Lioba Reddeker (42) ist Geschäftsführerin
der "basis wien", eines Archivs zeitgenössischer Kunst, und war
Kunstkuratorin des Bundeskanzleramts in den Jahren 1997 bis 1999.
Nun stellte Reddeker das von ihr kuratierte Videoprogramm
"kunst-en-passant" in der Boutique Girbaud auf der Brandstätte 7 bis 9
vor.
Frage: Das Projekt "kunst-en-passant" nimmt mit seinem
Ausstellungsort, einem Geschäft, einen Platz zwischen Kommerz und Kunst
ein - ein Ort, an dem in Österreich selten Kunst präsentiert wird. Wie
wichtig sind für Kunst solche Locations?
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| Liobba Reddeker / ©Bild:
APA |
Reddeker: Ich glaube, dass sie zentral wichtig sind. Ich habe
auch bei der Eröffnung von "kunst-en-passant" klarzumachen versucht, dass
ich die Verantwortung sehe, die neben öffentlichen Kunst-Institutionen
auch private Veranstalter haben. Ich glaube, das ist strukturell ein
wichtiger Punkt. Und ich bin der Meinung, dass durch die öffentliche Hand
geförderte Institutionen da sein müssen, die zeitgenössische Kunst zeigen
und Programme durchziehen können.
Aber wir kommen in der bildenden Kunst leicht in den Ruf, eine Enklave
zu sein. Und oft kommt der Vorwurf, zu elitär zu sein, sich zu wenig zu
öffnen und Angebote zu offerieren. Um das zu entkräften, sind solche
Programme, wie wir sie hier veranstalten, sehr wichtig.
Frage: Was halten Sie von Kooperationen wie zwischen Prada und
Guggenheim-Museum? Welche Synergien können durch solche Zusammenarbeit
entstehen?
Reddeker: Ich denke, sie sind immer solange produktiv, solange
sie die Künstler nicht für Werbung missbrauchen. Interessant ist es dort,
wo erklärtermaßen ein Imagetransfer stattfindet. Natürlich wollen private
Firmen mittels Imagetransfer der Werbe- und Produktlinie einen Kunsttouch
ermöglichen.
Wenn das aber in einer Form passiert, wo die Projekte vom Künstler
professionell durchgezogen werden, und nicht der Verdacht nahe liegt, dass
Themen-Auswahl und Material massiv beeinflusst wurden, ist es eine gute
Sache. Ich plädiere immer für eine große Transparenz bei solchen
Kooperationen, wo von Anfang an die Rahmenbedingungen klar offen gelegt
sind. Wenn dann nachvollziehbar ist, was investiert wurde, was die
gegenseitigen Erwartungshaltungen sind, dann halte ich es für in
Ordnung.
Frage: Wo überall sollen die Videos von "kunst-en-passant" nun
gezeigt werden?
Reddeker: Im Prinzip haben wir uns entschlossen, das Projekt auf
eine mehrjährige Kooperation anzulegen, obwohl wir heute noch nicht alle
Eckdaten dieser Kooperation unter Dach und Fach haben. Mehrjährig heiß
zunächst, dass es mehrere Staffeln von Videoprogrammen geben wird. An
zweiter Stelle wird es ein Wettbewerb sein, dessen Größenordnung und
inhaltlicher Kontext noch nicht ganz feststeht. Kati Koller von Girbaud
will versuchen, den Wettbewerb mit größeren Kooperationspartnern
anzugehen. Aber wir wissen noch nicht, wie groß das Interesse auf der
anvisierten Seite dafür ist.
Es könnte auch sein, dass wir das alles von Wien aus organisieren und
auch ohne Partner arbeiten. Das wird sich in den nächsten zwei, drei
Monaten herausstellen. Wir werden einen Wettbewerb ausschreiben und aus
Einreichungen sowie aus einer Vorjury nächste Staffeln auswählen und
präsentieren. Momentan sind die Kooperations- und Präsentationspartner
Girbaud und Kunsthalle Wien. Die Rolle der "basis wien" im Museumsquartier
ist noch ein wenig offen. Ich stelle mir vor, dass wir aus den zahlreichen
Recherchen auch noch Programme dort zeigen könnten.
Frage: An welche Prämierung ist gedacht?
Reddeker: Es ist an eine Geldprämierung gedacht, wo der erste
Preis ca. 10.000 Euro betragen sollte. Weiters soll es auch eine
Ausstellung in der Kunsthalle geben.
Frage: Das Projekt inkludiert auch eine Zusammenarbeit von
"basis wien" und Kunsthalle Wien, da dort auf einer Videowand die Arbeiten
gezeigt werden. Gibt es in näherer Zukunft eine weitere Kooperation mit
der Kunsthalle Wien?
Reddeker: Die Grundidee der ersten Staffel nimmt natürlich auf
die Geschäftssituation auf dem Bauernmarkt bezug. Wir können dort keinen
Ton senden, was die Auswahl der Arbeiten einschränkt. "en passant" meint
ja, dass die Arbeiten im Vorbeigehen erfasst werden sollen. Für ein echtes
"en passant" sind einige Arbeiten mit fünf Minuten eigentlich zu lang.
Aber auf der anderen Seite sind es alles Arbeiten, die in einer
visuellen Teilerfassung etwas vermitteln können. Ursprünglich habe ich
versucht, die Kooperation zu spezifizieren, da ja die "basis wien" mit den
Kunstuniversitäten und mit den osteuropäischen Nachbarn näher beschäftigt
ist. Wir erfassen ja die Ausstellungen und Projekte von Absolventen der
Universitäten. Aus diesem Kreis will ich Videos zusammenstellen und diese
Absolventen sollen auch beim Wettbewerb vertreten sein. Das war aufgrund
des Zeitmangels für die erste Staffel noch nicht
möglich.