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Arme Kunst für ein hartes Land

Mit Jannis Kounellis präsentiert der Kunstraum Innsbruck in seiner hoffentlich nicht letzten Ausstellung einen Klassiker der Nachmoderne.

INNSBRUCK. Jannis Kounellis ist der Großmeister der Arte povera, der "armen Kunst". Hoffentlich kein schlechtes Omen für den um sein Überleben kämpfenden Kunstraum Innsbruck. Als der 1936 in Piräus geborene, seit 1956 in Italien lebende Künstler vor einigen Monaten erstmals nach Innsbruck kam, um sich mit der räumlichen Situation des Ausstellungsraumes vertraut zu machen, bemerkte er: "Tirol ist ein hartes Land, es wird eine harte Ausstellung."

Hart ist sie vielleicht nicht geworden, aber heftig, unmöglich, nicht zu berühren. Und dies, obwohl die Bildsprache von Kounellis im Kunstdiskurs der Sechzigerjahre fußt, als es u.a. um die Erforschung bis dahin für die Kunst tabuer Materialien ging. Dieser Vorliebe für scheinbar kunstlose, dafür aber emotional oder literarische besetzte Materialien ist Kounellis bis heute treu geblieben.

Eisen, Jute, Kohle und Glas und Gefundenes sind die Versatzstücke, aus denen der Künstler seine Installationen baut, die speziell für die jeweilige Ausstellungssituation zugeschnitten sind. Für Kounellis sind seine Installationen "Einakter", konzipiert nach einer ganz exakten Choreographie. Sie hätten mit ihm zu tun genauso wie mit der Zeit, in der wir leben, so der Künstler weiter.

Kounellis mag das große Format, das Archaische im Materiellen ebenso wie im Intellektuellen. In seinem Spiel mit Metaphern und Symbolen ist ihm die Beibehaltung des menschlichen Maßes aber wichtig, auch wenn man dieses in den riesigen Installationen oft vergeblich zu finden versucht.

Es braucht nur wenige Arbeiten, um den Kunstraum Innsbruck zu füllen. So nimmt eine Installation aus unzähligen, regelmäßig an Schnüren gereihten Weingläsern und einem Eisenkreuz, das an einem großen Fleischerhaken hängt, eine ganze Querwand ein. Die scheinbar "normale" Ordnung ist hier allerdings auf den Kopf gestellt, parallel zu den Ordnungen in der Gesellschaft.

Um Existenzielles kreist auch eine zweite große Arbeit, die aus alten Tischen, alten Nähmaschinen und mit Kohle gefüllten Jutesäcken besteht. Sie entzieht sich jeder eindeutigen Interpretation, zielt ab auf Erfahrungen, die im kollektiven Unbewussten schlummern. Caravaggio und Fontana nennt Kounellis als seine großen Vorbilder. Für den Manieristen wie den Konzeptkünstler waren Verletzungen ein zentrales Motiv, interpretiert von Kounellis ganz auf seine Weise, indem er einen Kohlesack aufschlitzt.


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Kunstraum Innsbruck, Maria-Theresien-Straße 34; 5. Juli bis 11. Oktober, Montag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr. Eröffnung Samstag, 5. Juli, 12 Uhr
2003-07-03 15:40:49