St.Gallen (VN-ag) Was beim Fußball eindeutig ein Vorteil ist,
muss in der Kunst noch lange keiner sein. Dennoch setzt die
Doppelausstellung "Heimspiel" in St.Gallen, wo im Rahmen des
jurierten Ostschweizer Kunstschaffens erstmals auch Vorarlberger
Künstler beteiligt sind, auf das Publikum als zwölften Mann.
398 Künstler aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Appenzell,
sowie den angrenzenden Ländern Liechtenstein und Vorarlberg
(erstmals) haben sich für die achte Auflage der Veranstaltung, die
im Turnus von drei Jahren stattfindet, beworben. Nach zwei
Jurydurchläufen (überregional besetzt mit drei Köpfen aus der
Schweizer Museums- bzw. Kunstlandschaft) sind von den insgesamt 987
Werkvorschlägen aus allen Sparten der bildenden Kunst schließlich
noch 54 Positionen übrig geblieben, die nun an den beiden St.Galler
Ausstellungsorten Kunstmuseum und Kunsthalle gezeigt werden.
Darunter sind, wie bereits bekannt geworden, auch acht Vorarlberger,
die das Ostschweizer Schaufenster zu einem länderübergreifenden
Spiel ohne Grenzen erweitern.
Zwei gute Ausstellungen
Für die Kuratoren beider Häuser musste das Ziel indes klar
lauten, aus sämtlichen ausgewählten Beständen zwei gute, auf die
Räumlichkeiten abgestimmte Ausstellungen zusammenzustellen. Eine
Vorgabe, die man weitgehend eingelöst hat, indem man die Werke als
ernst genommene Einzelpositionen in lockerer Hängung zeigt, zugleich
sich in der sinnfälligen oder spannungsreichen Gegenüberstellung
aber auch eine Art Ping-Pong zwischen den Arbeiten entwickelt.
Die üblichen Verdächtigen
Mit Ingmar Alge, Siegrun Appelt, Manfred Egender, Roman Fehr,
Markus Getzner, David Murray, Ingo Springenschmid und Gerold
Tagwerker präsentiert sich ein kleiner, aber durchaus
repräsentativer, wenn auch nicht überraschender Ausschnitt aus der
vielfältigen Vorarlberger Szene. Mit Ausnahme des jungen Roman Fehr,
der erst vor kurzem als Neuaufnahme im Künstlerhaus überzeugte,
könnte man durchaus von den üblichen Verdächtigen sprechen, die nun
neben dem einzigen vertretenen Liechtensteiner Arno Oehri und einer
starken Ostschweizer Phalanx (u.a. Hans-Ruedi Fricker, Manon,
Christoph Rütimann, Marcus Gossolt und Johannes Hediger, Norbert
Möslang, Andy Guhl, Cécile Hummel, Marlies Pekarek, Marianne
Rinderknecht) auf sich aufmerksam machen.
Bild und Abbild, Modell und Realität verschmelzen in den gemalten
Einfamilienhäusern von Ingmar Alge, der erklärt Häuser zu malen,
"wie andere eben Menschen malen". Menschenentleert sind auch die
"Interieurs" von Siegrun Appelt. In ihrer zweiteiligen Fotoarbeit
geht der Blick in die Leere, endet an der Decke eines Hotelzimmers.
Manfred Egenders ausgeschnittene Arbeiten lösen als
Malerei-Untersuchungen in Kunstharz auf Gummi die Malerei von ihrer
flächigen Bedingtheit und überführen sie in ein skulpturales Objekt.
Ein fiktiver Guckkasten, als Installation aus Bild, Ton, Architektur
und Skulptur gesampelt, steht für das Werk "Extended" von Roman
Fehr, während der Zeichner Markus Getzner mit seinem unverkennbaren
Strich die Hinfälligkeit des Menschen, Werthaltungen, die sich
angesichts des Todes verschieben, thematisiert.
Der Fotograf David Murray zeigt vor dem Hintergrund einer
mediatisierten Kulturlandschaft eine im Zusammenhang mit seiner
Serie "God lives only in America" und den Tatort-Bildern entstandene
"Tapete mit Blutspur", während sich Ingo Springenschmid, als ein
Klassiker der Vorarlberger Kunst, Bildinformation und literarischen
Text miteinander verbindet. Gerold Tagwerker ist schließlich mit
einer dreiteiligen Installation aus Foto ("Urban Studies"), einer
hochhausartigen Lichtskulptur und einem silberglänzenden Bodenstück
vertreten.