Neoexpression und farbige Lyrik
Privatmuseum. Sammler Herbert Liaunig zeigt neue Ausstellung aus eigenen Beständen und übt Kritik an der Kärntner Kulturpolitik.
MARTIN BEHR NEUHAUS (SN). Bei Mensch und Maschine ist der Grad der Deformation schon ziemlich fortgeschritten. Der Kopf in Siegfried Anzingers „Bildnis D. N. David“ ist nicht nur manieristisch gelängt, zudem fehlen noch Augen, Nase und Mund. Im Kärntner Museum Liaunig ist dieses Leimfarben-Gemälde in einen Dialog gesetzt mit dem aufgeplusterten „Fat Car“-Modell aus der Werkstatt von Erwin Wurm. Der so entstehende gedankliche Doppelpass zwischen Malerei und Skulptur ist eine der reizvollsten Eindrücke in der neuen Ausstellung des Kärntner Industriellen und Sammlers Herbert Liaunig.Klinkans Wunderwelten Was den eher trockenen Titel „Realität und Abstraktion – Figurative und expressive Konzepte von 1980 bis heute“ trägt, ermöglicht die Begegnung mit einigen Topwerken aus der jüngeren heimischen Kunstgeschichte. Insbesondere bei Werken der Neuen Malerei in Österreich ist die Sammlung Liaunig gut aufgestellt. Als Beispiele seien die großformatigen Schmalix-Werke „Leben und Sterben“, die zentral präsentierten, formenreichen Wunderwelten des früh verstorbenen Alfred Klinkan, oder reduzierte, lyrische Farblandschaften von Erwin Bohatsch genannt.
Im direkten Vergleich dazu mitunter eine Spur zu dekorativ erscheinen die flirrenden Arbeiten von Gunter Damisch.
Von der Neoexpression zur Wortmalerei des Bilddichters Günter Brus, von dem Liaunig den interessanten, weil mit Kinderbuchästhetik hantierenden Zeichenzyklus „Steinhäuser“ erworben hat. In einer Bauklotzwelt tummeln sich Katzen, Hunde und anderes Getier, aus den kleinformatigen Grafiken spricht eine große Lust am Surrealismus und am Schabernack. Einmal mehr versucht Liaunig in seinem Südkärntner Privatmuseum einen Überblick über heimische Gegenwartskunst zu geben. Mit dabei diesmal auch die Wiener Künstlergruppe REM, zu sehen sind (teilweise textile) Arbeiten von Irma Eberl, Hannes Priesch und Manfred Du Schu. In der Grafiksammlung stößt man auch auf jüngere Positionen, etwa Petra Sterry oder Martin Schnur.Erweiterungsbau kommt Kuratiert wurde die Ausstellung von Liaunigs Sohn Peter, einem Architekten, der ebenfalls Kunst sammelt. Die Texte im anschaulichen Katalog stammen von Silvie Aigner. Am Standort Neuhaus wälzt Herbert Liaunig große Pläne, ein Erweiterungsbau ist geplant. „Die Sammlung umfasst bereits mehr als 2800 Arbeiten, wir brauchen mehr Platz“, erklärt der Industrielle im SN-Gespräch. Wegen der Umbauarbeiten erwägt er 2013 eine Schließung des Hauses. Kritik übt der 64-Jährige an der Kärntner Kulturpolitik: „Diese beschränkt sich auf Brauchtumspflege. “
FPK-Kulturlandesrat Harald Dobernig habe sich etwa noch nie in sein Museum, das pro Jahr 8000 Besucher zähle, verirrt. Kritik am Umstand, dass Besucher erst ab dem Alter von zwölf Jahren „herzlich willkommen“ sind, weist Liaunig zurück: „Jüngeren fehlt die Konzentration, ihnen wird langweilig, sie spielen im Museum Fangen. Das bringt nichts.“


















