Kati Koller, ungarisch stämmige
Geschäftsfrau, hat ihre Boutique Marithe und Francois Girbaud auf der
Brandstätte in Wien mit einem Videoscreen versehen, wo zeitgenössische
Künstler ihre Minutensequenzen präsentieren. Ausgewählt wurden die
Arbeiten von der ehemaligen Kunstkuratorin Lioba Reddeker.
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| Boutique Girbaud / ©Bild: M.
Christian |
Die in Wien gezeigten Videos haben wenig mit dem klassischen
Videokontext oder der klassischen Ästhetik der Videokunst der 60er und
70er Jahre zu tun. Dabei handelt sich nicht um eine Interaktion zwischen
Kamera, Betrachter und Monitor wie bei Valie Export, Peter Weibel oder
Ernst Caramelle. Vielmehr sind es gelungene Eyecatcher, die den Passanten
auf der Straße zum Verweilen einladen sollen.
Schwarz-Weiß
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| "sehen als", Esther
Stocker |
Am ehesten an den Experimentalfilm gemahnen die Arbeiten der in
Südtirol geborenen Malerin Esther Stocker. Sie war bereits mehrmals mit
ihren malerischen Streifenbildern in Schwarz-Weiß in der Galerie Krobath
und Wimmer zu sehen. Hier zeigt die Künstlerin aus der Serie "sehen als"
drei Sequenzen aus dem Jahr 2001.
Gefilmtes Bildobjekt
Einmal schiebt sich ein Körper, gehüllt in schwarzen Stoff, an dem nur
die Schuhe auf einen Menschen schließen lassen, an einem Boden entlang.
Ein anderes Mal wird eine Kontaktlinse am Auge mit schwarzer Farbe
bemalt.
Reddeker erläutert im Gespräch, dass Stocker nicht die Idee hatte, sich
am Experimentalfilm zu orientieren. Aber scheinbar landet man bei der
Untersuchung, was ein Bild heute noch kann, sehr bald beim bewegtem Bild
und damit auch bei einer Ästhetik, die den Anfängen des Experimentalfilms
nahe ist.
Lovers Walk
Ein besonders amüsanter Loop ist die Arbeit des Österreichers Oliver
Hangl und der Ungarin Andrea Gergely.
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| "Lover's Walk", Oliver Hangl und Andrea
Gergely |
In ihrer Drei-Minuten-Sequenz "Lover's Walk" spielt Hangl auf einer
Spielzeuggitarre auf einer Wiese. Dazu kommt eine junge Frau in
flatternden blauen Kleidchen, die zur tonlosen Musik tanzt. Sie berührt
dabei kaum den Boden und zappelt und hüpft durch die Luft.
Spielerischer Umgang
In Anlehnung an die Stummfilm-Ästhetik auf Super 8 gedreht, spielt der
kurze Clip mit typischen Rollenklischees und macht sich dabei darüber
lustig.
Es ist ein freundliches humorvolles Verfremden der Filmgeschichte.
Hangl ließ sich kürzlich von 30 verschiedenen Komponisten zu dem Video von
1998 eine Musik schreiben. Auf die Neupräsentation dieser Arbeit darf man
sich freuen.
Explosives aus CH
Eine an den Schweizer Interventionskünstler Roman Signer erinnernde
Arbeit ist das Video der Schweizerin Ursula Palla. Sie zeigt einen üppigen
bunten Blumenstrauß, der in einer dunklen Keramikvase auf einer
waagrechten Fläche steht.
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| "flowers I", Ursula
Palla |
Nach einigen Sekunden des Betrachtens explodiert der Strauß samt Vase.
In der ursprünglichen Version löste der Betrachter durch sein Näherkommen
zum Monitor diese Explosion aus. Da kein Ton bei den Arbeiten von
"kunst-en-passant" verwendet wird, kommt dieser Effekt in Wien nicht zum
Tragen.
Fortsetzung folgt
Die von Lioba Reddeker kuratierte Schau ist eine gelungene Auswahl aus
zeitgenössischem Video-Schaffen, das hier in bewundernswerter Weise von
einer Privatfrau finanziert wurde. Weitere Staffeln sind prolongiert,
eventuell auch mit Absolventen von osteuropäischen Kunstschulen. Man darf
gespannt sein.
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