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| vom 18.04.2005 - Seite 012
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| AUSSTELLUNG: "Arbeit und
Feste" in Stift Seitenstetten
Recycling in der Malerwerkstätte Den Menschen würde Martin Mayrhofer nie "Gewohnheitstier" nennen. Der Kunstpater des Stiftes Seitenstetten bevorzugt das Wort "Rhythmuswesen", denn in jedem Leib schlägt ein Herz. Dem Wechsel der Jahreszeiten im Leben und in der Liturgie widmet sich die heurige Ausstellung "Arbeit und Feste", die am Samstag in der Benediktinerabtei eröffnet wurde und bis 31. Oktober läuft.
Die Schau ist vielschichtig wie ein barocker Hochaltar - auch mit Finten und Fingerzeigen, die Kurator Mayrhofer und Gestalter Heiner Brachner aus dem Hintergrunddunkel aufhellen. Auch die Malerei der Epoche ist ein Kreislauf, regelrechtes Recycling: Ausgehend von überwältigenden Originalen von Leandro Bassano, die Leihgaben des kunsthistorischen Museums Wien sind, wird gezeigt, wie Motive daraus in der Werkstätte des Meisters für weitere "neue" Bilder aus einer Schablonenmappe abgepaust wurden. Möglich macht diese Gegenüberstellung der reichhaltige Fundus des Stiftes mit über 1000 Gemälden.
Darüber hinaus fesselt eine Doppelstrategie der Gestalter den Betrachter. Auf Podesten unter den Bildern sind alle Gegenstände, die auf der Leinwand vorkommen, ausgestellt: Werkzeuge für Wald und Feld, Küchengeräte, mit denen für den Festschmaus Hühner gerupft und Säue abgestochen wurden. "Wir wollten freilich kein Heimatmusuem einrichten", schränkt Brachner ein. Faszinierend für Mayrhofer ist, dass jene in den Meisterwerken verewigten Dinge in Europa 700 Jahre lang in Gebrauch waren - bis das Plastikgeschirr kam. (feh)
Leinwand und Leben: Kurator Martin Mayrhofer Foto:feh |
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