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Zur künstlerischen Arbeit von Roman Scheidl/ Von Jana Wisniewski
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Pinselschriften

Mit "Pinselschriften", erschienen in der Bibliothek der Provinz, konnte zusammengefasst werden, was diesen vielseitigen Künstler bewegt. Vorweg muss man allerdings anmerken, dass Roman Scheidl ein weitgereister, mit vielen Kulturen vertrauter Künstler ist - so gesehen kann die Peripherie (Bibliothek der Provinz) ein Zentrum sein. Mit "weitgereist" ist auch eine innere Reise gemeint, denn die Reisen beziehungsweise die Kulturen, die Roman Scheidl kennen lernen konnte, schlagen sich in seiner Arbeit nieder. Seit Anbeginn war er immer ein Erzählender, ein "narrativer" Künstler, ob das im Kunstkontext gerade Mode war oder nicht. Grenzen, Begrenzungen waren bestenfalls eine Herausforderung - insbesondere zu Schriften, zum Schreiben, zu Zeitschriften hatte er eine unübersehbare Zuneigung, was sich nicht nur in seinen unzähligen, tagebuchartigen geschriebenen/gemalten Buchoriginalen niederschlug, sondern auch in Annäherungen an den Faktor "Zeitschrift" durch temporäre Mitarbeit oder durch Botschaften.
Eine andere Besonderheit von Roman Scheidl ist die Liebe zum Material. In grauer Vorzeit, als ich noch im "Falterkollektiv" war und Roman auch dorthin wollte, zeigte er mir einmal seine Pinselsammlung - mit leuchtenden Augen. Immer wenn er gerade Geld hatte, kaufte er genussvoll Malmaterial - denn man kann ja nie wissen -, wenn man plötzlich kein Geld hätte, wäre man dann ja "arbeitslos". Müßig zu erwähnen, dass historische Tuschzeichnungen eine Faszination auf ihn ausübten. Doch vorerst malte er, als einer der so genannten "Jungen Wilden", nicht ganz so wild, nicht ganz so locker und packte immer viel zu viel in jedes Bild hinein - der sprudelnde Wissensfluss musste offenbar untergebracht werden. Die ihm adäquate Form der Malerei - Pinselschriften - fand er später, damit konnte er schneller auf die Einfälle reagieren - was zuerst sozusagen übereinander war, entwickelte sich linear und weit besser lesbar.
Bewegung, Tanz, Musik, Theater, also Dinge, die in der Zeitschiene liegen, die sich nicht auf einem Blatt, einer Leinwand realisieren, interessierten ihn und er suchte die Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Sparten.
Mit der Tänzerin Bettina Nisoli entwickelte er dann jenen Stil von theaterähnlichen Aufführungen, bei denen die Malerei eine tragende Rolle innehatte, eine Vision, die ihm schon lange vorschwebte. Die Pinselschriften hatten sich in den Raum verlagert. Inzwischen sind ihm die "Kunstmoden" wieder entgegengekommen, denn eine Zeit lang war ja alles "Narrative" total out und auch die "hohe" und die "angewandte" Kunst (sei es als Gegenstand, als politisches Statement, als verbale Reflektion) haben keine Trennwände mehr - so ist nun Buchobjekt, Aufführung, Wandgestaltung, Nutzobjekt, Grafik oder Malerei mit "Pinselschriften" versehen, die Botschaft eines Künstlers mit weitem Horizont. Auch Fotografie und Text gehören zu den Ausdrucksformen von Roman Scheidl, insbesondere Texte zur Kunst. Der Grund, warum man dennoch auf die Pinselschriften verweisen möchte, ist: auf diesem Gebiet ist er eben geradezu konkurrenzlos (abgesehen von historischen Vorbildern aus Fernost).
Das Buch "Pinselschriften" von Roman Scheidl ist in der Bibliothek der Provinz erschienen.


Erschienen am: 21.02.2003

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