Frühling ist's, und da tut sich bekanntlich was mit den Hormonen. Überall sprießt und treibt und drängt es, auch in der Kunst. In Salzburg lässt Frau Husslein Altspecht Helmut Newton hämmern, aber auch in den anspruchsvollen Galerien tummeln sich jede Menge Östro- und Androgene. Anspruchsvoll heißt leider auch: Es wird umgeleitet, verschoben, projiziert und sublimiert, kurz, aus Natur wird Kultur.
Am ungetrübtesten geschieht dies bei Judith Huemer in der Galerie im
Traklhaus. Aus rosa Luftmaschen häkelt sie ein lustvoll intimes Tagebuch auf
zerlegten Schachteln, so leicht und ephemer wie eine Mischung aus Warhol und
Watteau: "wunderschönes leben". Im Video vervielfältigt sie, nur mit
rot-weiß-roter Schürze und Gasmaske bekleidet, ein Busenfoto auf
Papiertaschentüchern: "for you". Zwei Herren holen umgekehrt das Öffentliche ins
Private: Stephen Mathewson zeichnet Pariser Straßenszenen lapidar und
treffsicher in seinen Ringmappen-Notizblock. Maschinen und Baulärm auch in
Norbert Trummers kleinteiligen Storyboards. Alles Lego: vom Bagger bis
zum Fahrer. Die kleinen Spiele der Männer.
(wag/DER STANDARD,
Print-Ausgabe, 29.04. 2002)
Galerie im Traklhaus,
Waagplatz 1a, 5020 Salz-
burg, Tel.
(0662) 80 42-
2149. Bis 16. 5.
Abstrakter Alkoholismus
Von derlei existenzieller Not sind die spitzbübischen Arbeiten von Roland
Kodritsch nicht angekränkelt. In der Auslage der U.B.R. Galerie vergnügen
sich zwei Rüsseltiere bei der Fellatio, und an den Wänden hängen bunte
Flaschenbilder, in denen kauzige Geister hausen, angeblich im Suff geschaut und
gemalt. Kodritsch zelebriert und verulkt den Habitus des sex-und
alkoholbesessenen Malerschweins, und zitiert kräftig die Tradition des
abstrakten Alkoholismus. Sein Beitrag zur Fäkalerotik des Wiener Aktionismus
lautet: ins Goldfischglas scheißen. Echt garstig.
(wag/DER STANDARD,
Print-Ausgabe, 29.04. 2002)
U.B.R. Galerie, Berg-
straße 11, 5020 Salzburg,
(0662) 87 07
86, inklusive
Finnisage Bis 25. 5.