


Tausende Objekte für ein Hrdlicka-Museum: Angelina Siegmeth-Hrdlicka muss das Staatsatelier bis Jahresende geräumt haben
Wien - 1964 vertrat der Bildhauer Alfred Hrdlicka zusammen mit dem Maler Herbert Boeckl Österreich bei der Biennale Venedig; zwei Jahre später durfte er ein 435 Quadratmeter großes Staatsatelier im Wiener Prater beziehen. Dort arbeitete Hrdlicka bis zu seinem Tod am 5. Dezember 2009.
Seine Witwe, Angelina Siegmeth-Hrdlicka, steht nun vor gröberen Problemen. Denn die Bundesimmobiliengesellschaft als Eigentümerin der Liegenschaft lässt ihr nur bis Jahresende Zeit, das Atelier zu räumen. Sie weiß aber nicht, wohin. Zum Nachlass gehören viele Skulpturen: "Die kann ich nicht in eine Wohnung stellen" , sagt die Witwe. "Alfred hat ja keine Miniaturen hergestellt." Zudem gibt es etwa 1300 Radierplatten - "die kann ich doch nicht einschmelzen!" - und eine umfangreiche Bibliothek: "Die muss erhalten werden, damit die Studenten forschen können!"
Im Zuge der Ausstellung Schonungslos mit frühen Arbeiten Hrdlickas, die bis 19. September in der Orangerie des Belvedere zu sehen ist, regte Angelina Siegmeth-Hrdlicka an, das Atelier in ein Museum umzuwidmen. Doch das kann sich die Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) nicht vorstellen: Die insgesamt zwei Gebäude sollen wieder "ein lebendiger Ort" werden, Hrdlickas Atelier will man in kleinere Einheiten für drei oder vier Künstler aufteilen.
Siegmeth-Hrdlicka will den Nachlass "im Sinne Alfreds" zusammenhalten, auch wenn es für sie eindeutig lukrativer wäre, die Werke Zug um Zug zu veräußern: "Aber es wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern, bis in Wien die Einsicht einkehrt, dass ein solches Museum eine schöne Sache wäre." Gespräche mit der Stadt Wien fruchteten nichts. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) ließ auf Anfrage des Standard bloß ausrichten, dass ein solches Projekt "noch nicht an ihn herangetragen worden" sei. Belvedere-Chefin Agnes Husslein bekundete zumindest Interesse am Nachlass, es seien aber bis dato keine Verhandlungen geführt worden.
Um Druck zu machen, schlug Angelina Siegmeth-Hrdlicka nun Berlin als Standort für das Museum vor. Denn Hrdlicka lehrte von 1986 bis 1989 an der dortigen Hochschule der Künste. Mehr als ein Wunschtraum ist das Projekt aber derzeit nicht. (trenk)
Wien - Errichtet worden waren die hohen, großteils lichtdurchfluteten Bildhauerateliers des Bundes nach den Plänen von Carl Hasenauer - als Pavillons für die Weltausstellung 1873. Danach, 1875, widmete Kaiser Franz Joseph sie "der Kunst" , wie auch die Inschrift im Eingangsbereich des südlichen Gebäudes lautet.
Anton Hanak, Tina Blau, Rudolf Hoflehner und viele andere arbeiteten hier. Heute aber haben die Staatsateliers im Wiener Prater, von einem malerisch verwilderten Park umgeben, etwas Morbides, Verwunschenes: Das südliche Gebäude ist desolat, es herrscht zumeist eine beklemmende Stille. Denn in den letzten Jahren waren mehrere Mieter - darunter Bruno Gironcoli, Alfred Hrdlicka und zuletzt Josef Pillhofer - gestorben; derzeit wird in acht von insgesamt 23 Ateliers nicht gearbeitet.
Und der Großteil der noch lebenden Künstler gehört, wie man so schön sagt, zur alten Garde: Die Pavillons sind die Wirkungsstätte unter anderem von Joannis Avramidis (Jahrgang 1922), Oswald Stimm (Jahrgang 1923), Roland Göschl (Jahrgang 1932), Hans Hollein (Jahrgang 1934), Oswald Oberhuber (Jahrgang 1931) und Karl Prantl (Jahrgang 1923). Einer wohnt hier sogar, obwohl er das nicht darf, ein anderer - kein Bildhauer im eigentlichen Sinn - missbraucht das Atelier als Lager.
