
Allerdings ist das Baugerüst, das Dabernig im Hauptraum installiert hat, nicht tragfähig, und Heraklit wird von "frank, rieper" insofern rekontextualisiert, als es im Künstlerhaus auch als Sitzgelegenheit dient.
Weiß bemalt und mit schwarzen Schaumstoff überzogen, zitieren die Möbelstücke jene "klassischen" Bänke, die allerorts in Museen für Moderne Kunst zu finden sind. Ähnlich feine Verschiebungen weist das Formenvokabular einzelner Arbeiten auf, die einen Überblick über die aktuelle Modernerezeption und -adaption versprechen. Und eben darin liegt deren Problem. Denn während das Ausstellungsdisplay sehr schön mit dem "unvollendeten Projekt der Moderne" (Jürgen Habermas) korrespondiert, verhindert der anvisierte Gesamtüberblick eine differenziertere Auseinandersetzung mit der bis heute ohnehin kaum fassbaren Epoche.
Versammelt wurden künstlerische Positionen, die sich ironisch-distanziert, analytisch-kritisch, aber auch ziemlich direkt auf Stile, Werke oder Persönlichkeiten der "ersten Moderne" beziehen. Kasimir Malewitsch wird, dicht gefolgt von Marcel Duchamp, gleich dreimal zitiert: Vuk Cosic transformiert dessen Schwarzes Quadrat in ein Piktogramm, Iriwn reinszenieren Malewitschs Aufbahrung, Yuri Avvakumov würdigt den Begründer des Suprematismus mit einer ironischen Hommage an die Meister der russischen Moderne.
In der Ausstellung steht das ideologiekritische Potenzial dieser Positionen auf der einen Seite des modernistischen Spektrums, das auf der anderen Seite mit den slicken Fotos der Heidi Specker und anderen formalästhetischen Lösungen und sentimentalen Rückblicken abgedeckt wird.
Spannender wird die Schau dort, wo nicht nur abgebildet, sondern auch weiterentwickelt wird: Heimo Zobernig gleicht die klassizistische Architektur des Künstlerhauses mit grauer Betonmasse aus, Andreas Fogarasi zitiert mit einer geschwungenen Raumkante ein prototypisches Detail und erweitert den Bezugsrahmen vermittels Bergsportseilen in Richtung bildende Kunst. In dieselbe Richtung geht auch die Skulptur von Gregor Eldarb, der mit lose drapiertem Trash die allzu rigiden und rationalistischen Konzepte der Moderne konterkariert. Der menschliche Körper, den die Architektur der Moderne einigermaßen vernachlässigt hat, spielt auch in der Ausstellung keine tragende Rolle.
Unter Umständen gleicht aber der Rollkragenpullover dieses Manko aus: Sollte der Pulli aufgrund der Witterung kratzen, werden die Widersprüchlichkeiten der modernistischen Utopie auch in ihrer praktischen Anwendung erfahrbar. (Christa Benzer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 6. 2005)