Pinselschriften
Mit "Pinselschriften", erschienen in der Bibliothek der Provinz, konnte
zusammengefasst werden, was diesen vielseitigen Künstler bewegt. Vorweg
muss man allerdings anmerken, dass Roman Scheidl ein weitgereister, mit
vielen Kulturen vertrauter Künstler ist - so gesehen kann die Peripherie
(Bibliothek der Provinz) ein Zentrum sein. Mit "weitgereist" ist auch eine
innere Reise gemeint, denn die Reisen beziehungsweise die Kulturen, die
Roman Scheidl kennen lernen konnte, schlagen sich in seiner Arbeit nieder.
Seit Anbeginn war er immer ein Erzählender, ein "narrativer" Künstler, ob
das im Kunstkontext gerade Mode war oder nicht. Grenzen, Begrenzungen
waren bestenfalls eine Herausforderung - insbesondere zu Schriften, zum
Schreiben, zu Zeitschriften hatte er eine unübersehbare Zuneigung, was
sich nicht nur in seinen unzähligen, tagebuchartigen
geschriebenen/gemalten Buchoriginalen niederschlug, sondern auch in
Annäherungen an den Faktor "Zeitschrift" durch temporäre Mitarbeit oder
durch Botschaften. Eine andere Besonderheit von Roman Scheidl ist die
Liebe zum Material. In grauer Vorzeit, als ich noch im "Falterkollektiv"
war und Roman auch dorthin wollte, zeigte er mir einmal seine
Pinselsammlung - mit leuchtenden Augen. Immer wenn er gerade Geld hatte,
kaufte er genussvoll Malmaterial - denn man kann ja nie wissen -, wenn man
plötzlich kein Geld hätte, wäre man dann ja "arbeitslos". Müßig zu
erwähnen, dass historische Tuschzeichnungen eine Faszination auf ihn
ausübten. Doch vorerst malte er, als einer der so genannten "Jungen
Wilden", nicht ganz so wild, nicht ganz so locker und packte immer viel zu
viel in jedes Bild hinein - der sprudelnde Wissensfluss musste offenbar
untergebracht werden. Die ihm adäquate Form der Malerei - Pinselschriften
- fand er später, damit konnte er schneller auf die Einfälle reagieren -
was zuerst sozusagen übereinander war, entwickelte sich linear und weit
besser lesbar. Bewegung, Tanz, Musik, Theater, also Dinge, die in der
Zeitschiene liegen, die sich nicht auf einem Blatt, einer Leinwand
realisieren, interessierten ihn und er suchte die Zusammenarbeit mit
Künstlern aus anderen Sparten. Mit der Tänzerin Bettina Nisoli
entwickelte er dann jenen Stil von theaterähnlichen Aufführungen, bei
denen die Malerei eine tragende Rolle innehatte, eine Vision, die ihm
schon lange vorschwebte. Die Pinselschriften hatten sich in den Raum
verlagert. Inzwischen sind ihm die "Kunstmoden" wieder entgegengekommen,
denn eine Zeit lang war ja alles "Narrative" total out und auch die "hohe"
und die "angewandte" Kunst (sei es als Gegenstand, als politisches
Statement, als verbale Reflektion) haben keine Trennwände mehr - so ist
nun Buchobjekt, Aufführung, Wandgestaltung, Nutzobjekt, Grafik oder
Malerei mit "Pinselschriften" versehen, die Botschaft eines Künstlers mit
weitem Horizont. Auch Fotografie und Text gehören zu den Ausdrucksformen
von Roman Scheidl, insbesondere Texte zur Kunst. Der Grund, warum man
dennoch auf die Pinselschriften verweisen möchte, ist: auf diesem Gebiet
ist er eben geradezu konkurrenzlos (abgesehen von historischen Vorbildern
aus Fernost). Das Buch "Pinselschriften" von Roman Scheidl ist in der
Bibliothek der Provinz erschienen.
Erschienen am: 21.02.2003 |
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