| Universelle Gestaltung | |
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Das Künstlerpaar Eames hinterließ ein enorm vielfältiges Werk und
fasste mit seinem Verständnis von Design als Prozess den eigentlichen
Begriff weiter als je zuvor.
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Die Welt von Charles
und Ray Eames heißt die Ausstellung zum Thema Design, die im Wiener
MAK gezeigt wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Architekten- und
Designerpaar Eames mit seinen Häusern, Möbeln, Ausstellungen, Filmen,
Büchern und Grafiken die Modernisierung Amerikas gestaltet. Die Schau ist
bis 30. September zu sehen. Anhand zahlreicher längst zu Klassikern avancierter Möbel, Fotografien,
Modelle und Filme illustriert die Ausstellung die relevanten
Fragestellungen und Herausforderungen in der Arbeit von Charles und Ray
Eames.
Revolution der 50er Jahre Die Fiberglasstühle in Rot, Orange, Grün und Blau mit den dünnen
Alu-Beinen sind längst zu Klassikern des Möbeldesigns geworden. Die
Revolution der 50er Jahre: diese Stühle waren leichtgewichtig, billig und
einfach in der Herstellung. Die Sitzfläche konnte nach dem Vorbild der
Automobilindustrie aus einem Stück gestanzt werden. MAK-Direktor Peter Noever meint, dass diese Formen auch durch die Zeit
nicht beschädigt werden konnten: "So werden ja immer wieder für
Film-Ausstattungen, z.B. für Science-fiction-Filme, Eames-Sessel als
Hinweis auf die Zukunft verwendet. Und das 50 Jahre nach ihrer
Entstehung." Populär und kommerziell erfolgreich Populär sowie kommerziell erfolgreich geworden sind vier Stuhl-Gruppen
für die Herman Miller Furniture Company. Für sie entwickelten die Eames
aus flexiblem Material dem menschlichen Körper angepasste Sitzformen: aus
formgepresstem Sperrholz, aus glaserverstärktem Kunststoff, aus in Form
gebogenem und geschweißtem Drahtgeflecht und aus Aluminiumguss. Sie tragen
Namen wie LCM "Longe Chair Metal" oder DCW "Dining Chair Wood".
"Die Eames-Möbel waren sehr schnell sehr bekannt. Sie haben in der
ersten Phase der Produktion von dem DCW - also dem Sperrholzstuhl - 7.000
Stück im Monat hergestellt. Der Produzent beschwerte sich, dass plötzlich
bei allen anderen Firmen auch dieser Stuhl hergestellt wurde. Wobei das
noch zur Popularität beigetragen hat", erläutert Eva Kristina Kraus, die
Kuratorin des MAK, zum damaligen Erfolg. Miteinander von Kunst und Design Zur Entwicklung und Herstellung der Modelle wurden spezielle Werkzeuge,
handgemachte Press- und Gussformen sowie Testapparate entwickelt. So war
allen Modellen die experimentelle Herangehensweise gemeinsam. Ein
Procedere, das die Eames auch in ihren Filmen oder in der Architektur
beibehielten. Für Donald Albrecht, der die Ausstellung in einer ersten
Fassung für das Vitra
Design Museum in Berlin und für die Library of Congress
zusammengestellt hat, sind weniger die Formen der 50er Jahre, als das
Konzept hinter der Karriere des Künstlerpaares von aktueller
Bedeutung: "Es war die gleichmäßige Miteinbeziehung von Kunst und Design, von
Wissenschaft und Architektur in ihre Arbeit. Sie haben immer für den Film
gearbeitet, haben dafür Möbel entworfen. Sie hatten das, was ich eine
Hybrid-Karriere nennen würde. Und das ist es, was für junge Architekten
von heute von so großem Interesse ist und weshalb diese Ausstellung so
populär wurde." Neue Formen des Wohnens
"Es ist ein wunderbares Haus, um dort in der Früh aufzuwachen. Die
Sonne scheint durch die Eukalyptusbäume, deren Blätter Schatten auf die
Glasscheiben werfen. Man sieht hinunter in den Wohnraum und das gibt ein
wirklich befreiendes Raumgefühl. Durch das viele Glas verschwimmt das
Innen und Außen, wenn man die Vorhänge wegzieht", erzählt Luzia Eames, die
Tochter des Künstlerpaares, die noch heute fallweise in dem Haus lebt. Rückzug aus der Architektur Als das Haus bei aller Vorbildwirkung kein kommerzieller Erfolg wurde,
zogen sich die Eames aus der traditionellenn Architektur zurück. Sie
produzierten Filme und Ausstellungen, die als didaktisches Mittel dienten,
um einem möglichst breiten Publikum wichtige Aspekte der Wissenschaft nahe
zu bringen. Neue Technologien wurden im Auftrag von Industrie oder
Regierung vermittelt.
Versuch eines USA-Poträts Laut Enkel Demitrius Eames, der das Eames-Office in Los Angeles leitet,
war das aber nicht als kritisches Statement zu verstehen: "Ja, sie haben
versucht, die USA zur porträtieren - so realistisch wie möglich. Es ging
nicht um eine Bewertung. Das ist auch der Grund, warum die Dia-Show nach
so langer Zeit noch immer gut funktioniert. Natürlich wurden auch negative
Seiten gezeigt. Also nicht nur die Highways, sondern auch die
Luftverschmutzung. Jedenfalls war das ein Meilenstein in der Geschichte
der Medien und als Schnappschuss der amerikanischen Gesellschaft war diese
Dia-Show auf jeden Fall überzeugend."
Meilensteine in Computer-Technologie Meilensteine setzte das Ehepaar Eames auch im Bereich der
Computertechnologie. Ein Informationssystem, das Charles und Ray bereits
in den frühen 70er Jahren für IBM konzipierten, nahm die Entwicklung der
Touchscreens vorweg: Ein System, wie es heute in jedem Museum zur
Orientierung der Besucher zu finden ist. Cross-over-Pioniere Charles (1907-1978) und Ray (geb. Kaiser, 1912-1988) Eames sind so
etwas wie Cross-over-Pioniere des Design. Ihr Glaube, das Leben und den
Alltag durch Design verbessern und verschönern zu können, machte die
beiden Künstler - er kam ursprünglich von der Architektur, Ray Eames,
Schülerin Hans Hoffmanns, von der Malerei - zu Universalisten. Tipp: "Die Welt von Charles und Ray Eames", MAK-Ausstellungshalle, von 27.6. bis 30.9.2001 | ||||||||||||