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09. Jänner 2007
18:56 MEZ
"Kultur taucht ins Nirwana ein"
Breiter Unmut in der Kunstszene über die SPÖ

Wien - Hans Hurch, Intendant der Viennale, hatte sich keine Hoffnungen gemacht: "Ich wusste von vornherein, dass der SPÖ Kunst und Kultur nicht wichtig sind. Das hat sich im Wahlkampf gezeigt, danach in den Koalitionsverhandlungen: Das Thema wurde in einer halben Stunde abgehandelt. Die logische Folge: Kein eigenes Ministerium."

Dass Kunst und Kultur nun Teil des Unterrichtsministeriums sind, hält Polyartist Peter Weibel, gestern zum Ehrenprofessor der Uni Helsinki ernannt, für katastrophal: "Das ist eine reaktionäre Entwicklung. Der Trend geht dahin, die Kunst mit der Forschung zu koppeln. Schade, dass die SPÖ das nicht durchschaut. Die Kunst wird in die Schattenexistenz abgeschoben."

Kabarettist Alfred Dorfer ist von der Begründung der SPÖ, warum das Wahlversprechen gebrochen wurde, enttäuscht: "Es ist vielleicht sinnvoll, Kunst und Kultur aus Budgetgründen in einem großen Ministerium zu verankern. Nur: Das hätte man auch früher wissen können. Die Kultur befindet sich aber nicht in einem solitären Zustand: Es wurden viele Wahlversprechen nicht gehalten." Vielleicht sei es sogar ein Glück, dass es kein eigenes SPÖ-Kulturministerium gibt: "Die genannten Namen waren ja nicht sehr integrativ, um es vornehm zu sagen."

Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, spricht, weil die SPÖ ihr Versprechen nicht hielt, von "Bauern- bzw. Wählerfängerei." Möglicherweise habe man seit der Wahl dazugelernt. Denn die Regierungserklärung bestehe im Kapitel Kunst und Kultur "bloß aus Floskeln": "Es wird nur alles Mögliche 'ins Auge gefasst'. Daher wird es schwierig werden, die Regierung an ihren Vorhaben zu messen." Das Programm sei eine "herbe Enttäuschung": "Die Kultur taucht ins Nirvana ein."

Und der Kulturrat Österreich spricht von einer "Niederlage": Die Koalitionsergebnisse seien "ohne Perspektive einer politischen Erneuerung", sie zeugten "von einer politischen Ignoranz und Gestaltungsverweigerung, die einem ernst zu nehmenden Erneuerungsanspruch Hohn sprechen." Das IG-Gremium protestiert "gegen eine Zuordnung zu einem Unterrichtsministerium: Mit dieser Lösung laufen Kunst-, Kultur- und Medienagenden Gefahr, auch für die kommenden Jahre als Nebensache festgeschrieben zu werden." (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 1. 2007)


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