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Kunstberichte

Das Museum für angewandte Kunst zeigt unter dem Titel "Recollecting" eine Schau über Raub und Restitution

Zwischen Erinnerung und Politik

Holt das Grauen in die Gegenwart: Mit ihrem Beitrag in der Schau "Recollecting" inszeniert Lisl Ponger eine Raubsituation im Heute. Foto: Charim Galerie Wien/MAK

Holt das Grauen in die Gegenwart: Mit ihrem Beitrag in der Schau "Recollecting" inszeniert Lisl Ponger eine Raubsituation im Heute. Foto: Charim Galerie Wien/MAK

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Mit der Ausstellung "Recollecting" ist nun das Museum für angewandte Kunst (MAK) Schauplatz des emotional und politisch aufgeladenen Themas Restitution – und man darf eigentlich sagen: schon wieder. Nachdem hier 1996 die Mauerbach-Versteigerungsaktion stattgefunden hat, lässt sich nun fast von einer Fortsetzung der sichtbar gemachten Provenienzforschungen sprechen.

17 Schicksale von Wiener Familien mit Sammlerpersönlichkeiten werden durch die restituierten Exponate und ihre Dokumente vorgestellt. Als roter Faden ziehen sich 14 künstlerische Interventionen durch die Schau, deren Metallgerüste einerseits den Charakter von Werkzeug-Regalen, andererseits den von Stelen vermitteln – womit die Ausstellungsarchitektur eine dem Thema entsprechende Sensibilität zeigt. Im Eingangskorridor lassen sich zum Thema NS-Kunstraub erschienene Bücher sowie Computerdaten zur Recherche befragen.

Kein Blockbuster

Die von wesentlichen Stellen in Bund und Land unterstützte Schau ist anspruchsvoll und didaktisch: Hier benötigen Besucher Zeit, und das entspricht ganz und gar nicht dem üblichen Konzept einer gut verkäuflichen Blockbuster-Ausstellung. Hoffentlich spricht sich gerade diese Qualität herum; zudem könnten auch die Stellungnahmen von Künstlerinnen wie Verena Frenkel, Carola Dertnig und Silke Schatz Besucher anlocken – sind die Vertreter der Gegenwartskunst doch allesamt für ihre spannenden Beiträge zu dem Thema bekannt.

Der abgegossene Elefant eines Porzellan-Originals wird durch Maria Eichhorn zum Zeichen: Ohne die Leihwilligkeit der Erben wäre all dies hier unmöglich. Die Künstlerin fuhr zur Erstellung des Abdrucks in die USA – und so konnten auch Interviews mit den heutigen Besitzern ein wesentlicher Bestandteil der Ausstellung werden.

Rainer Ganahl hat die zurückgegebenen Objekte an ihrem aktuellen Platz fotografiert – jedenfalls, soweit dies möglich war und die Stücke nach ihrer Restituierung nicht wieder von jenem Museum zurückgekauft wurden, das sie vorher beheimatet hatte.

Symbolische Reise

Zurückgekauft hat ja etwa das technische Museum einen Fiat 522C, Baujahr 1931, vom Ehepaar Moritz und Rosa Glückselig: Für die Schau wurde eine Fahrt zwischen den Museen von Christian Philipp Müller filmisch festgehalten; diese Reise ist symbolisch für die ganze Ausstellung, aber nicht nostalgisch.

Das gilt auch für die Geschichte um das Glas-Service "Maria Theresia" der Firma Lobmeyr, das die Schwiegertochter der Familie Altmann als "Göring-Gläser" tituliert hat. Hier existiert die Vermutung, die Kristallglaspokale könnten im Jagdhaus Hermann Görings benützt worden sein. Im Fall des Porzellans von Ferdinand und Adele Bloch-Bauer restituierte das MAK 1999 an die Erben, die Stücke gingen dann bei der Versteigerung an den Fürsten Liechtenstein.

Bissige Kommentare

Recht bissig kommentiert Ines Doujak daneben den Umgang mit der restituierten "goldenen Adele" von Gustav Klimt. Lisl Ponger holt dagegen mit ihrem inszenierten Foto "Horror vacui" die Erinnerung in die Gegenwart: Mit einer Raubsituation im Heute berührt sie – wie auch ihre Kollegenschaft – die Diskussion um das späte Rückgabegesetz und die davor praktizierten "Tauschgeschäfte" und "Schenkungen".

Die englischen Erben nach Wilhelm Freud werden zwar nun das prachtvolle Gemälde von Anselm Feuerbach "Medea an der Urne" vom Belvedere bekommen, doch bleibt mancher Fall weiterhin ungeklärt, wie das Porträt der Franziska Charlemont von Hans Makart. In "Recollecting" sind dagegen die geklärten Lebens- und Objektgeschichten in der Mehrzahl – bis zu Büchern, Knöpfen und Spielzeugschachteln.

Aufzählung Ausstellung

Recollecting. Raub und Restitution
MAK Ausstellungshalle Alexandra Reininghaus (Kuratorin) MAK Ausstellungshalle Bis 15. Februar

Printausgabe vom Mittwoch, 03. Dezember 2008

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