Salzburger Nachrichten am 21. März 2006 - Bereich:
Sierra beendet umstrittene Kunstaktion in Synagoge

Die umstrittene Kunstaktion des Spaniers Santiago Sierra in der Synagoge von Pulheim-Stommeln bei Köln ist endgültig beendet. Dies sei das Ergebnis eines Gesprächs des Künstlers mit der jüdischen Gemeinde in Köln, teilte die Stadt Pulheim am Dienstag mit. Sierra hatte in das ehemalige jüdische Bethaus Autoabgase geleitet, um der Banalisierung der Erinnerung an den Holocaust entgegenzuwirken.

Dies hatte unter anderem der Zentralrat der Juden als Verhöhnung der Opfer kritisiert. Die Aktion hatte am 12. März begonnen und sollte ursprünglich an jedem Sonntag bis Ende April fortgesetzt werden. Das Projekt, bei dem die frühere Synagoge zur "Gaskammer" wurde, "war und ist für die Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Köln nicht tolerabel. Das wird von den Offiziellen der Stadt Pulheim ebenso nachgefühlt wie auch vom Künstler selber", hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung.

Das Aus für das Projekt "245 Kubikmeter" sei einvernehmlich mit dem Künstler beschlossen worden. Sierra erklärte, er habe niemanden beleidigen oder verletzen wollen. Alle Beteiligten seien sich darin einig, dass das seit 1991 jährlich von der Stadt Pulheim organisierte Projekt "Kunst in der Synagoge" einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Juden in Deutschland und zur Erinnerung an den Holocaust leiste.

Nach heftiger Kritik an dem Projekt, für das der in Mexiko lebende Sierra mit langen Schläuchen Abgase von sechs Autos in das ehemalige Gebetshaus geleitet hatte, war die Aktion zunächst vorübergehend gestoppt worden. Besucher hatten zuvor die Synagoge mit einer Gasmaske und in Begleitung eines Feuerwehrmanns betreten können.

Neben dem Zentralrat der Juden hatten sich zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft über die Kunstaktion empört gezeigt.