Bei den Ausstellungsmachern steht die Malerei schon länger im Kurs.
Beim Publikum sowieso. Und den Künstlern stellt sich die Frage gar nicht,
denn gemalt wird immer. Einen veritablen Trend losgetreten haben jene
(Künstler ebenso wie Kuratoren, Kritiker und Galeristen – eine Trias, die
ja letztendlich nicht nur für die Bewertung, sondern auch die Promotion
zuständig ist), die neue Realismen ins Visier nehmen. Sprich: Die die
Malerei unter dem Gesichtspunkt des Einflusses von Medien wie
Photographie, Film, Massenmedien auf den Prüfstand stellen.
Unter dem Motto „Lieber Maler, male mir …“ heftet sich die Kunsthalle
Wien an die Fersen eines Großmeisters der gemalten Ironie: Francis
Picabia, Avantgardist, Dadaist, Maschinenfetischist, Experimentator, in
der Malerei bald Abstrakter, bald Realist, phasenweise dem Kitsch zugetan,
im Spätwerk auch Informeller. Da es um einen „Radikalen Realismus“ geht,
wie er nach Picabia von Malern wie Kippenberger, Polke, Katz oder Tuymans
auf die Spitze getrieben wurde, zitiert der Titel eine frühe, ganz unter
dem Zeichen von Kitsch & Kommerz stehende Schau Kippenbergers.
Ein
Fall für „Radikalen Realismus“ wäre auch die Porträtierung von Ikonen des
TV-Zeitalters, wie sie die junge Amerikanerin Elizabeth Peyton betreibt.
Ihre schrillbunten Gemälde von Popstars, Künstlern und anderen
Berühmtheiten zeigt der Salzburger Kunstverein.
Moderne Klassik
Wer’s nicht gar so radikal mag, findet seinen Meister vielleicht in
Siegfried Anzinger. Mit wunderbar verwaschenen Figurenbildern schaffte er
den Spagat zwischen Mäßigung und Radikalismus und gilt zu Recht als
Klassiker der Gegenwartsmalerei. Zusammen mit Gefährtin Marie Luise
präsentieren ihn die Essls in ihrem Kunsthaus. An der österreichischen
Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts schrieben auch die Maler der
„Wirklichkeiten“ mit: Wolfgang Herzig, Martha Jungwirth, Kurt
Kocherscheidt, Peter Pongratz, Franz Ringel und Robert Zeppel-Sperl. Heute
wohlakzeptiert, hatten sie 1968 mit ihrem turbulenten Auftritt in der
Secession für großes Ach & Weh gesorgt. Die Schau im Kunsthaus sollte
hingegen kein Skandal mehr werden.
Den historischen Background zu so viel Zeitgenossenschaft kann man in
der Hermesvilla auffrischen: die Sammlung Eisenberger läßt
Stimmungsimpressionismus, Jugendstil & Moderne Revue passieren. Ein-
und Überblick in die österreichische Kunstgeschichte seit der
Zwischenkriegszeit gewährt auch die Sammlung Czerny, ein wichtiger Teil
davon befindet sich in der Neuen Galerie Linz und kann noch wenige Wochen
lang eingesehen werden.
Medienkunst
Von Medienbildern war die Rede – seit dem letzten Jahrhundert großes
Vorbild für Kunst und Malerei. Gleichsam die Urform des massenmedialen
Bildes ist die Photographie, angesichts der Bandbreite ausgestellter
Photographie- und Medienkunst kann darüber in den kommenden Monaten
extensiv nachgedacht werden.
Den Aspekt des Porträts faßt die OÖ
Landesgalerie heraus. Gemeinsam mit Fotohof Salzburg präsentiert man
„Menschenbilder“ elf europäischer Künstler. Besonderes Augenmerk gilt dem
Spannungsfeld von künstlerischer Identität und Authentizität des
Porträtierten.
Die Beziehung von „Person/Zeit/Raum“ unter Berücksichtigung
photographischer Anwendungen ist Mittelpunkt einer Ausstellung polnischer
Künstler im Rupertinum Salzburg. Noch schärfer problematisieren die
Venedig-Biennale-erprobten Arbeiten der Finnin Salla Tykkä das Verhältnis
von Individuum und Gesellschaft: „Pain Pleasure Guilt“ betitelt sie ihre
Schau in der Bawag Foundation mit Videos und Photos, deren zentrale
Thematik der Selbsthaß der ehemals bulimiekranken Künstlerin ist. That
hurts! Auf die imaginativen Raffinessen des Mediums Film zielt hingegen
die Kunst des Franzosen Pierre Huyghe ab, der das KUB in Bregenz in den
nächsten Wochen in eine flirrende Traumwelt verwandeln wird.
