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Galerie Steinek: Gudrun Kampls "Kuschelparadies"

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Affront gegen Teddy Roosevelt

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Jetzt wissen wir endlich, wo die vielen kleinen Teddybären herkommen und was Mama und Papa Bär im Spielzeuggeschäft nach Geschäftsschluss treiben, wenn das Licht ausgeht. Die eher nicht kindergerechten Teddybären von Gudrun Kampl (bis 13. Jänner in der Galerie Steinek, Himmelpfortgasse 22) haben jeden Sinn für körperliche Diskretion verloren und verfügen über mehr als nur einen Sexappeal, nämlich über einen Pornoappeal. (Und haben dabei mitunter Flügel wie Unschuldsengerln.) Kleinkinder sollte man daher von diesen Bildern lieber fernhalten. Die würden sonst wohl nicht einmal mehr Winnie the Pooh sonderlich vertrauen. Und möglicherweise arg traumatisiert werden, wenn sie ihr Kinderspielzeug in verfänglichen Situationen anträfen und plötzlich erkennen müssten, dass sogar Kuscheltiere ein Sexualleben haben, die doch immerhin im Besitz eines Kindchenschemas, wenn nicht gar des kinderlieben Disney-Schemas sind.
Dass Kampl ihre "Kindchenschema-Schweinereien" ausgerechnet auf kuscheligem Samt malt (der üblicherweise in würdevollen, eleganten Situationen vorkommt), ist das I-Tüpfelchen auf diesem Affront gegen Theodore Roosevelt (nach dem der Teddy bekanntlich seinerzeit in bester Absicht benannt wurde). Kampl hält die Arbeiten, die aufreizender Weise auch noch "Kuschelparadies" heißen, in einer gekonnten Schwebe zwischen einem humorvoll provokanten Tabubruch und einer kaum verzeihlichen Geschmacklosigkeit. Handelt es sich nun um Porträts von Aufklärungsspielzeug mit lebensechten Funktionen (etwa mit der Masturbationsfunktion) oder sind es doch Actionteddys für verdorbene Erwachsene?
In ihrem "Liebesparadies" lässt Gudrun Kampl dann aber erst so richtig "den Bären raus". Hier malt sie die Plüschbären geschickt in richtige Pornofotos hinein und weiß dabei die "neuralgischen" Punkte der professionellen, nämlich menschlichen Fortpflanzungsdarsteller in ihre Teddybären und -bärinnen einzubauen und lässt sie dann an meist zweckentfremdeten Stellen aus dem Plüschtier herausschauen. Da kann schon mal, infolge eines "eindeutigen" Körperteils in der Mitte eines Bärengesichts, die groteske Gesetzmäßigkeit eintreten: Wenn einem Bärli an seiner Nasenspitze genuckelt wird, dann bekommt es fast augenblicklich einen "Schnupfen". Spätestens dann, wenn ein unschuldig dreinschauendes Bärchen ein erigiertes Genital als große Zehe ausfahren lässt, besteht für mich kein Zweifel mehr, dass die Kampl sich unverhohlen lustig macht über die Allgegenwart des Plakativ-Sexuellen heutzutage.

Erschienen am: 20.12.2000

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