Jokela zeigt in der Kunsthalle Nexus in Saalfelden Fotografien von Projekten, die oft im Norden Finnlands verwirklicht wurden, wo genau ist letztlich von untergeordneter Bedeutung, "nur" zweidimensionale Abbilder flüchtiger Setzungen sind das, was vom Werk übrig blieb. Michael Heizer, der für sein Land-Art-Projekt Double Negativ 1969 schon einmal 240.000 Tonnen Stein bewegte, um eine negative Skulptur in die Wüste nahe Las Vegas zu treiben, die zu gleichen Teil unmittelbar erlebbar machte, wie sie einen brachialen, durchaus spektakulären Eingriff in die Landschaft darstellte, betonte:
"It's about art, not landscape", mit Ökologie hatte diese radikale Geste also nichts zu tun; weit mehr mit einer Verweigerung gegenüber einem Grundprinzip der amerikanischen Gesellschaftsordnung: der Produktion und Distribution von Ware zwecks Ausbau von Wohlstand. Heizers Werke lassen sich nicht transportieren, vervielfältigen, sie sind kein Konsumgut und somit kein Spekulationsobjekt, Land-Art war auch eine radikale Gegenhaltung zum Besitzbürgertum. Ein Hauptaspekt der "klassischen" Land-Art war Kritik an Gesellschaft. Klassische Land-Art war eine Kunst der Metropolen: Dort wurde darüber theoretisiert, die Galerien und Museen begannen rasch den Diskurs zu übernehmen und in Folge, die Dokumente zu handeln.
Timo Jokela sagt, das alles habe ihn selbst irgendwie marginalisiert erscheinen lassen, gegenüber den Heroen der Moderne - ihn, der die meiste Zeit seines Lebens weit außerhalb selbst der Peripherie verbringt: Darüber hinaus habe ihn "Landschaft" interessiert - seine unmittelbare Umgebung, die zwangsläufig auch seine Identität geprägt hat. Und damit war auch sogleich sein Material bestimmt:
"Armes Material", ein paar Hölzer, ein paar Knochen, ein paar Steine und jenes, das im Überfluss vorhanden war: Schnee. Grundlage seiner Kunst war also eine Verschiebung des Blickwinkels auf vermeintlich Bekanntes, war eine ästhetische Betrachtung des Gewöhnlichen - oder noch einfacher -, war eine gesteigerte Aufmerksamkeit, ein konzentrierter Moment, ein Sich-Einlassen; und das Ergebnis dann eine Steigerung von Intensität.
Frozen Brinks, wurden zu seiner Sache, gefrorene Ränder und Kanten: Er rahmt Landschaft nicht ein, er fügt sie in einem meditativen Akt vor Ort hinzu. (Markus Mittringer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 3. 2006)