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| Pakostas
kahle Köpfe in der Albertina "Florentina Pakosta ist zu Unrecht im Schatten Anderer gestanden", meinte Direktor Klaus Albrecht Schröder, am Donnerstag bei der Pressekonferenz zur kleinen, aber markanten Pakosta-Ausstellung der Albertina zum 70. Geburtstag (am 1. Oktober) der Wiener Künstlerin. Wien (APA) - Monumentale Zeichnungen von männlichen Köpfen und Händen, sowie satirische Blätter aus den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigen Pakosta als eine Hauptvertreterin des sozialkritischen Realismus.Vor 20 Jahren stellte die Albertina in ihrer Grafischen Sammlung schon einmal Werke Pakostas aus, doch die erwartete zunehmende Bekanntheit blieb weitgehend aus, wie Schröder im Katalog schreibt. "Heute wollen wir den Block nicht einfach wiederholen, sondern zur Diskussion stellen", sagte Schröder. So wird der Betrachter mit Zeichnungen von monströs vergrößerten, kahlen männlichen Köpfen konfrontiert. Mit Kohle- und Bleistift arbeitet Pakosta nicht flüchtig, sondern mit formalistischer Präzision. So paraphrasiert sie das Werk Franz Xaver Messerschmidts, und die Zeichnungen erscheinen wie gigantische Kupferstiche. Der strenge Formalismus nimmt den Porträts das Individuelle. Masse und Macht, eine männlich dominierte Welt und der gleichgeschaltete Mensch, das sind die Themen Pakostas, die aus diesen Bildern zu schreien scheinen. Weitergeführt werden die Themen in den ebenso überdimensionierten Händen, die sich in ausdrucksstarken Gesten manifestieren. "Köpfe und Hände sind seit alters her die Körperteile, die mit dem Geist verknüpft werden", deutete Schröder. Diese Hände stehen für sich, wie sich auch in "Die Hand", einer Kurzgeschichte der Künstlerin, die abgetrennte Extremität zum eigenen Leben verselbstständigt - bis von ihr nur das von Ratten "sauber abgenagte Skelett" überbleibt. Werden diese beiden Werkgruppen von einem im Laufe der Jahre noch zunehmenden Prozess der Objektivierung geprägt, stattet Pakosta die Männer auf den sarkastisch-satirischen Blättern mit Attributen aus, die körperlich deren geistige Beschaffenheit demaskieren sollen. Münder werden da zu Gießkannen, Sägen oder Scheren, aus den Köpfen heraus wachsen Revolver, Klappmesser oder gar ein zweites Gesicht - das eines Hundes. Man dürfe diese Bilder nicht auf das bloß Inhaltliche reduzieren, fand Schröder. In ihrer simplen Eindeutigkeit hätten sie einen Zynismus, der an Otto Dix und George Grosz erinnere. Pakosta arbeitet auch als Dichterin. "Ich kenne kaum Literatur, die mich so schreckt", stellte Schröder fest. Kafkaeske Etüden wie die der Hand korrespondieren in ihrer Erbarmungslosigkeit mit den gezeigten Bildern. In der Albertina hat man bewusst nur einen Ausschnitt aus dem Werk der Künstlerin gewählt, um eine vertiefte Betrachtungsmöglichkeit zu bieten. Pakosta, die am 1. Oktober ihren 70. Geburtstag feiert, selbst dazu: "Es liegt so lange zurück, ich kann mich kaum mehr daran erinnern. Aber eigentlich geht es jetzt um auch nichts Anderes." "Florentina Pakosta" in der Albertina. 4. Juli bis 28. August. Tgl. 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr. Katalog: "Florentina Pakosta", Hg. v. Klaus Albrecht Schröder, 42 Seiten, 10 Euro. 2003-07-03 12:39:33 |