VON ARIANE
GRABHER
Dornbirn (VN) Markus Getzner hat ein markantes zeichnerisches
Werk vorgelegt. Während er derzeit im großen Format die
KUB-Billboards bespielt, bietet eine Ausstellung in der Galerie
c.art in Dornbirn Gelegenheit, den Ausnahme-Zeichner quasi aus
nächster Nähe zu sehen.
Der Maßstab, den Markus Getzner an sich anlegt, ist streng. Den
Weg, den er dabei zurücklegt, geht er langsam, unendlich langsam,
jedoch ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Visuell
eigenständig, die Handschrift unverkennbar die Seine, reduziert,
ohne ins Karikaturhafte abzugleiten, von einer Sachlichkeit, die
gleichzeitig auch Emotionen zulässt, so präsentieren sich die
vierzehn großformatigen Zeichnungen und sieben Vitrinenkästen - die
künstlerische Ausbeute aus eineinhalb Jahren, die der Künstler nun
in Dornbirn zeigt.
Ihnen vorangestellt ist ein Spruch, den Getzner in einer
Pestkapelle in der Schweiz entdeckte: "Was ihr seid, das waren wir,
was wir sind, das werdet ihr".
Was als Volksgut einen Prozess der Transformation andeutet,
trifft mit dem Phänomen der Vergänglichkeit des Lebens und der
Omnipräsenz des Todes einen zentralen Aspekt im Schaffen des
Zeichners. In totentanzartigen Szenarien vermischen sich Sein und
Schein, Leben und Tod. Mutter-Kind-Beziehungen, überraschende
Arrangements, wie von einer Fruchtblase schützend umfangen, Gerippe
und Knochen, als vertrocknete Substanz, als das was letztlich bleibt
vom Menschen, Monstranzen, der Tisch: alles Motive, die im Werk
Getzners eine Schlüsselfunktion einnehmen. Nach dem
Ausschlussverfahren miteinander kombiniert, wird Gezeichnetes mit
Ausgeschnittenem und Aufcollagiertem kombiniert, werden Fragmente zu
einem neuen Ganzen, das aber selbst den Charakter des
Fragmentarischen behält, zusammengefügt.
Vorstoß in den Raum
In den jüngsten Arbeiten Getzners nimmt nicht nur das
Assoziationspotenzial zu, auch die durch schlichte Umrisse
festgehaltenen, ihrer Körperlichkeit enthobenen Figuren und
Gegenstände verdichten sich. Und der Vorstoß des Künstlers in den
Raum wird immer vehementer. Dehnt sich die Zeichnung trotz der ihr
eigenen räumlichen Illusion zunächst vor allem in der ebenen Fläche
aus, so weisen die dreidimensionalen Wachs/Papiermaché-Objekte und
die etwas gröberen Zeichnungen in den Vitrinen unmissverständlich in
den Raum. Kleinteiliger, detailreicher als zuletzt entsteht ein
vielgestaltiges Panoptikum, für das sich der Künstler eines
direkteren Formenvokabulars bedient. Dass Zeichnen eine andere Art
von Sprache ist, wird spätestens an diesem Punkt klar. Nicht die
Form allein zählt, sie wird vielmehr zum Katalysator für einen
ungleich komplexeren Seh- und Erkenntnisvorgang.