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19.09.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung
Leopold: Unsterblichkeit & Qualle
Radikale Medienkunst von Thomas Feuerstein zeigt das Leopold Museum.

Genetik und Politik, Technologie und der Traum vom ewigen Leben: Tagtäglich durch die Medien geschleus­te Schlagworte wie diese bilden die Eckpfeiler für eine ungemein vielschichtige, Realität und Fiktion umspannende Installation. Unter dem Titel „fiat:: radikale individuen – soziale genossen“ stellt der junge Innsbrucker das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft auf den Prüfstand.

Im Mittelpunkt stehen zwei – in ihrer metaphorischen Gewalt nachgerade barocke – Objekte, die Fragen nach der Zukunft des Menschen im Zeitalter von Genmanipulation und Biotechnologie aufwerfen.

Da grübelt in faustischer Szenerie ein Laborant vor einem aus Bioreaktoren zusammengesetzten Schriftzug. Sein Körper steckt in Leder, sein Kopf ist der eines Tieres – in Anspielung auf das biblische rote Kalb Behemot, das zuletzt im Zuge gentechnischer Versuche in den USA zur ökonomischen Realität wurde. Mit metastasenhafter Geschwindigkeit baut sich vor seinen Augen ein Wort immer wieder neu auf: „fiat“, „es werde“. Sollte die Utopie der Unsterblichkeit Realität werden? Wenn sich bösartige Zellen wie hier unaufhaltsam reproduzieren, wird auch das göttliche Machtwort zur realen Bedrohung.

Gegenüber liegt, in Anspielung auf Thomas Hobbes staatstheoretische Schrift vom „Leviathan“, eine riesenhafte Qualle. Die aus 10.000 funkelnden Kristallen zusammengesetzte Staatsqualle zeichnet ein dichtes Netzwerk aus Linien und Punkten in den Raum, das seinerseits auf den Organismus der Gesellschaft als Wechselspiel von Individuum und Sozietät verweist. Die selbstregenerierende Qualle als Symbol für das Gefüge der Gesellschaft. Gefährliche Schönheit, die mehr als nachdenklich stimmt …


Tipp:

Leopold Museum: „fiat:: radikale individuen – soziale genossen“,19. 9.–31. 10. Tägl. (ausser Di): 10–19 Uhr, Fr: 10–21 Uhr

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