Salzburger Nachrichten am 15. Februar 2006 - Bereich: Kultur
Das Leben ist eine Versuchsanordnung

Die Malerin Xenia Hausner zeigt im KunstHausWien dreißig großformatige Arbeiten aus den letzten zwei Jahren

ERNST P. STROBL WIEN (SN). Auch im kunterbunten KunstHausWien mit dem schräg-fantastischen Hundertwasser-Ambiente braucht sich die Malerin Xenia Hausner um die Wirkung ihrer Arbeiten keine Sorgen zu machen. Farbe ist auch bei ihr das prägende Element. Bis 14. Mai zeigt die Tochter des "Adam"-Malers Rudolf Hausner (im Übrigen eine biografische Fußnote, auf die Xenia Hausner ungern angesprochen wird) großformatige Menschenbilder, die in ihrer punktgenauen Inszenierung große Effekte erzielen.

Es macht keinen Unterschied, ob man das jeweilige Modell erkennt - etwa ein André Heller als weiß gewordener Weiser mit seinem Sohn oder Claus Peymann mit versteinerter Arroganz -, oder ob es sich um unbekannte Talente aus der Theaterwelt handelt. Mit Vorliebe wird die ehemalige Bühnenbildnerin Hausner dort fündig, wenn sie den Drang hat, jemand anzusprechen, dessen Gesicht interessant genug erscheint. Mag sein, dass sich deshalb Inszenierungen leichter, professioneller erstellen lassen. Manche Titel - nicht aber die Szenerie - nehmen Bezug auf theatralische Ereignisse wie "Sportstück" oder "Bambi". Man könnte höchstens verwirrt werden, wenn in "Bambi" die Künstlerin Irene Andessner in der Badewanne sitzt und ein wenig wie Elfriede Jelinek aussieht.

Was beim Rundgang auffällt, ist der direkte Kontakt, den die Modelle mit dem Betrachter aufzunehmen scheinen. Dennoch bleibt eine gewisse Schüchternheit, eine Distanz und Verletzlichkeit. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Präzision der Abbildung. Den erzielt Hausner mitunter durch die Einbeziehung von Fotografie.

Seit 2003 arbeitet die Künstlerin mit den Möglichkeiten der "Mixed Media". Das ist aber nur eines der Mittel, die Malerei steht weiterhin an erster Stelle. Der Realismus und die Plastizität, mit welcher etwa im Bild "Body Talk" das rothaarige Modell vor einem Gemälde zu stehen scheint und doch selbst nur ein Gemälde ist, verblüfft.

Bei einzelnen Bildern reicht der ohnehin bis zum Rand pastos gefüllte Bildträger nicht aus, Xenia Hausner erweitert das Bild noch durch Zutaten wie Kartons oder Papierstreifen.

Mitunter kann ein Bild auch Rätsel aufgeben. Nicht bei "Nine eleven", wo der Anblick von Flugzeugtriebwerken Mutter und Kind zur schreckensstarren Pose treibt, aber beim "Kopfschuss", was ja auch kein lustiger Moment sein kann. Dennoch schaut Xenia Hausner auf diesem Selbstporträt nicht verzweifelt, starr oder verbissen zum Letzten bereit. Eher gelöst und gelassen, abgeklärt.

Er ist nicht leicht zu finden in diesen Bildern, der Humor, aber es scheint ihn doch auch zu geben. Xenia Hausner: "Glücksfall". Bis 14. Mai, KunstHausWien 3., Untere Weißgerberstraße 13, www.kunsthauswien.at.