Der Kunst ihr Haus

"Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel" hat derzeit das Wiener Künstlerhaus.


Nach dem Auslaufen des Kooperationsvertrages mit dem Bund hat das Wiener Künstlerhaus eine wichtige finanzielle Basis verloren, die mit Zusagen seitens der Stadt Wien und des Bundeskanzleramtes zu erhöhten Subventionen nur "ungenügend" wettgemacht werden konnte.

Budgetkürzung

Von den bisherigen rund 10 Millionen Schilling, die in den letzten Jahren durch die halbjährliche Überlassung des Hauses für Bundesausstellungen dem k/haus für die eigenen Aktivitäten zusätzlich zur Verfügung standen, konnte dank Zusagen von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) und Kunststaatssekretär Franz Morak (V) zusätzliche Subventionen von etwa der Hälfte erreicht werden. Von Seiten der Stadt Wien wurde über die bisherige Unterstützung von konkreten Projekten hinaus eine Art "Basissubvention" für das Haus zugesagt, Morak habe sich zu einer Erhöhung der Projektsubventionen um eine Million Schilling bereit erklärt.

Sponsoren gesucht

Das Künstlerhaus steht damit vor der Situation, das Haus mit fehlenden Mitteln ganzjährig zu bespielen. Das geht nur mit Sponsorengeldern. Wenn die fehlenden Mittel (rd. fünf Millionen) bis Jahresende nicht aufgebracht werden können, wird es Schließzeiten geben, erklärte der Künstlerhauspräsident. Bisher sei das künftige Ausstellungsprogramm zu zwei Drittel finanziert. Und schon bisher konnte das k/haus mit Sponsoren, Kooperationspartnern, mit Shop und Kino seinen Eigenfinanzierungsgrad in den letzten Jahren auf 51 Prozent steigern.


Neues Umfeld

Mit der in den letzten Jahren erfolgten neuen inhaltlichen Positionierung des Programms, mit interdisziplinären Themenausstellungen an den Schnittstellen von bildender Kunst, Medien und Design, die sich vor allem an ein junges Publikum richten und die aktuellen internationale Kunstproduktion mit der lokalen Szene verschränken wollen, sieht sich das Künstlerhaus auch innerhalb der im dramatischen Wandel begriffenen Wiener Ausstellungsszene (Stichwort MuseumsQuartier) richtig positioniert.

Problem U-Bahn-Bau

Mit der seit 1998 verfolgten neuen Ausstellungsprogrammatik ist auch eine Steigerung der Besucherzahlen gelungen - wobei Nehrer überzeugt ist, dass diese ohne die U-Bahnbaustelle am Karlsplatz noch viel höher wäre. Das Künstlerhauskino, das Theater und vor allem das Restaurant hätten jedoch zum Teil dramatische Besucherrückgänge zu verzeichnen gehabt, die auch die Einnahmesituation der k/hauses belasten. Die Baustelle belastet auch die Möglichkeiten zur Vermietung von Räumlichkeiten.

Ein "dringender Appell" geht auch an den Wiener Planungsstadtrat, nach Abschluss der U-Bahn-Bauarbeiten die Passage am Karlsplatz mit dem Aufgang zu Musikverein und Künstlerhaus ("ein negatives Beispiel der Architektur der 60er Jahre und eine Schande für Wien") "adäquat neu zu gestalten".

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