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| In 182
Millisekunden nach L.A. Das größte Talent der jungen Cybergeneration heißt Karola Hummer. Die Jury der Linzer Ars Electronica zeichnete die Tirolerin gestern dafür mit der "Goldenen Nica" aus. LINZ. Am Bildschirm werden virtuelle Kreaturen mit sozialer und emotionaler Intelligenz geschaffen, menschliche Körperbewegungen werden in Echtzeit in 3D-Gemälde verwandelt, über das Internet schaffen Menschen gemeinsam eine Weltstadt oder holen sich ihre Wunschmusik aus Glasflaschen. Auf der Ars Electronica, die bis 12. September in Linz zu sehen ist, treffen sich Cyberkünstler aus aller Welt, die ihre Projekte digitaler Medienkunst der Öffentlichkeit präsentieren.Technik-Missbrauch Einen ungewöhnlichen Ansatz, Kunst und Technik zu vereinen, hat auch eine junge Tirolerin gewählt. Es war ein ganz normaler Schultaschenrechner, auf dem die 19-jährige Karola Hummer in der 6. Schulklasse begann, ihren Mathematiklehrer zu zeichnen. Wochenlang berechnete sie nicht mit dem Cursor, sondern mit mathematischen Funktionen aus der analytischen Geometrie jede Linie, jede Funktion, tüftelte an Geraden, Kreisen und Ellipsen herum, bis sich das Ergebnis in einem grobkörnigen Bild präsentierte. Dass Hummer bis zu 200 Arbeitsstunden pro Grafik "in eine wunderbar nutzlose Arbeit investierte", ihr ungewöhnlicher "Missbrauch" der Technik und ihr Ansatz, eine Realitätstreue bei hoher Pixelbeschränkung zu suchen, beeindruckte die hochkarätige Jury der Ars Electronica. Gestern Abend wurde die Jury-Entscheidung in einer Gala der Öffentlichkeit präsentiert: Das größte Talent der jungen Cybergeneration kommt aus Tirol. Unter 925 eingereichten Arbeiten wurde das Projekt "TI-92-Dia-Show" mit der Goldene Nica in der Kategorie "u19 freestyle computing" ausgezeichnet. Mit der fortschreitenden Globalisierung setzt sich der renommierte Tiroler Medienkünstler Thomas Feuerstein auseinander. In seinem Projekt "Biophily Warp Map" zeigt er nicht geologische oder politische Merkmale auf seiner Weltkarte auf, sondern den aktuellen Stand der digitalen Vernetzung und die Bruchstellen der Informationsgesellschaft. Verzerrtes Bild Dazu kreist zwischen fünf Servern auf verschiedenen Kontinenten ein Signal, das unterschiedliche Zeitspannen für die Überbrückung der räumlichen Distanzen erfordert. Die Zeit, die das Signal benötigt, um von einem Computer zum anderen zu gelangen, wird mit den realen geografischen Raumdistanzen korreliert und auf eine Weltkarte (www.myzel.net/geomorph) übertragen. Das Bild, das sich dann zeigt, ist ein völlig verzerrtes: Innsbruck ist von Los Angeles (ein Signal braucht 182 Millisekunden) scheinbar eine Haaresbreite entfernt, während zwischen Innsbruck und dem afrikanischen Windhuk (Signal braucht 599 Millisekunden) Welten zu liegen scheinen. "Nur einmal, am 11. September, glich die Weltkarte einer Schüssel, als Los Angeles mehr oder weniger halb offline gegangen ist", erinnert sich Feuerstein. Dass sich das ansonsten gewohnte Bild zugunsten der Länder der Dritten Welt verändern wird, dass Länder an der Peripherie wie Afrika in den nächsten Jahren den Sprung in die Informationsgesellschaft schaffen, glaubt er nicht. "Es sprießen schon hier und dort Server aus dem Boden, aber die Situation ist quantitativ und qualitativ in keiner Weise vergleichbar mit der westlichen Welt. Man darf sich auch nicht der Hoffnung hingeben, dass man nur Glasfaserkabel benötigt und man damit Wunder bewirken würde", so Feuerstein, den aber weniger die realen Verhältnisse als die symbolische Aussagekraft von Karten beschäftigt. "Entscheidender ist das Wissen um Machtsysteme, Beziehungen, Verbindungen und Ungerechtigkeiten". Und so ist für Feuerstein eine Karte auch mehr als ein Stadtplan oder ein Atlas zur räumlichen Orientierung: "Den Begriff muss man weiterdenken. Karte ist ein kongnitives Navigationsinstrument, das wir schon in unseren Köpfen haben. Wir haben soziale Karten, Beziehungs-, Begriffskarten, mit denen wir uns auch durch unsere Gefühlswelten navigieren." 2002-09-09 16:21:57 |