VN Sa, 6.12.2003

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Kultur 

GRENZÜBERSCHREITENDES KUNSTPROJEKT

Acht aus vierundfünfzig

Ostschweizer Kunstschaffen mit Vorarlberger Beteiligung

St.Gallen (VN-ag) Was beim Fußball eindeutig ein Vorteil ist, muss in der Kunst noch lange keiner sein. Dennoch setzt die Doppelausstellung "Heimspiel" in St.Gallen, wo im Rahmen des jurierten Ostschweizer Kunstschaffens erstmals auch Vorarlberger Künstler beteiligt sind, auf das Publikum als zwölften Mann.

398 Künstler aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Appenzell, sowie den angrenzenden Ländern Liechtenstein und Vorarlberg (erstmals) haben sich für die achte Auflage der Veranstaltung, die im Turnus von drei Jahren stattfindet, beworben. Nach zwei Jurydurchläufen (überregional besetzt mit drei Köpfen aus der Schweizer Museums- bzw. Kunstlandschaft) sind von den insgesamt 987 Werkvorschlägen aus allen Sparten der bildenden Kunst schließlich noch 54 Positionen übrig geblieben, die nun an den beiden St.Galler Ausstellungsorten Kunstmuseum und Kunsthalle gezeigt werden. Darunter sind, wie bereits bekannt geworden, auch acht Vorarlberger, die das Ostschweizer Schaufenster zu einem länderübergreifenden Spiel ohne Grenzen erweitern.

Zwei gute Ausstellungen

Für die Kuratoren beider Häuser musste das Ziel indes klar lauten, aus sämtlichen ausgewählten Beständen zwei gute, auf die Räumlichkeiten abgestimmte Ausstellungen zusammenzustellen. Eine Vorgabe, die man weitgehend eingelöst hat, indem man die Werke als ernst genommene Einzelpositionen in lockerer Hängung zeigt, zugleich sich in der sinnfälligen oder spannungsreichen Gegenüberstellung aber auch eine Art Ping-Pong zwischen den Arbeiten entwickelt.

Die üblichen Verdächtigen

Mit Ingmar Alge, Siegrun Appelt, Manfred Egender, Roman Fehr, Markus Getzner, David Murray, Ingo Springenschmid und Gerold Tagwerker präsentiert sich ein kleiner, aber durchaus repräsentativer, wenn auch nicht überraschender Ausschnitt aus der vielfältigen Vorarlberger Szene. Mit Ausnahme des jungen Roman Fehr, der erst vor kurzem als Neuaufnahme im Künstlerhaus überzeugte, könnte man durchaus von den üblichen Verdächtigen sprechen, die nun neben dem einzigen vertretenen Liechtensteiner Arno Oehri und einer starken Ostschweizer Phalanx (u.a. Hans-Ruedi Fricker, Manon, Christoph Rütimann, Marcus Gossolt und Johannes Hediger, Norbert Möslang, Andy Guhl, Cécile Hummel, Marlies Pekarek, Marianne Rinderknecht) auf sich aufmerksam machen.

Bild und Abbild, Modell und Realität verschmelzen in den gemalten Einfamilienhäusern von Ingmar Alge, der erklärt Häuser zu malen, "wie andere eben Menschen malen". Menschenentleert sind auch die "Interieurs" von Siegrun Appelt. In ihrer zweiteiligen Fotoarbeit geht der Blick in die Leere, endet an der Decke eines Hotelzimmers. Manfred Egenders ausgeschnittene Arbeiten lösen als Malerei-Untersuchungen in Kunstharz auf Gummi die Malerei von ihrer flächigen Bedingtheit und überführen sie in ein skulpturales Objekt. Ein fiktiver Guckkasten, als Installation aus Bild, Ton, Architektur und Skulptur gesampelt, steht für das Werk "Extended" von Roman Fehr, während der Zeichner Markus Getzner mit seinem unverkennbaren Strich die Hinfälligkeit des Menschen, Werthaltungen, die sich angesichts des Todes verschieben, thematisiert.

Der Fotograf David Murray zeigt vor dem Hintergrund einer mediatisierten Kulturlandschaft eine im Zusammenhang mit seiner Serie "God lives only in America" und den Tatort-Bildern entstandene "Tapete mit Blutspur", während sich Ingo Springenschmid, als ein Klassiker der Vorarlberger Kunst, Bildinformation und literarischen Text miteinander verbindet. Gerold Tagwerker ist schließlich mit einer dreiteiligen Installation aus Foto ("Urban Studies"), einer hochhausartigen Lichtskulptur und einem silberglänzenden Bodenstück vertreten.

"Heimspiel" ist im Kunstmuseum, Museumsstrasse 32, und in Kunsthalle, Davidstrasse 40, in St.Gallen bis 1. Februar zu sehen (Di bis Fr 10 bis 12 und 14 bis 17, Sa, So 10 bis 17 Uhr, im Kunstmuseum zusätzlich Mi bis 20 Uhr). Im Projektraum, Oberer Graben 38, sind von Di bis So, 14 bis 17 Uhr, alle Einreichungen ausgestellt.

Die Vorarlberger

• Ingmar Alge

• Siegrun Appelt

• Manfred Egender

• Roman Fehr

• Markus Getzner

• David Murray

• Ingo Springenschmid

• Gerold Tagwerker

Arbeit von Ingmar Alge. (Foto: Grabher)




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