SP-Kulturministerin Claudia Schmied will dieses pittoreske Altersheim nun wieder zu "einem lebendigen Ort" machen. Um Überalterung zu verhindern, geht man vom Konzept der Mietverträge auf Lebenszeit ab: Künftig werden die Ateliers befristet auf sieben Jahre vergeben, vorrangig an "aufstrebende österreichische Künstler" , wie es im Konzept heißt. Der gegenwärtig sehr bescheidene Frauenanteil soll erhöht, der Bildhauerbegriff erweitert werden.
Das Kunstministerium will bereits im Herbst drei Ateliers im nördlichen Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und danach in zeitgemäßen Formen wiedererrichtet worden war, nach geringen Instandsetzungsarbeiten ausschreiben. Eines ist groß genug für Bildhauerei, die anderen beiden eignen sich eher für Malerei und Objektkunst.
Im original erhaltenen südlichen Gebäude hingegen sind größere Instandsetzungsarbeiten notwendig. Man hofft, die ersten Räume Ende 2011 vergeben zu können. Von der Idee, aus Alfred Hrdlickas Atelier - mit 435 Quadratmetern das größte - ein Museum zu machen, hält Schmied nichts: Es soll in kleinere Einheiten aufgeteilt und der Arbeitsraum für drei oder vier jüngere Künstler werden. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 05.08.2010)
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... in der wir leben, eigentlich alles zu einem "lebendigen" Ort werden?
Warum muß alles ein Hype sein, wieso können wir nicht einfach der
Kunst, besser noch dem Menschen, auch öde, fade Rückzugsregionen
überlassen.
Zonen in denen nichts (mega-wahnsinn-fantastisch-geiles) passiert,
Orte an denen sich (das) "Nichts" ereignet ... einfach nur öd, fad,
ungenutzt, uneffektiv, unproduktiv ...
Ein eigenes Museum für Hrdlicka halte ich für gar keine so gute
Idee, das neu renovierte 20er bzw. 21er Haus wär doch "der" ideale
Platz für sein Werk ...
Ich denke es ist nicht besonders viel verlangt dem Hrdlicka ein Museum und gleichzeitig jungen Künstlern Ateliers zur Verfügung zu stellen. Hier eine entweder-oder Frage zu stellen halte ich angesichts des Werks von Hrdlicka sehr kleinlich, und das dessen Einrichtung selbstverständlich nicht auf Kosten des Nachwuchs gehen darf ist eigentlich auch klar.
Egal was man von Hrdlickas Werk hält, dazu möchte ich mich nicht äußern - die Gebäude dort sollen jedenfalls Ateliers bleiben. Jeder der jetzt dort arbeitenden 80jährigen Künstler könnte sonst genauso Anspruch auf sein Ateliermuseum erheben + wir hätten eine nichtbesuchte Museumsinsel statt einer Produktionsstätte
zu
Lebzeiten hat Ihn niemand gewollt in dieser Stadt. Wird sich das nach
seinem Dahinscheiden ändern? Möglich wäre es, ist es hierzulande doch
geradezu normal, daß abgetretene Künstler sozusagen heilig gesprochen
werden.
Allerdings sind Bildhauer ja eher sperrig, die brauchen sehr viel
Platz und der Hrdlicka war noch dazu polititsch sehr unbequem und das
wird er wohl auch nach seinem Tod bleiben. Vielleicht bewahrt Ihn das
vor der üblichen Vereinahmung durch die Bourgoisie.
Eigentlich sollte man seine Sachen im Hof von Gemeindebauten und an anderen öffentlichen Plätzen ausstellen.
CB
an der vorgartenstrasse bei den gemeindebauten einige werke bewundern. leider ist vandalismus in dieser gegen ein problem. dazu wurde jetzt als abschlusspunkt ein haessliches drum in der reihe plaziert, ich glaube zu ehren? der fussball-em und ganz sicher nicht vom hrdlicka ;(

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