Electric Avenue und transeuropa

Das "quartier21" wird Mitte September eröffnet. Nun wurden die 21 Kulturanbieter vorgestellt - ein vielfältiger Mix der Gegenwartskunst oder der Abverkauf junger Kunst?
Von Rainer Elstner.


"Es wird viel Ähnlichkeit mit dem Naschmarkt haben", sinniert "quartier21"-Beirat Vitus Weh, der zusammen mit Thomas Edlinger eine Straßenkonzeption für das Projekt erarbeitet hat. Mitte September soll das "quartier21" eröffnet werden, die Kulturanbieter wurden am Dienstag Abend mit einer Party vorgestellt. Als Experimentierfeld der Künste wurde das "quartier21" geplant. Zur Verfügung stehen die imposanten Tonnengewölbe des Barocktraktes der ehemaligen Hofstallungen.

Vitus Weh (mitte) erdachte die
Vitus Weh (mitte) erdachte die "quartier21"-Kunststraßen, zur Präsentationsparty brachte er seine Carrera-Bahn mit. Beim offenen Rennen schied Weh allerdings schon in der ersten Runde aus. / ©Bild: Rainer Elstner

Die schwierige Raumsituation hat unkonventionelle architektonische Lösungen herausgefordert. Zwei frei stehende Großmöbel werden in die langen Schläuche eingebaut. Sie werden die Basisstationen für die einzelnen Kulturanbieter schaffen.

©Bild: Rainer Elstner
©Bild: Rainer Elstner

Alltagskultureller Umschlagplatz

Im transeuropa-Pavillon des Architektenbüros awg_AllesWirdGut soll ein alltagskultureller Umschlagplatz entstehen. Das Bundesländer-Forum "A9 - forum transeuropa", der Second-Hand-Laden polyklamott, das Modelabel Wendy&Jim, KulturKontakt Austria und das Friedrich-Kiesler-Zentrum werden die Räumlichkeiten im linken Erlach-Trakt beziehen. Der Mietvertrag ist für Alle auf zwei Jahre befristet.

Elektronische Lebensaspekte

Modell der
Modell der "transeuropa" und der "Electric Avenue" / ©Bild: R. Elstner

Rechts vom Haupteingang: Die Electric Avenue von PPAG. Sie ist elektronischen Lebensaspekten gewidmet. Ihre Erstbesiedlung erfolgt mit Initiativen der elektronischen Musik, Videokunst, des Netzaktivismus und der Futurologie. Und die Public Netbase wird nach langem Hin und Her doch nicht dabei sein. Fünf Anbieter werden diese Straße beleben: Die Musikerplattform "institut fünfhaus", das MEDIENQUARTIER 21, das einen digitalen Museumsraum gestalten wird, das Künstlerkollektiv monochrom, die Netz-Initiative quintessenz und das Musikprojekt spoiler.

Dieser Mix sehe "auf dem Blatt" gut aus, so Vitus Weh. "Es ist eine gute Ergänzung zu dem, was sich bislang auf dem Museumsquartier-Areal befindet. Mir fehlen natürlich immer noch Dinge, die ich für ganz wichtig halte", räumt Weh ein, "wie zum Beispiel Design - es ist uns nicht gelungen, jemanden zu finden."

Kulturbüros

In weiteren Räumlichkeiten in den oberen Stockwerken des Gebäudes werden Kulturbüros einziehen. Darunter sind etwa das Festival Klangspuren, ImPulsTanz, das medien.kunst.archiv.wien oder die Zeitschriften EIKON und springerin. Weitere Räumlichkeiten wie die Arena oder die Gästezimmer und Wohnateliers im Ovaltrakt sollen allen Anbietern des "quartier21" zur Verfügung stehen. "Hier muss noch ein Bespielungsprozedere gefunden werden", meint Weh. Nachsatz: "Ich arbeite schwer daran, dass ich überflüssig werde."

Im Durchschnitt 30 bis 60 Quadratmeter werden den einzelnen Initiativen vermietet. "Der einzige Grund, wieso wir da drinnen sind, ist, weil's so billig ist", meint (fm4-Host) Johannes Grenzfurthner von monochrom. "30 oder 40 Quadratmeter, das ist genau das, was wir uns leisten können." 70 Schilling (5,09 Euro) pro Quadratmeter verrechnet das Museumsquartier den Untermietern.

Gute Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit mit der Museumsquartier-Betreibergesellschaft scheint reibungslos vonstatten gegangen zu sein. "Die Zusammenarbeit war zufriedenstellend", so Judith Fegerl vom MEDIENQUARTIER 21. "Und die Architekten sind sehr kooperativ und erfindungsreich."

Weitere Schwerpunkte der "Electric Avenue" sind Musikprojekte: neben "spoiler" etwa das "institut fünfhaus". Dahinter verbergen sich die Szene-Größen und Universalmusiker Werner Dafeldecker, Burkhardt Stangl und Christoph Kurzmann. "Veranstaltungen von Künstlern, die dem "institut fünfhaus" assoziiert sind", will man vorstellen, so Stangl. "Wir werden außerdem die Bürostruktur nützen, um unsere Arbeit verrichten zu können, zudem haben wir ein Post-Production-Studio dabei."

Zynischer Abverkauf?

Von den Kulturabteilungen der Bundesländer wird "A9 - forum für transeuropa" finanziert werden. "Wir sind keine Mini-Kunsthalle, sondern ein Forum, wo man aktuelle Kunst sehr konzentriert und stringent in neue Zusammenhänge stellen kann", so der vorläufige Leiter Wolfgang Denk. "Wir wollen darstellen, dass die Provinz in den Köpfen aber nicht unbedingt ein geografischer Ort ist.".

"Es gibt ja auch die Kritik, die immer auf der Website von eSeL geäußert wird, dass das "quartier21" ein zynischer Abverkauf der jungen österreichischen Szene wäre", so monochrom-Mitglied Johannes Grenzfurthner. "Das Museumsquartier würde sich hier bedienen an der österreichischen Szene und neoliberale Marktaufwertung betreiben. Ich bin in dem Sinne pragmatisch: Es ist eine billige Art, ein Büro zu haben. Vielleicht ist in zwei Jahren eh wieder alles aus - weiß ja kein Mensch. Und viele Leute, die hier mitmachen, kenne ich relativ lange. Die werden sich nicht dadurch ändern, weil sie jetzt hier herinnen sind.".

Vitus Weh erwartet, dass das Projekt "international museologisch bedeutend" werden könnte "Es geht hier finanziell ja um Peanuts. Die Errichtung kostet so viel wie eine größere Ausstellung im MAK kostet. Eine Einzige."

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