| "Ein Architekturzentrum muss neutral sein" | |
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Das Gespräch mit dem Leiter des AzW, dem Architektur- |
ON Kultur: Dietmar Steiner, sie haben bis jetzt immer auf zwei
Ebenen gearbeitet - die eine war eine sehr sichtbare, die Ausstellungen.
Andererseits gab es stets die weniger sichtbare Arbeit mit Archiven oder
Symposien - wo wird in Zukunft der Schwerpunkt liegen?
Steiner: Ein ganz wesentliches Anliegen ist mir, dass gerade
dieser Dienstleistungs- ON Kultur: Sie haben bei der allgemeinen Repräsentationswut hier
im Museumsquartier nicht wirklich mitgemacht. Die alte Halle ist überhaupt
noch ganz bescheiden, so wie sie immer war. Warum diese Entscheidung sich
da so zurückzuhalten als Architekturzentrum? Steiner: Naja, das ist eine Grundsatzentscheidung. Erstens
einmal sind wir über die alten, aber doch schönen Räume sehr froh und
zweitens ist es für ein Architekturzentrum doch ungemein wichtig, wenn es
verschiedene Architekturen von verschiedenen Architekten ausstellt, dass
der Hintergrund, das heißt der Raum an sich in dem das stattfindet sehr
roh, sehr nüchtern, sehr neutral ist - und das ist uns mit unserem
Architekten sehr gelungen. ON Kultur: Die Architektur der Cafeteria ist auch besonders. Sie
haben ein französisches Architektenteam eingeladen das zu machen - warum
ist die Entscheidung auf Lacaton/Vassal gefallen? Steiner: Die erste Entscheidung war einmal, dass das AzW als
bedeutendste Architekturinstitution Österreichs keinen
österreichischen Architekten nehmen kann, weil sonst alle anderen auf uns
böse wären. Und weil es auch unserer Aufgabe ist internationale
Architekturentwicklungen nach Wien zu bringen. ON Kultur: Drei der anderen Institutionen im Museumsquartier
haben einen Neubau bekommen - sie als Architekturzentrum müssen sich mit
den alten Räumen zufrieden geben, tut ihnen das leid? Steiner: Komisch, diese Frage stellt mir jeder! Ich sage: Zur
Zeit definitiv 'nein'. Es tut mir nicht leid, wir sind mit unseren Räumen
zufrieden. Wir sind sehr zufrieden über den Standort, dass wir überhaupt
im Museumsquartier sein können. Das ist das alte Argument von allen
Immobilienexperten: Lage! Lage! Lage! Der Bedarf für einen Neubau, muss
ich auch ganz ehrlich sagen, stellt sich jetzt nicht, der Bedarf der
Erweiterung, den sehe ich in ganz anderen Dimensionen. ON Kultur: Nämlich? Steiner: Ich glaube, dass wir hier in Wien sehr gut eingebunden
sind in das amerikanisch-westeuropäische Netzwerk vergleichbarer
Architekturinstitutionen. Wir sehen aber nicht weit von uns entfernt die
Notwendigkeit dieses Netzwerk aufzubauen. Das heißt wir wollen verstärkte
Kontakte mit Budapest, Prag, Bratislava, Belgrad etc. machen, um mit
unserem Know-How, das auch international anerkannt ist, Strukturen in den
Nachbarländern aufzubauen. ON Kultur: Also die Erweiterung im Kopf sozusagen? Steiner: Die Erweiterung im Kopf und im Konzept und nicht im
Raum. Link: Architekturzentrum Wien | ||||