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| 19.10.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kunsthaus: Das Auge, eine Wunde in der Hand | ||
| VON THOMAS KRAMAR | ||
| Für "Tu Felix Austria" richteten vier Künstler je einen Stock ein. Museum der Moderne Salzburg. Manfred Erjautz baut mit Lego, Parfum, Werbung. | ||
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Holzwände, Klettergerüste, grelle Polster, Rohre, die aus der Wand
wuchern, mittendrin der Künstler, mit Werkzeug kämpfend, umrankt von
Schlingpflanzen: Die Welt, die sich Gregor Zivic errichtet, ist ein
Abenteuerspielplatz, ein Heimwerker-Eden. Aber ein unheimliches. Dieses
Heim verschlingt Bob, den Baumeister: Er geht es ab, nachdem er ein mit
"Dark Room" beschriftetes Schaltpult bedient hat, mit Kamera und drittem
Auge, das wie eine Kafkasche Wunde aus seiner Handfläche wächst. Am Ende des zentralen Videos verschwindet sein Kopf durch
die Decke von "Bob's Pistols Building" (so heißt das Ganze), während er in
ein an diesem außen angebrachtes Pissoir hineinfilmt, wobei sich die
Kamera in eine Pistole verwandelt, dieselbe rhythmisch erschlaffende
Plastilin-Pistole, die das Video im Inneren des (wie eine Pistole
geformten) Kletterhäuschens zeigt. Das ist natürlich kindliches Psychoanalyse-Theater, aber
zugleich ein in seiner wilden Selbstbezüglichkeit fesselnder Dschungel.
Und bei weitem die faszinierendste Umsetzung des Themas, das die
Ausstellung "Tu Felix Austria . . . Wild at Heart"
beherrscht, in vierfacher Ausfertigung: Wie richtet ein Künstler (sich)
einen Raum ein? Die Aufgabe hängt stark vom Raum ab, den es zu füllen
gilt. Aus Geometrie mach (Neo-)Geometrie: Gerwald Rockenschaub tat sich
vor einem Jahr leicht, "4296 m3" im Wiener Mumok nonchalant zu
beschriften; die Höhlen des Grazer Kunsthauses einzurichten ist schon eine
schwierigere Übung. Das Kunsthaus Bregenz ist wieder ein leichter Fall:
Sichtbeton, 90 Grad, Mattglas, da lässt sich's leben, da bleibt man gleich
drin. Wie Paul Petritsch, der sich sechs Tage von sechs Kameras filmen
ließ, beaufsichtigt von Nicole Six, während er die Wände entlangstrich.
Nun hängen sechs Leinwände, auf denen er auftaucht und wieder
verschwindet, neben den Kameras zu leisen Sturm-Geräuschen, in diesem
gnadenlosen Raum, der sich selbst abbildet: sieht. Einfach ein schmuckes kirschrotes Wochenendhäuschen aus
Pressspanplatten in den Raum gestellt hat Marko Lulic. Darin zeigt er drei
Videos: eines mit Slogans der US-Bauindustrie ("Plywood - now for war,
later for peace"), das zweite mit einem sehr sesshaften Gast einer Villa.
Das dritte spielt in einer Plüsch- und Palmen-Disco: Zwischen dem Show-off
der wesentlichen Wahrzeichen (Lautsprecher, Mischpult, Discokugel) predigt
eine junge Frau im Military-Look die sexuelle Befreiung. "Life without
fucking is a life of sorrow": Wilhelm Reich revisited, und dann zucken
wieder die Fertigteil-Geigen: "Slave to the rhythm!" Am wenigsten schlüssig wirkt das von Dorit Margreiter
eingerichtete Stockwerk. Ein Video, ein 16mm-Film (auf "authentisch"
lärmendem Projektor) und eine Tonspur erzählen jedes für sich ihre
Geschichten: Es geht ums frühe Kino, die Filmstadt Liverpool, meinetwegen
um "die Frage zwischen Dreidimensionalität und Zweidimensionalität (sic!)
und welche Verschiebungen und Transformationen dabei stattfinden"
(Margreiter). Ja, das könnte spannend sein. In einem anderen Raum
vielleicht. Wesentlich enger, beengter ist ein Raum, den Manfred
Erjautz in den obersten Stock des Museums der Moderne in Salzburg gestellt
hat: ein zugänglicher Blechcontainer, dessen innere Wände komplett
zugeklebt sind, mit Hinweistafeln, Werbung, Giftwarnungen, U-Bahn-Plänen.
Ein Behälter, ein Gefängnis der öffentlichen Botschaften, schaurig wie
etliches, das Erjautz aus Legosteinen baut: etwa einen elektrischen Stuhl.
Von dichter, sinnlicher Poesie ist dagegen sein "Atomizer": 115
Parfum-Flacons in einer Reihe, Untertitel: "I forgot to remember to forget
you". Ein schönes Beispiel für die Rolle der Beschriftung in der Kunst:
Ohne den Text wäre das Werk eine brave Bastelei, mit ihm ist es die Essenz
einer Erzählung, die man sich erahnen kann. |
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