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| 05.06.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Ausstellung: Rennkutschen statt Autorennen | ||
| VON DANIELA TOMASOVSKY | ||
| "Schwanenhals und Goldkrepine": In der Wagenburg zeigen junge Künstler ihren Zugang zu den alten Fahrzeugen. | ||
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Eine Spielzeugeisenbahn fährt im Kreis, verschwindet in
einer "Black Box". Ein Tunnel mit Einblick - und zwar durch den
Querschnitt eines nachgebauten Zugabteils. Immer wieder zischt dahinter
die Bahn im Dunkeln vorbei, man sieht nur den Lichtpunkt. Eine Kamera
vis-à-vis filmt das Geschehen und hilft, auf einem Bildschirm einen Stock
tiefer, die Szene zu verstehen. Die Atmosphäre, die den Betrachter bei der
Live-Übertragung erfasst, ist beklemmend. Das leere Zugabteil, das Rattern
der Eisenbahn vermitteln Einsamkeit und Leere. Nadim Vardags Installation
"The world has turned and left me here" weckt Assoziationen zu Edward
Hoppers "Frau im Eisenbahnabteil". Reisen ist hier nicht Lifestyle-Event,
sondern identitätsbedrohendes Aufbruchs-Erlebnis. Vardags Installation ist eine von 13 Arbeiten, in denen
sich Studenten der Akademie der Bildenden Künste mit Kutschen und anderen
historischen Fahrzeugen der Wagenburg auseinander setzen. Kuratorin
Elisabetta Bresciani will durch die Konfrontation alter Objekte mit
zeitgenössischer Kunst neue Perspektiven auf die Kutschen-Sammlung
eröffnen. Und sie dadurch vor dem Verstauben bewahren. Schwanenhals und
Goldkrepine sind Schmuckelemente an Luxuskutschen. Die jungen Künstler
haben sich dem "höfischen Tand" ganz unterschiedlich angenähert: Julia
Mueller besichtigt in einer Foto-Serie Fahrzeug-Ansammlungen - einen
Wohnwagenpark, einen Schrottplatz, ein Oldtimermuseum. Die Aufnahmen sind
streng formal aufgebaut - nebenbei soll hier noch die Starrheit des
Museumsbetriebs thematisiert werden. Originell ist Anne Meindls barocker Videospielautomat
"Run Royal": Zu einem historischen Tragsessel hat die Künstlerin einen
Vorbau gebastelt, in dem auf einem Monitor ein Computerspiel, ein
Kutschenrennen, läuft. Eine eigenartige Kombination: Das Museumsstück wird
zum - letztlich doch wieder sinnlosen - Nutzobjekt umfunktioniert.
Insgesamt eine interessante Schau. Wagenburg, Schönbrunn, tgl. 9-18h. |
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