| Salzburger Nachrichten am 03. Dezember 2003 - Bereich: kultur
GALERIENBLICK
GALERIENBLICK
Maler mit Wollfäden Fritz Riedl zählte nach 1945 zur Wiener Avantgarde. Sein Atelier am Sebastiansplatz war ein Treffpunkt der jungen abstrakten Kunst. Auch Thomas Bernhard beschrieb es in seinem Roman "Holzfällen". Heute ist der Teppichweber Fritz Riedl kaum mehr bekannt. Die Österreichische Galerie widmet dem 80-jährigen Künstler, laut Selbstdefinition "kein Weber, sondern Maler mit gefärbter Wolle", im Oberen Belvedere eine Retrospektive.
Zum prägenden künstlerischen Erlebnis wurde für Riedl 1949 eine Ausstellung französischer Gobelins im heutigen MAK. Fortan stand die Teppichweberei im Zentrum seiner Kunst. Er erhielt zahlreiche öffentliche Aufträge und wurde zur Biennale Venedig 1954 sowie zur Documenta 1959 in Kassel eingeladen. Nach einer Berufung an die Linzer Kunsthochschule lebt Riedl heute überwiegend in Mexiko.
Die ausgewählten Teppiche umspannen eine textile Produktion von den frühen fünfziger Jahren bis zur "Composicion escudo" von 2003. Die frühesten Teppiche sind in strenger geometrischer Abstraktion gewebt. Diese weicht später schwingenden, flammenden, gestisch betonenden Formen. Bei aller Abstraktion werden auch Landschaften erkennbar, ein Vogelflugmotiv sowie die Metapher sich wie Schwingen ausbreitender Hände ziehen sich durch Riedls gewebte Malerei. Dabei hält Riedl an einem bestimmten Kompositionsschema fest, das von einer vertikalen Mittellinie ausgeht. Dominierender Eindruck ist jedoch eine wunderbare Farbigkeit, die Riedl durch die individuelle Färbung jedes einzelnen Fadens erreicht. (Bis 22. Februar, Di. bis So., 10 bis 18 Uhr). froh
|