Genetik und Politik, Technologie und der Traum vom ewigen Leben:
Tagtäglich durch die Medien geschleuste Schlagworte wie diese bilden
die Eckpfeiler für eine ungemein vielschichtige, Realität und Fiktion
umspannende Installation. Unter dem Titel „fiat:: radikale individuen –
soziale genossen“ stellt der junge Innsbrucker das Verhältnis von
Individuum und Gesellschaft auf den Prüfstand.
Im Mittelpunkt
stehen zwei – in ihrer metaphorischen Gewalt nachgerade barocke – Objekte,
die Fragen nach der Zukunft des Menschen im Zeitalter von Genmanipulation
und Biotechnologie aufwerfen.
Da grübelt in faustischer Szenerie
ein Laborant vor einem aus Bioreaktoren zusammengesetzten Schriftzug. Sein
Körper steckt in Leder, sein Kopf ist der eines Tieres – in Anspielung auf
das biblische rote Kalb Behemot, das zuletzt im Zuge gentechnischer
Versuche in den USA zur ökonomischen Realität wurde. Mit metastasenhafter
Geschwindigkeit baut sich vor seinen Augen ein Wort immer wieder neu auf:
„fiat“, „es werde“. Sollte die Utopie der Unsterblichkeit Realität werden?
Wenn sich bösartige Zellen wie hier unaufhaltsam reproduzieren, wird auch
das göttliche Machtwort zur realen Bedrohung.
Gegenüber liegt, in
Anspielung auf Thomas Hobbes staatstheoretische Schrift vom „Leviathan“,
eine riesenhafte Qualle. Die aus 10.000 funkelnden Kristallen
zusammengesetzte Staatsqualle zeichnet ein dichtes Netzwerk aus Linien und
Punkten in den Raum, das seinerseits auf den Organismus der Gesellschaft
als Wechselspiel von Individuum und Sozietät verweist. Die
selbstregenerierende Qualle als Symbol für das Gefüge der Gesellschaft.
Gefährliche Schönheit, die mehr als nachdenklich stimmt …
Tipp:
Leopold Museum: „fiat:: radikale individuen – soziale genossen“,19.
9.–31. 10. Tägl. (ausser Di): 10–19 Uhr, Fr: 10–21 Uhr