Bei der heurigen Generalversammlung der
Berufsvereinigung bildender Künstler Vorarlbergs, die demnächst
stattfindet, kann nicht mehr damit gerechnet werden, dass sich deren
Kritiker nun in diesem Rahmen noch einmal groß zu Wort melden. Nicht
unbedingt als Gegenpol, sondern weil von der Künstlervereinigung
Service- und Informationsleistungen schlicht und einfach nicht
erbracht werden, hat sich nun das Forum "KunstVorarlberg" gebildet.
Die Diskussion verdichtete sich vor allem in den letzten Jahren.
Nicht nur die fehlende Vernetzung mit Partnervereinigungen, die sich
etwa im Ausstellungsprogramm oder im Austausch niederschlagen
könnte, wurde registriert, zahlreiche Künstler fanden sich von der
Berufsvereinigung nicht mehr ausreichend vertreten.
Serviceaufgaben, die eindeutig in den Satzungen festgeschrieben
sind, sei man nicht nachgekommen und im Allgemeinen haperte es in
der offenen Kommunikation zwischen Vorstand und Mitgliedern.
Kaum Information
Der letzte Punkt ist auch für Außenstehende leicht
nachvollziehbar, nachdem das Protokoll der jeweiligen
Generalversammlung erst mit der Einladung im nächsten Jahr
verschickt wird. Dazu kommt, dass das neben dem Ausstellungsprogramm
in etwa die einzige Information ist, die die Vorarlberger
Künstlervereinigung ihren Mitgliedern zukommen lässt.
Und das widerspricht auch den Vereinbarungen des
gesamtösterreichischen Dachverbandes, denen sich die Vorarlberger an
sich zu beugen hätten.
Am 19. April soll nun die heurige Generalversammlung stattfinden.
Die Mitglieder wissen laut Einladung, dass es möglicherweise zu
einer Änderung in den Statuten kommen wird, wissen aber nicht, auf
welchen Punkt in den Statuten sich der Antrag bezieht. Wenig
transparent ist auch das Wahlprozedere, bei dem aufgrund von
Vorschlägen abgestimmt wird.
Um etwas Dynamik in den Haufen zu bringen, regte eine Künstlerin
vor zwei Jahren ein Rotationsprinzip oder die Berücksichtigung der
vielen weiblichen Mitglieder bei der Besetzung des Vorstandes an.
Der Vorschlag wurde von 24 Mitgliedern abgewiesen. Von diesem
Umstand erfuhren die nicht anwesenden Mitglieder ein Jahr später.
Das Leitbild von "KunstVorarlberg"
Anfang März dieses Jahres hat nun eine Reihe von
Künstlern beschlossen, ein "Forum für bildende Kunst" zu gründen. Es
hat die Aufgabe, alle freischaffenden bildenden Künstler Vorarlbergs
inklusive der angewandten Bereiche "klar, transparent, dynamisch und
vernetzt" zu repräsentieren und deren "kulturelle, wirtschaftliche
und soziale Interessen zu vertreten und zu fördern". Von einer
Arbeitsgruppe werden derzeit "klare" Aufnahmekriterien festgelegt.
Ein Leitbild wurde bereits erstellt.
Es sieht unter anderem die professionelle Betreuung und Beratung
der Mitglieder vor. Über Wettbewerbe, Stipendien, Workshops,
Steuerrecht, Zollfragen, Künstlersozialversicherung,
Honorarrichtlinien etc. sollen die Mitglieder laufend informiert
werden. Die Vorstand soll nach einem Rotationsprinzip nach einem
entsprechenden Zeitraum jeweils neu besetzt werden, wobei die
Protokolle der Vorstandssitzungen offengelegt werden. Was
Ausstellungskonzepte betrifft, haben die Mitglieder ein
Mitspracherecht.
Ausstellungen im Palais Liechtenstein
Projektausstellungen von Mitgliedern werden im
Feldkircher Palais Liechtenstein realisiert. Kuratierte
Themenausstellungen sollen fixer Bestandteil im Jahresprogramm sein.
Die Einrichtung einer Homepage wie einer Bibliothek braucht wohl
nicht eigens erwähnt zu werden. Außerdem sind weitere
Serviceleistungen wie etwa der Aufbau einer Datenbank und die
Herausgabe eines Ermäßigungsausweises für Museen und Ausstellungen,
die Einrichtung einer Rechtsberatung etc. in Planung.
Das Land Vorarlberg als Subventionsgeber der alten
Künstlervereinigung wurde vom Vorhaben informiert. Das hatte zur
Folge, dass Kulturabteilungsleiter Werner Grabher von der
Künstlervereinigung einen Tätigkeitsbericht in Sachen
Informationsleistung verlangte, worauf sich der Vorstand brüskiert
zeigte und auf die Generalversammlung verwies. Die Bereitschaft, das
"Forum für bildende Kunst" bei entsprechender Notwendigkeit zu
unterstützen, hat das Land von vornherein bekundet.
Forum-Sprecherin Lisa Althaus sieht in der Formierung einer
zweiten Vereinigung auch einen ganz speziellen Vorteil für die
Künstler, nachdem die Monopolstellung der Künstlervereinigung
gesprengt ist, besteht eine gewisse Wahlmöglichkeit.
Palais Thurn und Taxis: "Sitz" der alten
Künstlervereinigung.