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Theaterbeiträge
Der Tod des Theatermachers hinterlässt Planungs-Ruinen

Schlingensiefs Erbe

Schlingensief plante in Burkina Faso ein Operndorf. Foto: 
dpa/Laberenz

Schlingensief plante in Burkina Faso ein Operndorf. Foto: dpa/Laberenz

Von Edwin Baumgartner

Aufzählung Drei offene Projekte: Oper, Operndorf und Biennale-Pavillon.
Aufzählung Realisierbarkeit eingeschränkt gegeben.

Oberhausen/Wien. Christoph Schlingensief, am 21. August verstorbener deutscher Theater- und Filmregisseur, wird dieser Tage im engsten Familienkreis begraben. Ob mit ihm auch seine Projekte begraben werden, ist derzeit die große Frage.

Aufzählung Der Wanderer an den Grenzlinien

Schlingensief hatte an seinen Plänen beharrlich weitergearbeitet, auch als er bereits wusste, dass sein Leben demnächst zu Ende gehen würde. Er konnte jedoch nur die Fundamente legen. Doch wie sollen die Projekte ohne den Feuergeist, der sie am Leben hielt, weitergeführt werden?

Da ist zum Beispiel das sogenannte Operndorf in Burkina Faso, das alles andere werden sollte als ein "Dorf". Schlingensief plante es als flutsicheren Komplex, der neben dem Festspielhaus eine Schule und eine Krankenstation hätte umfassen sollen. Als Schlingensief an die Planung ging, wurde er vom deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier unterstützt. Der nunmehr amtierende Außenminister, der FDP-Politiker Guido Westerwelle, hat das Bekenntnis seines sozialdemokratischen Amtsvorgängers zumindest bisher noch nicht erneuert.

Operndorf-Mäzene gesucht

Das Operndorf droht damit nicht nur in ein Finanzierungsdebakel zu schlittern: Ein derartiges Projekt ist auch ohne Mithilfe der Politik nicht realisierbar. Derzeit wird im Internet dazu aufgerufen, man möge Mäzen des Operndorfs werden. Schon mit einem Betrag von 50 Euro kann ein Baumodul gekauft werden. Auch ein Postkartenbuch mit Ansichten aus Burkina Faso wird demnächst aufgelegt, 35 Euro soll es kosten. Ob die so eingenommenen Beträge zur Finanzierung des Projekts ausreichen werden, ist mehr als zweifelhaft.

Fraglich auch, was 2011 mit dem deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig sein wird. Susanne Gaensheimer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt und Kuratorin des deutschen Venedig-Beitrags, hatte Schlingensief berufen, obwohl sie von seinem Krebsleiden wusste. Dennoch hat sie, eigener Aussage zufolge, keinen "Plan B" entwickelt. Gaensheimer ist davon überzeugt, Schlingensiefs Konzept realisieren zu können. Die Frage sei eher, ob es auch mit Leben erfüllbar sei: "Wir brauchen ja wenn nicht seine physische Präsenz, so doch Christoph Schlingensiefs Geist", sagte Gaensheimer unlängst und hofft, im Gespräch mit Schlingensiefs Witwe und Mitarbeiterin Aino Laberenz die offenen Fragen zu klären.

Auch die Berliner Staatsoper hält den Atem an: Am 3. Oktober soll die Oper "Metanoia" von Jens Joneleit uraufgeführt werden, Regie: Christoph Schlingensief. Die Aufführungen sind längst ausverkauft. Man sucht eine Lösung, die beides sein soll: pietätvoll und künstlerisch vertretbar.

Dass eines der Projekte abgebrochen werden könnte oder müsste, hat vorerst noch niemand angedacht. Allerdings ist jeder Tag, der verstreicht, ohne dass eine Entscheidung gefällt wird, verlorene Zeit. Nicht zuletzt hat Christoph Schlingensief das auf tragische Weise erkennen müssen.



Printausgabe vom Mittwoch, 01. September 2010
Online seit: Dienstag, 31. August 2010 19:49:14

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