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10.09.2002 - Ausstellung
Maschinen- und andere Bilder
Der bevorstehende Herbst gibt sich recht systematisch. Alles dreht sich um Maschinen. Malerei steht dabei im Mittelpunkt, aber auch Photographie, Medien & Architektur zeigen auf. Das „schaufenster“ sondierte für Sie vor. Nur Ihren Terminkalender müssen S
von Johanna Hofleitner


Bei den Ausstellungsmachern steht die Malerei schon länger im Kurs. Beim Publikum sowieso. Und den Künstlern stellt sich die Frage gar nicht, denn gemalt wird immer. Einen veritablen Trend losgetreten haben jene (Künstler ebenso wie Kuratoren, Kritiker und Galeristen – eine Trias, die ja letztendlich nicht nur für die Bewertung, sondern auch die Promotion zuständig ist), die neue Realismen ins Visier nehmen. Sprich: Die die Malerei unter dem Gesichtspunkt des Einflusses von Medien wie Photographie, Film, Massenmedien auf den Prüfstand stellen.

Unter dem Motto „Lieber Maler, male mir …“ heftet sich die Kunsthalle Wien an die Fersen eines Großmeisters der gemalten Ironie: Francis Picabia, Avantgardist, Dadaist, Maschinenfetischist, Experimentator, in der Malerei bald Abstrakter, bald Realist, phasenweise dem Kitsch zugetan, im Spätwerk auch Informeller. Da es um einen „Radikalen Realismus“ geht, wie er nach Picabia von Malern wie Kippenberger, Polke, Katz oder Tuymans auf die Spitze getrieben wurde, zitiert der Titel eine frühe, ganz unter dem Zeichen von Kitsch & Kommerz stehende Schau Kippenbergers.
Ein Fall für „Radikalen Realismus“ wäre auch die Porträtierung von Ikonen des TV-Zeitalters, wie sie die junge Amerikanerin Elizabeth Peyton betreibt. Ihre schrillbunten Gemälde von Popstars, Künstlern und anderen Berühmtheiten zeigt der Salzburger Kunstverein.

February 5.30 P.M.| (c) Alex Katz/ Collection de l'Artiste

Moderne Klassik

Wer’s nicht gar so radikal mag, findet seinen Meister vielleicht in Siegfried Anzinger. Mit wunderbar verwaschenen Figurenbildern schaffte er den Spagat zwischen Mäßigung und Radikalismus und gilt zu Recht als Klassiker der Gegenwartsmalerei. Zusammen mit Gefährtin Marie Luise präsentieren ihn die Essls in ihrem Kunsthaus. An der österreichischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts schrieben auch die Maler der „Wirklichkeiten“ mit: Wolfgang Herzig, Martha Jungwirth, Kurt Kocherscheidt, Peter Pongratz, Franz Ringel und Robert Zeppel-Sperl. Heute wohlakzeptiert, hatten sie 1968 mit ihrem turbulenten Auftritt in der Secession für großes Ach & Weh gesorgt. Die Schau im Kunsthaus sollte hingegen kein Skandal mehr werden.

Den historischen Background zu so viel Zeitgenossenschaft kann man in der Hermesvilla auffrischen: die Sammlung Eisenberger läßt Stimmungsimpressionismus, Jugendstil & Moderne Revue passieren. Ein- und Überblick in die österreichische Kunstgeschichte seit der Zwischenkriegszeit gewährt auch die Sammlung Czerny, ein wichtiger Teil davon befindet sich in der Neuen Galerie Linz und kann noch wenige Wochen lang eingesehen werden.

Medienkunst

Von Medienbildern war die Rede – seit dem letzten Jahrhundert großes Vorbild für Kunst und Malerei. Gleichsam die Urform des massenmedialen Bildes ist die Photographie, angesichts der Bandbreite ausgestellter Photographie- und Medienkunst kann darüber in den kommenden Monaten extensiv nachgedacht werden.
Den Aspekt des Porträts faßt die OÖ Landesgalerie heraus. Gemeinsam mit Fotohof Salzburg präsentiert man „Menschenbilder“ elf europäischer Künstler. Besonderes Augenmerk gilt dem Spannungsfeld von künstlerischer Identität und Authentizität des Porträtierten.

