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Kultur 

Schwer und leicht zugleich

Arbeiten aus dem Nachlass von Gesine Bösch-Probst sind in Bludenz zu sehen.

ARIANE GRABHER

Bludenz (VN) 1989 zeigte Gesine Bösch-Probst (1944Ö1994) zum Thema "Gesichter" eine Reihe von Zeichenporträts in Bludenz.

Unter dem Schwerpunkt Zeichnung ist nun eine Auswahl von Arbeiten aus dem Nachlass der Künstlerin, ausgesucht und zusammengestellt von Ingo Springenschmid, in der Galerie "allerArt" zu sehen.

Neu geschaut

Dabei bilden jene Porträts aus den 80 er Jahren, entstanden während eines Aufenthaltes in der Psychiatrie, losgelöst und im Ausstellungsraum in luftiger Höhe präsentiert, quasi die Klammer der hauptsächlich mit Arbeiten aus den letzten beiden Lebensjahren bestückten Werkauswahl.

Werk und Biografie der Künstlerin, die als Doppelbegabung in der Literatur ebenso beheimatet war wie in der Kunst und sich 1994 in München das Leben nahm, sind im Land hinlänglich bekannt. Durch die aktuelle Präsentation werden die Zeichnungen aber nicht nur der Vergessenheit entzogen.

In der Zusammenstellung, deren mit viel Fingerspitzengefühl interpretierende Haltung dem Gestus des OEuvres entgegenkommt, kann manches zudem wieder neu geschaut werden. Gerade die Blätter aus den letzten Jahren, reduziert auf das Wesentliche, verdeutlichen die Vorgehensweise der Künstlerin, Themen und Motive fragmentarisch zu bearbeiten, ohne jedoch über den Ausschnitt den Blick auf das Ganze zu verlieren.

Inneres Erleben, psychische Erfahrungen, Prozesse und Vorgänge werden an die Oberfläche getragen.

Verletzlichkeit und Verletzungen, Abspaltung und Trennung werden ebenso thematisiert wie das erneute Zusammenfügen und das Wiederfinden des Gleichgewichts. In ihrer ureigenen, unverkennbaren Bildsprache spielt die Künstlerin auch zeichnend mit Worten.

Tiefsinniger Witz

Dabei erinnern die piktogrammartigen Zeichen und Formen zuweilen an Comics. Die Übertreibung ist ebenso da wie der tiefsinnige Witz. Gleichzeitig ist da aber auch eine fast körperlich spürbare Schwere und Tiefe, die jedem der Blätter, die scheinbar so leicht und schnell hingeworfen daherkommen, inne wohnt.

Die Ausstellung ist in der Galerie "allerArt" in der Remise Bludenz bis zum 8. Jänner zu sehen, geöffnet Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag 15 bis 18, Donnerstag, 16 bis 20 Uhr.

Literatur und Malerei

Gesine Bösch Probst wurde 1944 in Weimar geboren und ist in Frankfurt am Main aufgewachsen. Sie studierte Kostümbildnerei in Berlin und anschließend Malerei in Wien. 1968 heiratete sie den Hörbranzer Maler Richard Bösch.

1978/79 beginnt sie mit literarischen Arbeiten und erhält 1981 das österreichische Staatsstipendium für Literatur. 1989 verlegt sie ihren Wohnort nach München, wo sie sich 1994 das Leben nimmt.

Arbeiten der Künstlerin Gesine Bösch-Probst. (Fotos: Kunstverein "allerArt")

Ureigene Bildsprache entwickelt. (Foto: A. Grabher)




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