Die Kunsthalle Krems zeigt mit Peder Balke einen Pionier der Moderne
Leinwand kratzen, bürsten
|
Erhabene Lichtstimmungen, aus der Leinwand herausgekratzt und geschabt:
Der norwegische Außenseiter Peder Balke, "Mondlicht", 1870er-Jahre.
Foto: Thomas Widerberg
|
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Die erste Ausstellung des neuen Direktors der Kunsthalle Krems, Dieter
Buchhart, ist gemeinsam mit einem Museum in Dänemark organisiert. Sie
ist dem Werk eines norwegischen Außenseiters gewidmet: Peder Balke
(1804–1887) wurde in Mitteleuropa bislang kaum beachtet.
Zwischen
Romantik und Symbolismus angesiedelt, steht Balke der Abstrahierung von
William Turner nahe. Auch er arbeitete in der Natur. Seine Technik war
jedoch ziemlich ungewöhnlich: Der norwegische Meister bezog die weiße
Grundierung mit in die Malerei ein, schabte und kratzte, arbeitete mit
den Fingern und der Bürste. Woher diese Innovation und Vorwegnahme von
Tendenzen des 20. Jahrhunderts kam, ist ungewiss. Entweder
experimentierte der Künstler ausgehend von der Freskotechnik, oder er
dachte an Tizians späte Fingermalerei und Textstellen von Plinius, der
den Einsatz des Schwamms zur Darstellung von Schaum bei römischen
Malern überliefert.
Nachtstücke
Zu Beginn seiner Laufbahn ist Balkes Werk den romantischen
Nachtstücken eines Caspar David Friedrich oder Johan Christian Dahl
verwandt. Später wird sein Stil völlig eigenwillig, aber er geht den
Inhalten der erhabenen Bergwelt und Lichtstimmungen mit hohen
Ansprüchen nach.
Wie Turner oder aber Claude Monte malte er das Nordkap in Serie, bei
wechselnden Tages- und Jahreszeiten und bei unterschiedlichen
Witterungen.
Hinter den kunstvollen Ergebnissen scheint ein Konzept zu stecken,
das die dramatische Landschaftsmalerei auch heute noch modern
erscheinen lässt.
Wer Balkes fast abstrakte Werke der Spätzeit im Osloer
Nationalmuseum gesehen hat, vergisst sie so schnell nicht mehr. Deshalb
ist es erfreulich, den ungewöhnlichen Norweger zum ersten Mal außerhalb
Skandinaviens zu sehen.
Bildende Kunst
Peder Balke
Ein Pionier der Moderne Dieter Buchhart (Kurator) Kunsthalle Krems bis 15. Februar 2009
Printausgabe vom Mittwoch, 29. Oktober 2008
Kommentar senden:
* Kommentare werden nicht automatisch
veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor Kommentare abzulehnen.
Wenn Sie eine Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme als Leserbrief in
der Druckausgabe wünschen, dann bitten wir Sie auch um die Angabe einer
nachprüfbaren Postanschrift im Feld Postadresse. Diese Adresse wird
online nicht veröffentlicht.