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29.08.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Für eine Verbürgerlichung der Kunst
VON ALMUTH SPIEGLER
Interview. Johannes Faber über die Vorhaben als Vorsitzender des Galerienverbands.

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in knappes Jahr ist Johannes Faber jetzt Vorsitzender des österreichi schen Galerienverbands moderner Kunst. Kein leichtes Pflaster. Auch nicht für Österreichs einzigen Händler für klassische Fotografie. Trotz langjähriger Erfahrung und trotz Exoten-Bonus. Nach einigen Jahren scheinbarer Geschlossenheit, manche nennen es auch Stillstand, war der Verband heuer mit einer Austrittswelle konfrontiert. Renommierte Galeristen wie Ursula Krinzinger, Grita Insam, Manfred M. Lang, Sylvia Steinek und Lukas Feichtner - also praktisch die ganze Szene rund um die Seilerstätte - traten aus.

Mit der Wahl von Johannes Faber, der Ende 2004 Hans Knoll als Vorsitzender folgte, hat das aber wenig zu tun - er wird allseits geschätzt. Die Situation tut ihm eher leid: "Die Unzufriedenheit schwelte schon länger. Bekanntere Galerien brauchen den Verband eben weniger. Dabei sehe ich ihn mehr als Standesvertretung und nicht als ein Feld für persönliche Profilierung. Wir wollen uns jetzt auf das Kerngeschäft zurückziehen, was vor allem das Verhandeln mit der Politik bedeutet."

Etwa über das Folgerecht, das ab 1. Jänner 2006 auch in Österreich akut wird - bei dem Wiederverkauf eines Werks muss an den jeweiligen Künstler fünf Prozent des Preises abgegeben werden: "Das EU-Gesetz lässt da große Freiheiten zu. Ob das Folgerecht etwa bei Null oder bei 3000 € beginnt, ist Ländersache. Wir verhandeln gerade mit dem Kunst-Staatssekretariat und dem Justizministerium darüber, diese Grenze so weit wie möglich nach oben zu setzen. Das würde eine Aufwertung des Kunsthandel-Standorts Österreich bedeuten."

Noch wichtiger für den österreichischen Markt, und um die Tradition des Kunstsammelns zu stärken, sei laut Faber aber die steuerliche Absetzbarkeit von Kunst: "Kunststaatssekretär Franz Morak hatte das zwar in seinem Programm, ich fürchte aber, dass sich das auch in den nächsten Jahren nicht durchsetzen lassen wird. Unsere politische Gesellschaft ist eben nicht wirklich kunstfreundlich." Überhaupt sei das Positive, das sich Faber von der jetzigen Regierung erwartet hatte, bisher nicht eingetreten: "Eine erneute Verbürgerlichung der Kunst. Dass es im Bürgertum wieder als verpflichtend angesehen wird, etwas für die Kultur zu tun - ein Buch zu sponsern, eine Komposition zu beauftragen oder Kunst zu sammeln."

Die Gattung der Kunstsammler an sich habe sich in letzter Zeit international stark verändert, bemerkt der Foto-Spezialist: "Den Sammler, der jahrelang einen Künstler verfolgt und von einer Galerie betreut wird, den gibt es so nicht mehr. Es wird bei vielen Galerien gekauft." Ist der Sammler also mündiger geworden? "Nein, er lässt sich nur stärker beeinflussen. Und es gibt eine gewisse Oberflächlichkeit. Da entsteht eine Sammlerschicht von 30-, 35-Jährigen, die Kunst als reines Statussymbol sehen."

Gerade von solchen, in Österreich (noch) nicht motivierten jungen Leuten leben aber wiederum erfolgreiche Kunstmessen. Die erste Ausgabe der "ViennAfair" sieht Faber trotzdem als gelungen an - "eine Kunstmesse muss wachsen, das dauert ein paar Jahre". Eine große Hilfe wäre es schon, wenn die österreichischen Museen, die pro Jahr mit rund 636.000 Euro von Morak zweckgebundenen Euro bei heimischen Galerien einkaufen dürfen, von sich aus aktiver wären. Als Beispiel nennt der Galerist das Modell, das die Londoner "Frieze"-Messe erdacht hat: Dem Tate Museum wird von privaten Sponsoren jährlich ein eigener Fond zum Einkaufen auf der Messe gestiftet. Träumen wird man wohl noch dürfen.

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