Einen Blick zurück tut im November die Nationalbibliothek, deren
wertvolles Bildarchiv auf die Schätze der ehemaligen habsburgischen
Familienbibliothek zurückgeht. Mit der Schau „Subjektiv – Objektiv“
gewährt das Haus erstmals umfassend Einblick in seine reichhaltigen
photographischen Bestände.
Genug der Maschinenbilder: Die Auswahl sei Anregung für weitere
Streifzüge. Erforschen Sie etwa Maschinenzeichen & andere Tendenzen in
der digitalen Typographie (im k/haus: „postscript“), Maschinenbauten (beim
steirischen herbst: „Latente Utopien. Experimente der
Gegenwartsarchitektur“) – und natürlich Maschinenkunst (am Beispiel der
japanischen Extremperformerin Atsuko Tanaka im Taxispalais oder in Linz,
wo an diesem Wochenende die ars electronica steigt).
Kleiner Ausstellungsleitfaden
Bawag Foundation, Wien: Salla Tykkä,
12. 9.–10. 11.
Galerie im Taxispalais,
Innsbruck: Atsuko Tanaka: „Arbeiten aus der Gutai Zeit“, 7. 9.–3.
11. Lois Weinberger, 23. 11.–12. 1.
Generali Foundation,
Wien: „Designs für die wirkliche Welt“, 13. 9.–22.
12.
Grazer Kunstverein, Graz: „Routes: imaging travel
and migration“, 27. 10.–22.12.
Hermesvilla: : „Die
Sammlung Eisenberger“, 24. 10.–2. 3.
Historisches Museum der
Stadt Wien: „Sowjetische Fotografie der 1920er/1930er-Jahre.12.
9.–20. 10.
KUB, Kunsthaus Bregenz: „Pierre Huyghe“,
21. 9.–17. 11.
Kunsthalle Wien: „Lieber Maler, male
mir…“, 20. 9.–1. 1. 03 Martin Arnold: „Deanimated“, 11. 10.–9. 2.
03
Kunsthaus Wien: „Lob der Malerei“, 3. 10.–9. 2.
03
Kunstraum Innsbruck: „Plus Ultra“, 18.
10.–31.12.
Künstlerhaus: „postscript. Tendenzen in der
digitalen typografie“, 10. 10.–1. 12.
Landesgalerie am OÖ
Landesmuseum: „Gegenüber. Menschenbilder in der
Gegenwartsphotographie“, 17. 9.–18. 9.
MAK, Wien/
Galerie: Ulrike Lienbacher, „Aufräumen”, bis 27. 10.
Kunstblättersaal: Stefan Sagmeister, „Handmade“, 25. 9.–5. 1. –
Contemporary Art Tower: „Heaven’s Gift. Eine neue Strategie zur
Präsentation zeitgenössischer Kunst“, bis 10. 11.
Neue Galerie
der Stadt Linz: „Sammlung Czerny – Sammeln aus Leidenschaft“, bis
19. 10.
Offenes Kulturhaus, Linz: „CyberArts 2002.
Prix Ars Electronica Exhibition“,
7.–22.9.
Österreichische Nationalbibliothek,
Wien: „Subjektiv – Objektiv: Die Fotosammlung der ÖNB“, 20.
11.–25. 1. 03
Rupertinum, Salzburg: „Person/Zeit/Raum
– Fotografie aus Polen“, 26. 10.–24. 11. Giuseppe Zigaina: „Zeichnungen
und Radierungen 1947–2001“, 30. 10.–1. 12.
Salzburger
Kunstverein: Elizabeth Peyton: bis 6. 10. „Geschichte(n)“, 17.
10.–8. 12.
Secession, Wien: „Trespassing – Konturen
räumlichen Handelns“, 13. 9.–3. 11.
steirischer
herbst: „Latente Utopien. Experimente der Gegenwartsarchitektur“,
27. 10.–2.3. 03 „„Balkan Konsulat proudly presents: Belgrad“, 27. 10.–21.
12. Cosima von Bonin: „Fondorientierte Ausstellung”, 27. 10.–1.
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