis buchen
(siehe unten). |