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03.03.2003 01:14

Provokationsfreie Zone
Schlingensief und Phettberg gestalteten den vorerst letzten Abend im Depot: Diskurs- Notstand im Raum für "Kunst und Diskussion"?



Bei der letzten Solidaritätsveranstaltung für das Depot – gestaltet von Christoph Schlingensief und Hermes Phettberg - wollte im Raum für "Kunst und Diskussion" kein wirklicher Diskurs entstehen.




Das "letzte Zigaretterl" wurde im Depot schon mehrmals geraucht. Auch letzte Folder und letzte Abende mussten aufgrund von verspätet und drastisch gekürzt eingegangenen Fördermitteln wiederholt angekündigt werden. Diesmal, so "entschuldigt" das Depot die Tatsache, dass es seitdem trotzdem immer wieder weiter gegangen sei, schreie man "ein bisschen hoffnungsloser und müder" um Hilfe.

Etwas müde bahnte sich auch das Gespräch zwischen Christoph Schlingensief und Hermes Phettberg an, das die Viennale zur 45. und letzten Solidaritätsveranstaltung für die von der Schließung bedrohte Institution beisteuerte. Aus dem laut Ankündigung "furiosen Überraschungspaket" purzelten vor allem wertvolle Lebensweisheiten der beiden. Angefangen vom Wichsen vor Klassenarbeiten bis zum besseren Prügel-Einstecken-Können bei Neumond. Den "Teufel möglicherweise" [so der Titel des Abends] hätte es nicht hinter dem Ofen hervorgelockt und nach und nach blieben im Saal die Lacher aus.

"Vielleicht ganz unterhaltsam"

Ungestört davon sinnierte Phettberg weiter über Religiöses und Sexuelles – "alles andere ist eh klar" – und schubste den "Theaterprovokateur" damit in die Rolle des hartnäckigen Verfechters der Ernsthaftigkeit (!). "Das ist vielleicht ganz unterhaltsam" mahnte dieser Phettbergs Exkurse über Risotto in Gumpendorf und wunderte sich über die verquere Logik der gerade neu angelobten alten Regierung. Solche Orte, wie das Depot müssten gefördert werden, so Schlingensief, denn sie erlaubten den Regierenden, optimal abzulesen wer dort hingeht und also "zur Clique gehört". In puncto Subventionen sollte man die Möglichkeit haben, einen Pool mit "frei verfügbarem Geld" einzurichten, mit dem man "jeden Scheiß" machen kann. Dieses Geld müsse "der Herr Prokofiev oder so" (Anm.: gemeint war offenbar Kulturstadtrat Mailath-Pokorny) auch hergeben.

Wenig zimperlich kommentierte Hermes Phettberg die Lage des Depot. In der Zeitung, der er wöchentlich seinen "Predigtdienst" beisteuert, sei gestanden, das Depot hätte sich "batschert angestellt". Seit Jahren wüsste man wie es mit den Subventionen läuft: Bis 31.12. muss alles öffentliche Geld ausgegeben sein, aber erst im Frühjahr wird über die neuen Fördergelder entschieden. Man sei quasi selber Schuld. Phettbergs - vielleicht auch provokativ gemeinte - Kritik löste im Publikum an diesem Abend keinen Widerspruch aus. Zumindest keinen hörbaren. Stille an einem Ort der Zivilgesellschaft und der Diskussion.

Christoph Schlingensief, zeigte sich - ein paar Minuten nach Veranstaltungsende von derStandard.at auf Phettbergs Aussage angesprochen - tolerant: "Es ist gut, das es einen Ort gibt, wo Leute so was sagen dürfen." Und er hätte versucht, Phettberg da etwas entgegenzusetzen. Auf die Feststellung, dass aber das Publikum nicht widersprochen habe, relativiert Schlingensief: "Ja, das war seltsam. Das hätte er nicht erwartet." - Hinter dem "Theaterprovokateur" fällt die Tür leise ins Schloss. (kafe)

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