

Selbst an den Maßstäben des Booms für Zeitgenössisches bemessen, war Thomas Ruffs Aufstieg ehemals gigantisch: Allein im Zeitraum von 1997 bis Februar 2006 stieg der von der amerikanischen Kunstpreisdatenbank "Artprice" auf Basis von weltweit eingespielten Auktionsergebnissen ermittelte Index um 450 Prozent. Soweit die Überschlagskalkulation.
Im Detail erfolgte bei der internationalen Bewertung seines seriell orientierten Oeuvres bereits 2005 mit einem Minus von 14 Prozent eine erste Korrektur. Als Zünglein an der Marktwaage entpuppt sich die Anzahl der zur Auktion kommenden Arbeiten. Darauf basiert auch der Anstieg der Indexkurve in den Jahren 2006 und 2007, als 118 bzw. 89 seiner Werke Jahresumsätze von 2,38 und 2,58 Millionen Euro einspielten. Seit Anfang 2008 befindet sich der Preisindex im Abschwung, sank der Geschäftsumsatz innerhalb von zwölf Monaten um 41 Prozent auf ein Total von 1,52 Millionen Euro.
Den vorläufigen Auktionsrekord notierte Christie's im Juni 2007, als Ruffs großformatige Grafik Substrat 10 III (3/3) für umgerechnet etwas mehr als 126.000 Euro den Besitzer wechselte. Bis dahin lag der Spitzenwert bei knapp 112.000 Euro für 02h56 -65° (1/2), einem der ersten von 1989 bis 1992 auf Basis von Negativen des südlichen Nachthimmels aus dem Archiv des European Southern Observatory auf 252 mal 180 cm vergrößerten Sternbildern.
Diese Großformate sind in einer Auflage von zwei Exemplaren geläufig, umfangreichere Editionen in unterschiedlichen Formaten sowie zugehörige Grafikadaptionen scheinen einen Wertanstieg zu verhindern. Ketterer Kunst (München) erzielte für eine solche Chromlithografie 05h08m/-45° (50/50) Ende April das Limit von erschwinglichen 900 Euro.
Aber selbst wertmäßig sonst höher einstufbare 5er-Editionen scheinen derzeit deutlich weniger nachgefragt, etwa in der Werkgruppe erotischer Fotoarbeiten. Im Mai 2006 hatte ein europäischer Sammler Nudes Pea 10 (3/5) von 1999 bei Sotheby's in New York für umgerechnet 101.750 Euro erworben, am 13. Mai spielte es ebendort nur noch läppische 36.710 Euro ein. Neben den Motiven scheint die Höhe der Auflage für die Marktbewertung von Thomas Ruff von erheblicher Relevanz.
Warum diese Angaben weder in der Ausstellung noch im zugehörigen Katalog aufscheinen? Wenn man es nicht thematisiert, erspare man sich auch allfällige Diskussionen dazu, erklärt Kuratorin Cathérine Hug. Zudem würden Ausstellungen wie die aktuelle nur mit Leihgaben von Herzog & Demeuron sowie dem Künstler selbst bestückt und Angaben zur Auflagenhöhe sich damit erübrigen. (kron, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 30./31.05. & 01.06.2009)