VN Do, 11.4.2002

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HINTERGRUND

Das Monopol wurde gesprengt

Christa Dietrich über das Forum für bildende Kunst und die alte Künstlervereinigung

Eines steht fest: Bei der heurigen Generalversammlung der Berufsvereinigung bildender Künstler Vorarlbergs, die demnächst stattfindet, kann nicht mehr damit gerechnet werden, dass sich deren Kritiker nun in diesem Rahmen noch einmal groß zu Wort melden. Nicht unbedingt als Gegenpol, sondern weil von der Künstlervereinigung Service- und Informationsleistungen schlicht und einfach nicht erbracht werden, hat sich nun das Forum "KunstVorarlberg" gebildet.

Die Diskussion verdichtete sich vor allem in den letzten Jahren. Nicht nur die fehlende Vernetzung mit Partnervereinigungen, die sich etwa im Ausstellungsprogramm oder im Austausch niederschlagen könnte, wurde registriert, zahlreiche Künstler fanden sich von der Berufsvereinigung nicht mehr ausreichend vertreten.

Serviceaufgaben, die eindeutig in den Satzungen festgeschrieben sind, sei man nicht nachgekommen und im Allgemeinen haperte es in der offenen Kommunikation zwischen Vorstand und Mitgliedern.

Kaum Information

Der letzte Punkt ist auch für Außenstehende leicht nachvollziehbar, nachdem das Protokoll der jeweiligen Generalversammlung erst mit der Einladung im nächsten Jahr verschickt wird. Dazu kommt, dass das neben dem Ausstellungsprogramm in etwa die einzige Information ist, die die Vorarlberger Künstlervereinigung ihren Mitgliedern zukommen lässt.

Und das widerspricht auch den Vereinbarungen des gesamtösterreichischen Dachverbandes, denen sich die Vorarlberger an sich zu beugen hätten.

Am 19. April soll nun die heurige Generalversammlung stattfinden. Die Mitglieder wissen laut Einladung, dass es möglicherweise zu einer Änderung in den Statuten kommen wird, wissen aber nicht, auf welchen Punkt in den Statuten sich der Antrag bezieht. Wenig transparent ist auch das Wahlprozedere, bei dem aufgrund von Vorschlägen abgestimmt wird.

Um etwas Dynamik in den Haufen zu bringen, regte eine Künstlerin vor zwei Jahren ein Rotationsprinzip oder die Berücksichtigung der vielen weiblichen Mitglieder bei der Besetzung des Vorstandes an. Der Vorschlag wurde von 24 Mitgliedern abgewiesen. Von diesem Umstand erfuhren die nicht anwesenden Mitglieder ein Jahr später.

Das Leitbild von "KunstVorarlberg"

Anfang März dieses Jahres hat nun eine Reihe von Künstlern beschlossen, ein "Forum für bildende Kunst" zu gründen. Es hat die Aufgabe, alle freischaffenden bildenden Künstler Vorarlbergs inklusive der angewandten Bereiche "klar, transparent, dynamisch und vernetzt" zu repräsentieren und deren "kulturelle, wirtschaftliche und soziale Interessen zu vertreten und zu fördern". Von einer Arbeitsgruppe werden derzeit "klare" Aufnahmekriterien festgelegt. Ein Leitbild wurde bereits erstellt.

Es sieht unter anderem die professionelle Betreuung und Beratung der Mitglieder vor. Über Wettbewerbe, Stipendien, Workshops, Steuerrecht, Zollfragen, Künstlersozialversicherung, Honorarrichtlinien etc. sollen die Mitglieder laufend informiert werden. Die Vorstand soll nach einem Rotationsprinzip nach einem entsprechenden Zeitraum jeweils neu besetzt werden, wobei die Protokolle der Vorstandssitzungen offengelegt werden. Was Ausstellungskonzepte betrifft, haben die Mitglieder ein Mitspracherecht.

Ausstellungen im Palais Liechtenstein

Projektausstellungen von Mitgliedern werden im Feldkircher Palais Liechtenstein realisiert. Kuratierte Themenausstellungen sollen fixer Bestandteil im Jahresprogramm sein. Die Einrichtung einer Homepage wie einer Bibliothek braucht wohl nicht eigens erwähnt zu werden. Außerdem sind weitere Serviceleistungen wie etwa der Aufbau einer Datenbank und die Herausgabe eines Ermäßigungsausweises für Museen und Ausstellungen, die Einrichtung einer Rechtsberatung etc. in Planung.

Das Land Vorarlberg als Subventionsgeber der alten Künstlervereinigung wurde vom Vorhaben informiert. Das hatte zur Folge, dass Kulturabteilungsleiter Werner Grabher von der Künstlervereinigung einen Tätigkeitsbericht in Sachen Informationsleistung verlangte, worauf sich der Vorstand brüskiert zeigte und auf die Generalversammlung verwies. Die Bereitschaft, das "Forum für bildende Kunst" bei entsprechender Notwendigkeit zu unterstützen, hat das Land von vornherein bekundet.

Forum-Sprecherin Lisa Althaus sieht in der Formierung einer zweiten Vereinigung auch einen ganz speziellen Vorteil für die Künstler, nachdem die Monopolstellung der Künstlervereinigung gesprengt ist, besteht eine gewisse Wahlmöglichkeit.

Palais Thurn und Taxis: "Sitz" der alten Künstlervereinigung.




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