16.05.2003 19:59
Der Weg, vom Künstler zum
Lentos-Museumsdirektor
ls Peter Baum 1973 die neue Galerie der Stadt Linz von Walter
Kasten als Leiter übernahm, war der Wiener (Jahrgang 1939) zwar Österreichs
jüngster Museumsdirektor, in der Kunstszene aber längst kein Unbekannter mehr.
Nach einigen Semestern Jus hatte Baum durchaus erfolgreich begonnen, als
freischaffender Maler und Grafiker zu arbeiten, zwischen 1959 und 1972
zahlreiche Ausstellungen bestritten und Werke unter anderem an die Französische
Nationalbibliothek Paris und die Wiener Albertina verkaufen
können.
Daneben arbeitete er als Fotograf, Kunstkritiker und
Kulturjournalist für die Oberösterreichischen und Salzburger Nachrichten, die
Grazer Kleine Zeitung, die Tiroler Tageszeitung und als Redakteur der vom Wiener
Museum Moderner Kunst herausgegebenen Kunstzeitschrift alte und moderne kunst.
Dem nicht genug, führte der stets produktiv unter Strom stehende Baum die Wiener
Galerie auf der Stubenbastei und die Galerie in der Passage.
Als Leiter
der Galerie Schottenring realisierte er - finanziert durch die Erste
österreichische Spar-Casse - österreichische Erstpräsentationen von Victor
Vasarély, Emil Schumacher und Karl Fred Dahmen. Mit der Berufung nach Linz war
dann eine Entscheidung endgültig fällig: die Produktion eigener Kunst
einzustellen. "Das wäre nicht länger vereinbar gewesen", sagt der mittlerweile
vom jüngsten zu einem der längstdienenden Museumsdirektoren gewordene Baum
heute. Bereut habe er den Schritt nie, ebenso wenig wie die Tatsache, von Linz
aus nicht weiter an andere Häuser gezogen zu sein. Überlegungen in Richtung
Deutschland hat es gegeben, doch die Chance, wie jetzt mit dem "Lentos" ein
völlig neues Haus zu realisieren, bekommt man - wenn überhaupt - nur einmal im
Leben. Peter Baum hat sie in und für Linz genutzt. Er hat von dort aus etwa die
Schau Aspekte der Zeichnung in Österreich auf Deutschland-Tournee geschickt,
umgekehrt eine der seltenen, auch qualitätsvollen Marc-Chagall-Ausstellungen in
Linz realisieren können.
Im Frühjahr 2004 muss er "sein" Haus in Richtung
Pension verlassen. Die Gefahr der Langeweile dürfte nicht bestehen: Die
Fotografie hat ihn nie wirklich losgelassen, wo Peter Baum war - bei
Auslandsreisen, Atelierbesuchen, und Künstlerfesten -, da war immer auch eine
Kamera dabei. Und daran sollte sich ebenso wenig ändern, wie an Baums
Intimverhältnis zu (Kunst-) Büchern und Editionen. Die Bibliothek im Lentos
spricht 30.000 Bände davon.
Kaum vorstellbar auch, dass der Vielschreiber
sich künftig des Kommentierens und Vermittelns enthält oder alle
Beiratstätigkeiten aufgibt. Er wird es eben von Schloss Parz bei Grieskirchen
aus tun, in dem Peter Baum mit seiner Frau einen Trakt bewohnt. (Markus
Mittringer/DER STANDARD, Printausgabe, 17.05.2003)