 Green Man/ Portable Garden von Lois Weinberger (c) F. Weinberger

Die Beziehung von „Person/Zeit/Raum“ unter Berücksichtigung photographischer Anwendungen ist Mittelpunkt einer Ausstellung polnischer Künstler im Rupertinum Salzburg. Noch schärfer problematisieren die Venedig-Biennale-erprobten Arbeiten der Finnin Salla Tykkä das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft: „Pain Pleasure Guilt“ betitelt sie ihre Schau in der Bawag Foundation mit Videos und Photos, deren zentrale Thematik der Selbsthaß der ehemals bulimiekranken Künstlerin ist. That hurts! Auf die imaginativen Raffinessen des Mediums Film zielt hingegen die Kunst des Franzosen Pierre Huyghe ab, der das KUB in Bregenz in den nächsten Wochen in eine flirrende Traumwelt verwandeln wird.

Einen Blick zurück tut im November die Nationalbibliothek, deren wertvolles Bildarchiv auf die Schätze der ehemaligen habsburgischen Familienbibliothek zurückgeht. Mit der Schau „Subjektiv – Objektiv“ gewährt das Haus erstmals umfassend Einblick in seine reichhaltigen photographischen Bestände.

Genug der Maschinenbilder: Die Auswahl sei Anregung für weitere Streifzüge. Erforschen Sie etwa Maschinenzeichen & andere Tendenzen in der digitalen Typographie (im k/haus: „postscript“), Maschinenbauten (beim steirischen herbst: „Latente Utopien. Experimente der Gegenwartsarchitektur“) – und natürlich Maschinenkunst (am Beispiel der japanischen Extremperformerin Atsuko Tanaka im Taxispalais oder in Linz, wo an diesem Wochenende die ars electronica steigt).

Kleiner Ausstellungsleitfaden


Bawag Foundation, Wien: Salla Tykkä, 12. 9.–10. 11.
Galerie im Taxispalais, Innsbruck: Atsuko Tanaka: „Arbeiten aus der Gutai Zeit“, 7. 9.–3. 11. Lois Weinberger, 23. 11.–12. 1.
Generali Foundation, Wien: „Designs für die wirkliche Welt“, 13. 9.–22. 12.
Grazer Kunstverein, Graz: „Routes: imaging travel and migration“, 27. 10.–22.12.
Hermesvilla: : „Die Sammlung Eisenberger“, 24. 10.–2. 3.
Historisches Museum der Stadt Wien: „Sowjetische Fotografie der 1920er/1930er-Jahre.12. 9.–20. 10.
KUB, Kunsthaus Bregenz: „Pierre Huyghe“, 21. 9.–17. 11.
Kunsthalle Wien: „Lieber Maler, male mir…“, 20. 9.–1. 1. 03 Martin Arnold: „Deanimated“, 11. 10.–9. 2. 03
Kunsthaus Wien: „Lob der Malerei“, 3. 10.–9. 2. 03
Kunstraum Innsbruck: „Plus Ultra“, 18. 10.–31.12.
Künstlerhaus: „postscript. Tendenzen in der digitalen typografie“, 10. 10.–1. 12.
Landesgalerie am OÖ Landesmuseum: „Gegenüber. Menschenbilder in der Gegenwartsphotographie“, 17. 9.–18. 9.
MAK, Wien/ Galerie: Ulrike Lienbacher, „Aufräumen”, bis 27. 10. Kunstblättersaal: Stefan Sagmeister, „Handmade“, 25. 9.–5. 1. – Contemporary Art Tower: „Heaven’s  Gift. Eine neue Strategie zur Präsentation zeitgenössischer Kunst“, bis 10. 11.
Neue Galerie der Stadt Linz: „Sammlung Czerny – Sammeln aus Leidenschaft“, bis 19. 10.
Offenes Kulturhaus, Linz: „CyberArts 2002. Prix Ars Electronica Exhibition“, 7.–22.9.
Österreichische Nationalbibliothek, Wien: „Subjektiv – Objektiv: Die Fotosammlung der ÖNB“, 20. 11.–25. 1. 03
Rupertinum, Salzburg: „Person/Zeit/Raum – Fotografie aus Polen“, 26. 10.–24. 11. Giuseppe Zigaina: „Zeichnungen und Radierungen 1947–2001“, 30. 10.–1. 12.
Salzburger Kunstverein: Elizabeth Peyton: bis 6. 10. „Geschichte(n)“, 17. 10.–8. 12.
Secession, Wien: „Trespassing – Konturen räumlichen Handelns“, 13. 9.–3. 11.
steirischer herbst: „Latente Utopien. Experimente der Gegenwartsarchitektur“, 27. 10.–2.3. 03 „„Balkan Konsulat proudly presents: Belgrad“, 27. 10.–21. 12. Cosima von Bonin: „Fondorientierte Ausstellung”, 27. 10.–1. 12.



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