Der Fotograf, das Verborgene und das Bad

03. Dezember 2009, 18:37

Peter Seidel fotografiert die Mikwe, das jüdische Ritualbad, in Hohenems

Hohenems - Orte im Verborgenen, unter der Erde, faszinieren den Frankfurter Architekturfotografen Peter Seidel. Er hat schöne, museale wie Römergräber in Szene gesetzt, aber auch Alltägliches wie Wasserreservoirs. Seit er vor 20 Jahren die erste Mikwe fotografiert hat, lässt ihn das Thema des jüdischen Ritualbades nicht mehr los. "Ich war fasziniert von der Architektur." Seidel spürt die Bäder in ganz Europa auf. Das einzige in Spanien ebenso wie die jüdischen Tauchbäder der mittelalterlichen deutschen Städte.

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Zur Faszination des Ortes kam das Interesse an regionaler Geschichte. Im März wird das Jüdische Museum Hohenems großformatige Lichtdias seiner Mikwe-Entdeckungen zeigen. Ergänzt durch O-Töne aus verschiedenen Mikwen, werden die Fotografien zu Installationen. Zuvor bauten Seidel und sein Assistent Klaus-Dieter Altmann aber noch ihr Analog-Equipment in der Hohenemser Mikwe auf, um diesem lange verborgenen Ort nachzuspüren.

Die Mikwe, 1829 neben der jüdischen Schule errichtet, war Jahrzehnte unter einem Schuppen eingemauert. Im Zuge der Viertel-Restaurierung holte man sie aus dem Vergessen. Dem Fotografen zeigt sich "ein schlichter Bau des 19. Jahrhunderts, einem Zweckbau angemessen". Die Schlichtheit sei eine Herausforderung, sagt Seidel, Es gehe ihm bei der Fotografie nicht um Dokumentation, sondern um die Vermittlung "der Stille an einem kontemplativen Ort".

Seidels Fotografien werden vom 9. März bis 6. Juni Rahmen der Sonderausstellung "Ganz rein!" zu sehen sein, einer Kooperation der Jüdischen Museen Hohenems, Frankfurt, Fürth und Wien. Die Ausstellung geht der historischen Dimension von Reinigungsritualen vom Judentum bis zur Taufe nach. Sie thematisiert die umstrittene neue jüdische Spiritualität, zeigt die Sicht zeitgenössischer Künstlerinnen auf ein altes Ritual, setzt sich mit Geschlechterrollen und Religion, Sexualität, Vorstellungen von Reinheit und Unreinheit auseinander. (Jutta Berger / DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

 

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