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16.05.2003 20:02

Rückblick zum Neubeginn
Am Sonntag wird das Linzer Museum Moderner Kunst "Lentos" eröffnet. Direktor Peter Baum zeigt einen subjektiven Blick auf jene Sammlung, die er in den letzten drei Jahrzehnten maßgeblich erweitert hat

B>Linz - Rund 2700 Quadratmeter reiner Ausstellungsfläche standen Peter Baum zur Verfügung, um die erste Schau im neuen Linzer Museum Moderner Kunst, dem "Lentos", zu gestalten - einen Querschnitt durch die Bestände: Avantgarde und Tradition.

Als Baum 1973 die Leitung der damaligen neuen Galerie der Stadt Linz übernahm, hatte er gerade 400 inventarisierte Gemälde und Plastiken und knapp 2400 Grafiken zu verwalten. In der folgenden 30 Jahren seiner Amtszeit, die die Neue Galerie zunächst aus bescheidenen Räumen in der heutigen Kunstuniversität in größere, letztlich aber immer problematische Räume im Urfahrer Wohn- und Einkaufszentrum Lentia 2000 führte, konnte Baum den Bestand auf 1400 Malereien und Objekte, 10.000 Arbeiten auf Papier und 500 Fotos ausbauen.

Jetzt in der neuen, vom Zürcher Büro Weber+Hofer aufregend unaufgeregt entworfenen und städtebaulich großartig positionierten "Schachtel mit Durchblick" kann Baum zugleich erst- wie letztmals repräsentativ zeigen, womit er die Depots füllte, welchen Sammlungsstrategien er drei Jahrzehnte lang nachgehen konnte. Mit Anfang nächsten Jahres geht Peter Baum, dann 65, in Pension.

Übernommen hat er eine Kernsammlung - mit u. a. Kokoschka, Klimt, Schiele, Corinth, Nolde, Makart, Lenbach, Kolig und Kubin -, die aus dem Besitz des Berliner Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt Anfang der 50er-Jahre nach Linz gelangte und später durch Walter Kasten um Werke von Max Pechstein, Anton Hanak und Albin Ecker-Lienz, aber auch um frühe Arbeiten von Arnulf Rainer, Hans Staudacher oder Max Weiler erweitert wurde.

Baum selbst schlug behutsame Brücken in die Gegenwart. Mit stets bescheidenen Budgets setzte er Schwerpunkte bei Informel, Abstraktem Expressionismus, geometrischer Abstraktion, Pop-Art, und "Neuer Malerei" der 80er-Jahre, kaufte Schumacher und Lassnig, Lüpertz oder Warhol, legte auf Basis einer Schenkung durch die Wiener Galerie Hubert Winter eine Fotosammlung mit wichtigen Arbeiten von Herbert Bayer, Edward Streichen, Mario Giacomelli und Inge Morath bis Shirin Neshat an.

In einer durchgehend mit Oberlicht bestrahlten Raumfolge von elf Kabinetten und der 40 x 21 Meter großen Ausstellungshalle hat Peter Baum jene Vergleiche und Zusammenhänge inszeniert, die seine Sicht der Kunst des vergangenen Jahrhunderts prägen: Da finden sich etwa in einer Gruppe von Landschaftsbildern Oskar Kokoschkas Linzer Landschaft (1955) neben Wilhelm Thönys Provence-Studie (1937), gleich daneben Jean Eggers Landkirche in Kärnten und dazu Max Pechstein und Paula Moderson Becker; im "Porträtraum" Gustav Klimts Maria Munk vereint mit einer Marilyn Andy Warhols, einem Fotoporträt aus Bernhard Prinz' Ikonen-Serie von 2001 und Egon Schieles Doppelbildnis Heinrich und Otto Benesch.

Der Linzer Künstler Oliver Dorfer hängt in einer Gruppe mit Roman Scheidl, Markus Lüpertz und Michael Buthe. Stephan Balkenhols Mann mit grauer Hose hat Walter Dahn im Rücken und Otto Zitko vor Augen. Die Halle bestimmen "schwarze" Bronzen von Tony Cragg und Alfred Hrdlicka, und die diametralen Ansätze von Jean Scully und Franz Gertsch, ein Bild zu Malen. (Markus Mittringer/DER STANDARD, Printausgabe, 17.05.2003)


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